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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-04-14 · Heft 13 (14.4.1885) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 13 (14.4.1885)
Date
1885-04-14
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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HU richten, die Eltern etwa auf die Schäden in der Erziehung ihrer Kinder aufmerksam zu machen, vielleicht auch zur Aenderung ihrer Handlungsweise zu veranlassen und das Kind über Bedeutung und Wcrlhschätzung gewisser Ceremonien und Gebrauche weniger aufzuklären, um der Gefahr auszuweichen, in der kindlichen Seele Zwiespalt und Zweifel wachzurufen, die das ,unschuldsvolle jugendliche Gemüth nur zu früh vergiften und irrcleiten? Gewiß! Deshalb find jene Religionsbücher weit eher zu begrüßen, die die Geschichte des Iudenthums behandeln, als jene, die die N e l i g i o u s ü b u n g zum Gegenstände haben, und ein solches Werk ist die vorliegende, von Herrn Rabbiner L. Wollner bearbeitete Sammlung gottesdienstlicher Vorträge. In leichtfaßlicher, dem jugendlichen Gedanken- und Anschauungskreise angepaßter Sprache behandelt es die Hauptmomente der biblischen Geschichte des Iudenthums, hebt alle bemerkenswerthen Ereignisse vermittelst Anwendung eines hebräischen Schlagwortes oder auch eines dem Inhalte des betreffenden Abschnittes zusammenfasseuden hebräischen Satzes hervor und gewährt demnach nicht bloS einen rascheren Ueberblick über die geschichtlichen Vorkommuiße, sondern womöglich gleichzeitig das leichte Behalten des Originaltextes. Bei der erschöpfenden Behandlung des reichhaltigen Bibel- Inhaltes erscheint die Arbeit insofern interessant, indem dieselbe rn Pcrikopcu oder Wochenabschnilte - getheilt sowohl in. systemalischer Reihenfolge als Gesammtwerk studirt, aber auch in jedem einzelnen Abschnitte als gesondertes Ganze gelesen werden kann, ohne lückenhaft zu erscheinen. An der Hand der geschichtlicheu Ereignisse wird sowohl das Moral- und Sittengesetz in den Hauvtzügen und auch das Ällerwichtigste der Ceremonialgesetze, allerdings nur fragmeutartig, erörtert und bietet sowohl der männlichen als weiblichen Zugend eine treffliche Lecnire, wie auch dem Lernbegierigen selbst des reiferen Alters schätzenswerthes Material zum Selbststudium. Auch dem nnterweisendeu oder Vortragenden Lehrer der biblischen Geschichte, der nicht viel Zeit auf eigene Arbeit verwenden kann und dennoch bemüssigr ist, seinen Zöglingen allwöchentlich einen kleinen Vortrag zu halten, wie nicht minder den« jenigen Eltern, die das Bedürfniß fühlen, über die biblische Geschichte und andere religiöse Angelegenheiten etwas nachzulesen, vielleicht auch im Kreise der Familie kleine Vorlesungen zu veranstalten, dürfte der .Mosesstab4 ein sehr willkommener Leitfaden sein und im Hinblicke auf diesen Umstand sei dasselbe hiemit namentlich jenen Cantoren, die gleichzeitig auch Neligionslehrer sind und für eine diesbezügliche Präparation oftmals keine Muße finden, wärmsteus und angelegentlich empfohlen. DaS Werk ist im Selbstverläge des Verfassers erschienen und bei demselben VIII., Josefstädterstraße Nr. 53 in Wien, durch die Post zu beziehen. 