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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-03-25 · Heft 11 (25.3.1885) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 11 (25.3.1885)
Date
1885-03-25
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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mit Cimbeln, Cithern, Harfen auf der Morgenscite des Altars, und bei ihnen an hnudertnndzwanzig Priester trompeteten mit Trompeten" 7). Nach Salomo, als der Götzendienst zunahm, hörte der Gesang und die Musik als Verherrlichung des einzig einigen Gottes auf, erst unter Josaphat, dem Zerstörer des Götzendienstes und Wiederhersteller des mosaischen Cultns, wurden wieder Sänger angestellt 8). Auch der fromme König Zidkcjah war eifrig bedacht, dass die Leviten mit ihren Gesängen und Musiken den Gottesdienst verherrlichen sotten, so heißt es: ,Er bestellte die Leviten im Hause des Ewigen mit Cimbeln, Cithern und mit Harfen nach der Anordnung Davids, und die Leviten standen mit den Instrumenten Davids und die Priester mit den Trompeten °). Auch der König Josia war dem Gesänge sehr günstig, unter seiner Negierung heißt es: Dle Sänger, die Söhne Assaph'S, waren in ihrer Stellung nach den Gebeten David'S, Ässaph's, Heman's, Seher des Königs 10). Von dieser Zeit an verhallten mehr und mehr die Gesänge, mit der Zerstörung des Tempels hörte auch Ler Gesang ans; an Weidensträncheu hingen sie, wie der Psalmist sagt, ihre Harfen und klagten: ,Können wir Gesang des Herrn singen aus entweihtem Boden? (Fortsetzung folgt.) 2 (י CH- 5. 12. 2 ף CH- 20. 2 ף CH. 29. 25. 10) 2 CH- 38. 15. Der hebräische Unterricht und die modertie Volksschule von S. Miesenfekd, Volksschnllehrer in Schaffa. II. (Schluss.) Mit Erlaubnis der verehrlichen Redaction soll in diesen Blättern gelegentlich über einen Abschnitt aus der Bibel eine für den praktischen Schulboden berechnete Probeleclion in concen-!rischer Form gehalten werden, für diesmal sei mir nur ge> stattet, noch Einiges über die Fortbildung unserer Jugend in den jüdischen Disciplinen n a ch dem schulpflichtigen Älter, über das Honorar für den hebräischen Unterricht und schließlich über die sogenannten Schauprüfungeu zu berichten. Ze mehr dem Knaben durch unzweckmäßige Behandlung die Schule verleidet würde, desto weniger Lust wird der Jüngling verspüren, an seine Fortbildung zu denken, am allerwenigsten aber wird es ihm einfallen, ein hebräisches Buch zur Hand zu nehmen. ״Weshalb", meint er, ,für mein Fortkommen in der Welt, kann ich jüdischen Wissens entrathen, auch occupirl mich mein Geschäft derart, dass für derlei Allotria keine freie Zeit bleibt." So der Jüngling. Diesem Gedanken soll schon frühzeitig, schon in der Schule durch entsprechendes Vorgehen gesteuert und nach der Schulperiode darf nicht gleich abgebrochen werden. Zndieser Beziehung würde sich unseren Rabbinen, die anderweitig nicht stark beschäftigt sind, ein bedeutendes Arbeit»- feld bieten: einige Stunden in der Woche, die dem Schulverbande entrückten Kinder in den hebräischen Wissenszweigen zu unterrichten. Zhre Thätigkeit hätte sich vornehmlich auf Liturgie, Bibel und neuere jüdische Geschichte zu erstrecken, müßte in anziehender Gewandung auftreten und pünktlich geübt werden. Ein Knabe mit 14 Jahren besitzt schon reiferen Verstand, einen ziemlich geläuterten Willen, so dass ein gedachtes Unternehmen jeder Schwierigkeit bar erscheint. Speciell die neuere Geschichte, die bisher nicht vorgenommen werden konnte, wird die Bürschlein fesseln, die daselbst aufgespeicherten Charakterbilder ihr Wollen stärken und die religiöse Empflndung weit mehr steigern als