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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-04-22 · Heft 14 (22.4.1885) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 14 (22.4.1885)
Date
1885-04-22
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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aber, welches sich im allgemeinen gern leiten läßt, jedoch auf gewissen Punkten stützt und seinen eigenen Instinkten folgt, kann ,es nicht verwinden, dass sein liebes Klavier ebenso aussehen soll wie sein Bücherschrank; es will sein Klavier als etwas Besonderes sehen, was nicht zum Mobiliar gehört, und widersetzt sich mit ungewohnter Hartnäckigkeit gerade in diesem Punkte allen weltbeglückenden Verbesserungsvorschlägen der Renaissancekünstler. ‘ Es ist auch vollkommen wahr und richtig: das Klavier ist etwas Besonderes und will auch künstlerisch als etwas Besonderes behandelt sein; kann man dies letztere nicht erzielen, so bleibt man am besten entsagend bei dem glätten schwarzen Kasten, der nichts verstellen will und sich deshalb überall ein fügt. Ein erfreuliches Resultat ist aber diese Entsagung keineswegs. Denn schließlich muss man doch allseitig zugestehen, dass das Klavier seiner ganzen Natur nach als Freudenspender den heiteren Schmuck der Kunst nicht nur ertragen kann, sondern geradezu beansprucht. Mit dem jetzigen Zustande eines Musikzimmers, in welchem alle Wände und Möbel in reichster Zierde prangen, während in der Mitte das Klavier düster und feierlich wie ein dunkler Sargkasten dasteht, ist das Verhältnis auf den Kopf gestellt. Geradezu umgekehrt dürsten alle übrigen Höbet einfach gehalten zurücklreten, das Klavier dagegen müßte wie ein Feftaltar so schön geziert sein, als die Kunst der Zeit es nur immer vermag. - - ’ (Fortsetzung folgt.) Eine inrriminirte Eulogie von Z>r. A. «Lörvy, Rabbiner und Prediger in Butschowitz, Mähren. > ' .(Schluss.) . Nun schreiten wir zur Besprechung der:ברכה ש׳ע עבך«־*. Die ursprüngliche Segensformel scheint die in der Tossefta angeführte gewesen zu sein, welche lautete: ברוך ש׳ע בור ,Gelobt seiest Du, dass Du mich nicht als ein Unwissender werden ließest/ Motivirt wird diese Formel dorrselbst zur Stelle שאין בור ירא חפא weil ein Unwissender keine Sünde scheut; משל למלך ב״ו שאמר לעבדו לבשל לו תבשיל׳ והוא לא בשל לו תבשיל מימיו וגד dies gleicht einem Könige, welcher dereinst einem Diener, der zeitlebens sich nie mit der Kochkunst beschäftigte, urplötzlich den Auftrag ertheilte, dass er ihm eine.Speise zubereite. Dieser mußte zwar, ohne eine Einwendung machen zu dürfen, sich in den despotischen Befehl des Königs fügen, er bereitete wohl für denselben eine Speise, aber sie war ungenießbar. Ein zweites Gleichnis lautet: לחפות לו חלוק׳ והוא לא חיפת חלק מימיו ובד• Einen anderen Diener beredete der Köniz wiederum, ihm einen Rock zu repariren, obwohl er nicht Schneider von Profession war; er vollzog wohl den königlichen Befehl, reparirte den Rock/ welcher aber dadurch unbrauchbar geworden ist. Die Anwendung dieser Gleichniße liegt auf der Hand. Was frommts, wenn der Unwissende ein Gebot ausübt, wenn er nicht weiß, LU welcher Zeit, aus welche Weise und aus welchem Grunde er dasselbe zu erfüllen habe. Za, oft meint ein Unwissender etwas Gutes, eine den Gesetzen Gottes entsprechende Thal verübt zu haben, während er in Wirklichkeit einen gewaltigen Verstoß gegen die religionsgesetzlicheu Verordnungen begangen׳ Aus diesen erwähnten Ursachen bürgerte sich das Sprichwort in- Israel ein: ולא עם הארץ חמיד. Ein Ignorant kann nicht als