Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 14 (22.4.1885)
- Date
- 1885-04-22
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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— 3 - wenn schon der zweite kommt, so entsteht dadurch eine Continus irliche Empfindung, welche wir mit'dem Namen Tonempsinduuz bezeichnen. Die Empfindung hoher Töne wird hervorgebracht durch Stöße, welche rasch auf einander folgen,, und die Empfindüng tiefer Töne wird erzeugt durch Stöße, welche langsam auf einander folgen.; : Da die Schallschwingungen sich : nach den Gesetzen der Wellenbewegung fonpflanzen, so müssen sie natürlich auch nach den Gesetzen der Wellenbewegung refleclirt und nach den Gesetzen der Wellenbewegung׳ gebrochen werden. Sie werden nach den Gesetzen der Wellenbewegung restectirt, indem ein Schallftrahl, der auf eine feste Wand fällt, von derselben zurückgeworfen wird unter demselben Winkel, unter dem er eingefallen ist. Er wird aber nicht znrückgeworfen mit der ganzen Stärke, mit welcher er eingefallen ist, weil ein Theil der-lebendigen Kraft der Moleküle auf die Wand selbst übertragen wird. Mit dieser Zurückweisung des Schalles unter demselben Winkel, unter dem eS eingefallen ist, hängt bekanntermaßen das Echo zusammen. Wir haben ein Echo, wenn wir uns in einer so bedeutenden Entfernung vou einer ausgedehnten, festen Wand befinden, dass der refiectirte Schall an unser Ohr gelangt, wenn schon der Eindruck des ursprünglichen Schalles erloschen ist. Durch mehrfache Refiexion entsteht das mehrfache Echo. Es hängt mit der Reflexion aber auch die Störung zusammen, welche in großen Räumen durch den Wiederhall entsteht, die Störung, die für Singende und Sprechende, z. B. für Cantoren und Kanzelredner ui nicht, aknstisch gebauten Tempeln fühlbar ist, die . Slöruug, welche entsteht in zu großen und.unzweckmäßig an» gelegten Theatern und Concertsäleu dadurch, dass die refiectirten Wellen und die ursprünglichen für den Hörenden zu weit auseinander fallen, so dass Unordnung in die Gehörswahrnehmungen kommt. (Fortsetzung folgt.) ״ Der künstlerische Schmuck des Claviers. Ein Beitrag zur Geschichte des Claviers*). Während man heißhungrig nach Objecten sucht, welche sich mit dem reichen Ornamentenschatz unserer neuesten Renaissancebewegung ankleiden lassen, während man schon in Schlafstube und Küche mit Formen und Farben jeder Art eingedrnngen.. ist, blieb gerade das kostspieligste Stück der Einrichtung, das Pianino, der Flügel, unberührt und stand mit seinem dunklen Holz in einer Art von düsterer Feierlichkeit inmitten der lustig verzierten Stubeneinrichtung; und doch ist es klar, daß sich für kein anderes Möbel so viele Motive künstlerischen Schmuckes finden lassen als für diesen Spender froher oder feierlicher Klänge. - Allerdings hat es an Versuchen zur künstlerischen Bewältigung des starren Clavierkastens nicht gefehlt, Loch diese Versuche nahmen zumeist einen ganz bestimmten Weg, auf welchem sie bald genug am Ende anlangten. Man ging von der Voraussetzung aus, daß es bei der Einrichtung eines Zimmers oder noch mehr eines Hauses in einem bestimmten Styl nicht wohl angängig sei, das Clavier außerhalb dieses Formenkreises zu belassen und ihm zu gestatten, mit seinem modernen Salonkleid die erwünschte Gleichmäßigkeit der historisch beglaubigten Erscheinung zu stören. Daß jede Zeit im Mobiliar nicht bloß *) Obiger Aufsatz ist auszugsweise einem diesbezüglichen Aufsätze in dem Jännerheste der Westermann'schcn Monatsschrift entnommen. ihre besonderen Zierate, sondern auch ihre besonderen Geräthe hatte, entsprechend den Wohnungsgebräuchen, Sitten und Lebensverhältnißen der