ellenlange Moralsätze. In früheren Decennien ist in dieser Weise mehr geschehen. Da traten Clubs zusammen, zum mindestens, einmal, gewöhnlich Samstag und hörten vom jeweiligen Religionslehrer oder, dessen Stellvertreter eine Vorlesung aus den Psalmen, dem Midrasch etc. und wurden in dieser Weise auch zum Selbststudium aufgemuntert. Die Tendenz dieses sogenannten Raschi-Vereines war zwar nicht durchschlagend, weil der Lehrton zumeist für erwachsene Männer bestimmt war, in Folge dessen einem kleinen Kreise nur zugänglich, ganz ohne war's aber nicht, und die Anerkennung kann wohlgemeinten Bestrebungen nicht versagt bleiben. Wie muß einem Lehramtscandidaten, der gewohnt war, als Student für eine ,Privatstunde" 20 bis 30 fl. zu erhalten, im Hinblick ans die niederen Taxen für hebräische Unterrichtsleistungen zu Muthe sein? Ein solch deprimirendes Gefühl bemächtigte sich des Schreibers Dieses, als er vor einer Reihe von Zähren zum ersten Maie in die Schulpraxis eintrat. Allerdings gehi'S noch dort an, wo sich die Nemnneration auf einen bestimmten Betrag sixirt, es gibt aber Gemeinden, die der Sache freien Lauf lassen, die Lehrer cassiren selbst ein, was fällt, ist da, stellt sich ein Desicit heraus, wird's nicht gedeckt. Kinder kommen und gehen und der Lehrer soll immer bestehen, die Ferienmonate sind in dieser Beziehung gewöhnlich ,futsch", der Ostermonat kommt mit heiler Haut davon (ist doch nur 8 Tage keine Schule, verlieren die Leute wenig) und der Willkür ist Thür und Thor geöffnet. Abgesehen von dem sinanziellen Momente, liegt die Frage nahe, wie kann unter- - den geschilderten Umständen von einem gedeihlichen Unterrichte die Rede sein? Das Schönste an der Sache bleibt unstreitig das eigenthümliche Verhältnis. Der Gemeindevorstand will sich seines Oberaufsichtsrechtes, respectioe der Zngerenz auf Negnlirung des Honorars für's Hebräische, Bestimmung der diesbezüglichen Stundenzahl, auf den geistigen Stand der Schule nicht begeben, ordnet Prüfungen an, wozu (!) die Herren Eltern höflichst -geladen werden. Es liegt ja nichts daran, aber woher die gedachte Competenziphäre, mit welchem Rechte spricht er sich diesen Einfluß zu? Thust das Eine nicht, so laß auch das Andere. Der Gegenstand ist zu naiv, darüber Worte zu verlieren. Und endlich die ehrenwerthen Prüfungen: ein spassiges Zeug. Zur festgesetzten Stunde gewahrt man einen Aufmarsch von Gerufenen und Unberufenen, ein buntes Durcheinander, Männer, Jünglinge, Greise. ,Was rennt das Volk, was wälzt sich dort?" Der löbliche Gemeindevorstand an der Spitze, betritt man ehrerbietig das Lehrzimmer, woselbst der Lehrer mit seiner Garde des hohen Besuches harrt. Alles in erwartender Stimmung. Ein Thema wird vorgeschlagen, das Examen geht los; denn das ist ja die Hauptsache, nur fertige Resultate, den Jugendbildner in seiner Thätigkeit beobachten, einen Einblick gewinnen in den Lehrgcist, in die Lehrform, das sind Dinge nebensächlicher Natnr. Also aufgepafst, jetzt geht's los! Sämmtliche- Kinder müssen geprüft werden von A bis Z, wird eines, was Gott verhüte, aus Versehen übergangen, entsteht seitens des P. T. Auditoriums ein furchtbarer Lärm, ein Heidenspektakel. Oder stoßt man auf, einen Schüler, der streng genommen in die Classe der Einhufer gehörte und es natürlicherweise nicht.gut geht, gleich springt der betreffende Papa herbei, das Gesicht geröthet, Nasenflügel gebläht, das Söhnchen für alle Fälle vertheidigend und die.Schuld auf andere Factoren wälzend. Anstatt eines Verses will er fünf sagen lassen und tausend Ausflüchte schweben -aufseinen Lippen, besäße er nur mehr

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