Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 11 (25.3.1885)
- Date
- 1885-03-25
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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schön ist der Laddiseb, Nr. 21, in A־moll für Cantor und Chor, der im Mittelsatz Andante 161igi080 sechsstimmig wird. Zch gebe ihm den Vorzug vor seinem Nackfolger. Nr. 22. — Nr. 25 und 26 enthalten je ein Mögen owos. Zn dem erftern derselben will ich das reizende Stimmengewebe in dem frischklingenden E-dur-Satze, und im andern die Ausnahme des Leitmotivs von seilen des Baß-Solos im Largo-Satze auf ״Ei hahodoos“ 2c. nicht unerwähnt lassen. — N:. 27 und 28 sind für den Cantor — abgesehen von den Responsen — geschrieben. Der Abendgottesdienft schließt mit zwei Adon 010m. Der Morgengottcsdienst beginnt leider erst mit der E'dusebob für Scbacharis, zweimal. Beide sind von ungewöhnlicher Schönheit. Die zweite besonders ist ein wahres Kabinetstückcken, wozu die Verzierungen der 32tel im Tenor I. des Männerchors (S. 41) und das bunte Stimmengewebe in der zweiten Hälfte des Andante das Ihrige beitrag-.n. — Nr. 36 bis 41 zeichnen sich durch interessante Modulationen schöne Stimmführung aus. — Dass der Componist in der Kunst des Contrapunktes heimisch ist, beweist das meisterhafte ״Amen“, Nr. 42. — Die Neumondsweihe führen uns. die Nummern 43 bis 46 sehr ansprechend vor, und ist daraus besonders die Fuge Nr. 46 hervorhebenswerth. Der Raum in diesem Blatte legt mir Beschränkung auf, so dass ich nur noch die K’duschah für Mussaph in A-dur und die in B-dur hier nenne, von welchen jede der beiden viel des Schönen ausweist, und ich nicht weiß, welcher ich den Vorzug einräumen soll. Der Fluß der Melodie, der wirkungsvolle Satz — alles hochinteressant. — Nr. 57 bis 59 bringen Tikanto schabbos und atto jozai'to in altpolnischem Gewände, die auch in dem Herzen eines deutschen Juden ihre Wirkung nicht verfehlen werden. Der zweite Theil — die Gesänge für Scholoscb regolim — führen sich mit einem stimmungsvollen Nab towu in A-dur ein. — Vom Maariw bringt er leider nur sehr wenig; aber was er darreicht, ist vorzüglich so die melodisch und harmonisch meisterhaft componirten Sätze Nr. 61 bis 65. Die Fuge der letzten Piece kann nur von im Tempo sattelfesten Sängern ausgeführt werden. Aus S. 79 schließt der Tenor aber nicht ab- Es stt wahrscheinlich auf S. 80 die erste Note des Tenors 618 oder e als Terz oder Quinte des A-dur-Accord.-s als Druckfehler wcggeblieben. (Schluss folgt.) Erläuterungkn des jüd. Gottesdienfles nach Mekore Hatepbilla mitgetheilt von Simon Diamant. Oberlehrer in Austerlitz. (Fortsetzung.) פדר הלל♦ Nach der Meinung der Nabbinen waren unsere Vorfahren in Palästina nur verpstichter, an folgenden 18 Tagen dieses Loblied zu fingen, als: an den 8 Tagen Sueeotb, weil sie durch die Zahl der täglich dargebrachten Opfer von einander verschieden waren, an den 8 Tagen Cbanukah, weil jeder folgende Tag von dem vorhergehenden durch das vergrößerte Wunder verschieden war, dann am 1. Tage Pessach und am 1. Tage Sehewuoth. Bei jenen aber, die außerhalb Palästina wohnten, gibt es deren 21, nämlich: 9 Tage Sueeotb, 8 Tage Chanukah, 2 Tage Pessach und 2 Tage Sehewuoth. An den übrigen Festtagen ist es ein bloßer Minbag, darum sagen wir nur halb