Zeit, daß man also nicht willkürlich Sofa, Schreibtisch. Ebaistiongue romanisch oder gothisch Herstellen konnte -^-7alles das kümmerte jene Methodiker nicht, und wie die übrigen modernen Möbelsvrmen, so mußte auch das Clavier in die feweilig.beliebte Uniform sich einkleiden lassen. Wer einmal die Königszimmer auf der Bnrg von Nürnberg besucht bat. wird sich des wunderlichen Zwitterbalges, des ,golhischen (§.laüier&״, erinnern, das seinen Erfindern jedenfalls mehr Mühe als Befriedigung gebracht hat. Beim Sofa oder Schreibtisch können wir noch auf Kosten der Bequemlichkeit und Benutzbarkeit ge׳ wisse Zugeständniße machen und können uns eine steislehnige gvLhische'Bank u. s. w. ausschwatzen lassen, aber an den For׳ men eines-Flügels ist nun einmal nichts zu ändern, und den Ornamentisten bleibt nichts übrig, als seine gothischen Krabben oder barocken Kringel anßen heranzukleben. Jedoch selbst das ist schwierig, da die Wände der Resonanz halber dünnschalig bleiben müssen und keine festen, aufgesetzten Schnitzereien vertragen. Das Piano schien dew.gleichen Bestrebungen etwas wen!- ger Widerstand entgegenzubringen, besonders seit die gothische und klassische Richtung von der Nenäissaneebewegung abgelöst ist. .Der obere Aufbau des Pianos läßt sich mit wenigen Stri׳ chen in eine Art von breitgestreckter Tabcrnakelarchitectur umwandeln; Hausorgeln des 16. Jahrhunderts, Trnhenwände, Schrankenaussätze und andere Möbeltheile geben Vorbilder genug, um diese Form mannigfach umzugestalten. Wir haben denn auch auf allen Ausstellungen des letzten Jabrzchcius solche in Renaissanccformen gebildeten Pianogehäuse gesehen, welche sich in Form, Farbe und Decoration den jetzt modernen Bücherschränken, Buffets und anderen Möbeln vollständig anschließen; was man nur von geschnitztem, naturfarbenen Eichenholz, von Intarsien, durchbrochenen Arbeiten, von Säulen, Friesen, Füll- .platten, von Engelchen, stylisirten Blattgewinden, Palmetten, Voluten und Schnörkeln an unserem Mobiliare angebracht hat, fand man hier wieder, namhafte Firmen hatten Preise für die besten Entwürfe ausgeschrieben, tüchtige Architeeten hatten sich bei der Erfindung betheiligt, hervorragende Kunstinstitute haben sich mit Hilfe von Staatsconcurreuzen für die Aufgabe interessirt, und dennoch ist es nicht gelungen, diese geschnitzlen Renaissance-Pianinos ernstlich einzusühren, während zu gleicher .Zeit die ganzen Zimmereinrichtungen in diesem Stil eine Herrschende Mode wurden und sich, Büffets. Möbel des Speise- und Herrenzimmers selbst bet ״mittlerer Wohlhabenheit gar nicht mehr anders vorstellen ließen. Und gerade das Pianino blieb zurück, welches doch eigentlich ein Luxusftück ist, bei dem auf den Preis nicht allzu genau gesehen wird; und gar an den Flügel getrauten sich selbst die kühnsten Vorkämpfer der Nenäissaneebewegung nur schüchtern heran, kaum dass .sie den Füßen etwas mehr Schwung und Fülle gaben. Woher schreibt sich dieses Scheitern fast aller Versuche, dem Klavier eine künstlerische Gestalt zu geben? An der Qualität der Arbeiten kann es nicht liegen, denn für alle anderen Stücke der Hauseinrichtung ist das Publikum durch die gleichen Leistungen der nämlichen Künstler und Handwerker durchaus zusriedengestellt. Es muß wohl daran liegen, daß die betreffenden Versuche sich in falscher oder doch einer dem Publikum nicht zusagenden Richtung bewegen. Die Versuche gehen sämmtlich darauf aus, das Klavier möglichst den Formen der übrigen Möbel einzuordnen, und in den betreffenden Prospekten wird dies 1 immer wie eine unumstößlich richtige, ja eigentlich selbftverständ- I liche Forderung des guten Geschmackes angesehen. Das Publikum