fromm betrachtet werden. Als der stärkste Schimpf unter den Juden galt von jeher, wenn man zu, oder von Jemandem sagte, das ist ein Am-Horez, ein selbstredender Beweis, dass die Juden jederzeit den Schwer- Punkt auf Bildung und Wissenschaft gelegt, und dass der Unwissende in ihrer Mitte als Gegenstand des Hasses und der souveränen Verachtung war. Diese Segensformel ש״ע בור wird jedoch im babylonischen Talmud (Menachoth 43 b) einer eingehenden Kritik unterzogen, weil dies wie ein Selbstlvb und eine Selbstüberhebung klingt, wenn man alltäglich von sich selbst rühmend hervorhebt, dass man nicbt zu den Unwissenden, sondern sogar zu den Gelehrten zähle. Der weise NabbbAcha ermahnte eindringlich seinen Sohn, nicht nach uraltem Brauche ש״ע בור zu beten. Wie kannst du so unbescheiden sein, sprach Rabbi Acha zu seinem Sohne, von dir selbst täglich auszusagen, dass du ein Gelehrter bist? Augesichts dieser triftigen Einwendung gegen genannte Segensformel wurde dieselbe gänzlich abgeschafft und der Segensspruch שלא עשגי עבד trat an deren Stelle, welcher noch bis zum heutigem Tage das Vorrecht eingeräumt wird. Auch ein ע2ד ward von vielen Geboten dispensirt, daher danken wir Gott, dass er uns nicht zum Knechte werden ließ, und dass wir׳ als freie Männer eine solche reichhaltige Auswahl in Ge-und Verboten zur Nichtschnür unseres Lebens besitzen, deren Beobachtung unser Leben verschönert und erfreut. Soweit die Erklärung dieser drei Segenssprüche nach der Anschauung der Talmudistcn. Es scheint aber, dass diese Eulogien aus historischem Untergründe ruhen, denn der Verfasser, derselben, sei er nach der talmudischen Necension R. Mäir, oder nach der Necension der T088«kta Rabbi Jehuda, beide Tanaim lebten doch bekanntlich zuist Zeit, als die Römer die Geißel ihrer Suprematie die Jsr. eliten in schärfster Weise fühlen ließen. Durch den häufigen Contact mit den Römern ward ihnen in der damaligen Zeit das römische Recht zur Genüge bekannt.' Bei den Nömern'chatte die! Frau eine subalterne und sogar eine servile Stellung ihrem Manne ^gegenüber, der Mann allein durfte seine Frau, wenn ein Verbrechen vorlag, mit Hinzuziehung von mindestens funk Personen justificiren. Allgemein ist es auch bekannt, mit welcher unbeschreiblichen Grausamkeit die Knechte von ihren römischen Dienstherren behandelt wurden, sie wurden, wenn ungehorsam befunden, den Thicrkampfen zur öffentlichen Schaulust der Römer preisgegeben, ein römischer Herr konnte und durfte ungestraft seinen Diener durch Züchtigung zum Krüppel machen. Angesichts solcher haarsträubender, jedes Humanitälszefühl lief verletzender Verhältniße, wiesen die Tanaim ohne das Kind beim rechten Namen nennen zu dürfen, weil sie sonst einer barten Strafe seitens der-Römer verfallen wären, in genannten Segessprüchen in verhüllter Form sowohl auf die schauderbafte Behandlungsweise römischer Gatten ihren Gattinen gegenüber, als auch auf die unmenschliche Behandlung der römischen Herren ihren Knechten gegenüber. Das rohe Verfahren der Römer mit ihren eigenen Frauen und Knechten rief demgemäß im Judenthume, auf Anregung der Autoritäten jener Zeit, mit Fug und Recht die drei Segenssprüche ש״ע גוי׳ ש״ע אשד״ ש״ע עבד auf die herzlosen Römer sich beziehend, hervor. I Karo» Max Springer. | Herr Baron Max Springer, der Chef des Hauses, welches an der Gründung des Pensionsfondes des österr.-ungar. Cantoren- Vereines durch eine munificente Spende so hervorragenden Antheil nahm, ist vorige Woche nach längerem Leiden gestorben.

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