Hallel. ,סדר דרכן דוכן heißt eigentlich die Stufe, welche die Priester betreten, um den Segen zu crtheilen. *)Der Priestersegen muß in hebräischer Sprache, stehend, mit emporgehobenen Händen und mit laut vernehmbarer Stimme verrichtet werden. (Sota 38, a.) Der Priester, der den Segen spendet, darf keinen Leibesfehler haben, weil sonst das Volk durch irgend welche Betrachtungen über ihn in seiner Andacht gestört würde. Im Tempel zu Jerusalem gehörte das Schauen ans die Priester während ihrer Function zu den drei, die Augen gefähr- -enden Dingen (Chagiga 16, a), weil sie die Herrlichkeit Gottes umstrahle. Gegenwärtig beruht dies Verbot nur ans Grund der Störung. Dass die Priester ohne Fußbekleidung die Stufen zur heiligen Lade betreten dürfen, geschieht darum, um sie zu erinnern, dass sie 'an einem heiligen Orte stehen. So sprach Gott zu Moses: ,Ziehe aus deinen Schuh von -einen Füßen, denn der Ort, auf welchem du stehest, ist ein heiliger Boden!* Der Gebrauch, beim Betreten eines heiligen und hohen Ortes die Schuhe auszuzichen. besteht im Morgenlande, und soll dadurch ansgedrnckt werden, dass man nur in tiefster Ehrerbietung, ohne Geräusch und ohne Berührung der Außenwelt vor die göttliche Majestät treten darf. Darum sollen auch die Priester eingedenk sein, dass sie in Dcmuth vor Gott erscheinen, nur als Diener Gottes, nicht in I eigenem Namen, sondern eben nur als Diener Gottes, dem Volke den Segen zu ertheilrn haben. רבונו של עולם אני שלם וחלופות י שלם (Ber. 55, b.) ,Wer einen Traum geträumt und dessen Bedeutung nicht kennt, der trete hin vor den Priester während der Segensertheilung und spreche: רבונו של עולם אני שלם ונד. In unserem aufgeklärten, materiellen Zeitalter, in welchem man nur an dem Wirklichen, Vorhandenen sesthält, und alles, was die Kritik des Verstandes nicht anerkennt, ignorirt, betrachtet man die Träume als bedeutungslos mit dem beruhigenden Bewußtsein ,דוב החלומות הולכין אחר הפד ,die meisten Träume sind die Folge des vorhergegangenen Tagesgespräches'. Jedoch in früheren Zeiten, wo die Phantasie den Menschen mehr beherrschte, die äußere Zerstreuung nicht so viel vermochte, um die berechtigte Schwermulh des Israeliten zu beheben; wo so viele Versolgungen ihn beängstigten und selbst zur Zeit der Nube mir bangen Ahnungen ihn erfüllten; da mußten die Träume selbst auf den Vorurtheilslosen einen großen Eindruck macken. ,Der Traum ist der sechzigste Theil der Prophetie'. (Bereeh 57, b.) Diese innere Unruhe und Unbehaglichkeit dessen, der des Traumes Bedeutung nicht wußte, war der Israelit nur dann zu beschwichtigen im Stande, wenn er, während der geheiligte Priester den höchsten Segen, nämlich den Frieden ertheilte, zu Gott betete, dass er diesen Traum zum Guten wende und sein innerer Friede wieder hergestellt würde. Chanuka. Mathatias hieß חשמונאי von הסם. welches ,im Feuer stählen' bedeutet (Bezah 34, a), jonach bedeutet חשמונאי Hämmerer, bildlich einen Held, so wie Makabi einen Hammer bedeutet. Von den fünf Söhnen des Mathatias folgten drei nach einander als Fürsten der Juden; die beiden anderen, der älteste und der vierte kamen im Kampfe als gemeine Soldaten um. Nach der Reihe der Geburt waren die Brüder folgende: Jochanan *) Daher der im Midrasch so oft vorkommende Ausdruck דוכוסיפ ,höherer Beamte'.