8 .... . Wie man Proselyten macht. In einer der letzten Nummern unseres Blattes haben wir über die Interpellation, die der Abgeordnete Dr. Bloch bezüglich der ihren Eltern gewaltsam vorenthaltenen Rachel Stieglitz an den Zuslizminister richtete, gemeldet. Wie nun Dr. Bloch, dessen Eifer in dieser Angelegenheit die vollste Anerkennung verdient, in einer an die Wiener Journale: gesandten Erklärung nachweist, ist dieser Fall nicht alleinstehend, und Rachel Stieglitz hat eine protestantische Schicksaisschwester gefunden. Die Erklärung lautet folgendermaßen: Löbliche Redactiou! Mehrere polnische Journale, unter ihnen vornehmlich der Krakauer Czas, veröffentlichen, vermuthlich aus der Feder des P. Eberhard, über die Vorgänge und die Ursachen der bekannten Affaire Stieglitz eine Darstellung, welche nach der Betheuerung des Chiel Stieglitz der Wahrheit widerspricht, aber wohl geeignet ist, in den Gang der gerichtlichen Untersuchung hemmend einzugreisen und vie öffentliche Meinung und ihr Urtheil irrezuführen. Da jene Journale jeder von dem Vater des geraubten Kindes ausgegangenen Berichtigung, in welcher Form immer, beharrlich die Ausnähme verweigern, der Appell an die revactionelle Loyalität in Krakau keine andere Wirkung erzielt, als die Berufung auf die einschlägigen Bestimmungen des öfteres uus bekam. Und als ich erst vollends den Preis eines mit j .4של פסת versiegelten Quantums Zucker erfuhr, bedauerte!. ich nur, dass der Pessack, nicht länger als 8 Tage dauere. Gewiß, die Z u ck e r kr i s e wäre behoben, wenn man an jeden Zuckerhut das Siegel ,NW 4של legen würde, eine Preissteigerung würde dann selbstverständlich sein und ein national-ökonomisches Nebel wäre beseitigt! Der NW ist am Ende dennoch für meine geehrten Standesgenossen ein sehr angenehmes Fest, sie haben wenigstens etwas zu zählen. Wenn auch kein Geld, so doch ספירות. Aber Geld ist ja nicht Alles. Denn sie kommen auch zu den מים N2NdL, und da muß unwillkürlich ein Jeder dasjenige zählen, das ihm werther als alles Geld und Gold ist — die Häupter seiner Lieben! Nur wünsche ich meinen Collegen, wenn sie mit vier Söhnen gesegnet sind, bessere Erziehungsresultate zu erzielen, als sie an jenen ארבעה מים in der Hagada verzeichnet sind, von der eine weise, der andere böse, der dritte einfältig und der vierte ein Tölpel ist. Statt deren würde ich ihnen lieber die ארבעה der Sprüche (Cap. 30, Vers 24) wünschen, wenn auch mit einer kleinen Textveränderung: "ארבעה הם גדולי ארץ׳ והמה חכמים מחכמים' .Alle vier mögen den Großen der Erde angehören und a u su e h m e 11 D weise sein.4 Am Schlüsse der Hagada aber sind noch .vier zu zählen, nämlich ארבע אמהות, vier Mädchen. Und da »noch e ick Jedem anrathen, wenn er nicht im glücklichen Besitze derselben ist, diese ארבע ganz wegznlassen, denn mit בבירות heiratet man k e i n e T ö ck t e r a u s. Aus dem Zählen aber kommt man bei der Hagada gar nickt heraus, und ich muß es auch sagen, dass ich bei der letzten Zahl in ein ernstes Dilemma gerathen bin. Denn zäble ick, wie es in der Hagada verzeichnet ist, verstoße ich gegen das Landesgesetz, zähle ich nicht so, verstoße ich gegen das Religionsgcsetz. In unserem Vaterlande ist ja die körperliche Züchtigung aus allen Gebieten, in der Schule sowohl, wie in der Justiz, gänzlich abgeschafft worden, und dennoch sollte ich den Egyptern die עשר מכות appliciren? Wie da einen Ausweg finden? Doch wer suchet, der findet. Rabbi Jehuda hat bekanntlich die עשר מכות in drei מכות contrahirt:דצ״ך עדי ש באה״ב• Ich folgte seinem Beispiele. Dem religiösen Gefühle habe ich damit genügt, oder glaube wenigstens, ihm genügt zu haben, denn frommer .wie Rabbi Jehuda will ich gar nicht sein, und gegen das Landesgesetz habe ich weniger gesündigt, da ich die מכות um siebe n reduzirt habe.

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