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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-03-14 · Heft 10 (14.3.1885) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 10 (14.3.1885)
Date
1885-03-14
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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lang festgehaltenen Jdeenkreise urplötzlich anfzngeben und unvermittelt ernste Gebiete zu betreten. נפשנו קצה בלחם הקלוקל. Die geistige Nahrung muß entsprechend zubereitet verabreicht werden, sonst mundet sie nicht, macht einen Spaziergang von einem Ohr zum andern, und der Kopf geht dabei leer aus. Die Chinesen lernen ja auch lesen, lernen ganze Bücher auswendig, 50,000 Schriftzeichen 2c., aber fraget nur nicht wie. Ueber eine vernünftige Lesemethode kann man nicht genug Nachdenken und wird nicht zuviel geschrieben, weil es dem Kinde, wie gesagt, als neues Gebiet erscheint und das Zneinandergreifen mehrerer Geisteskräfte in sich schließt, und gerade, weil der Gegenstand elementarer Natur ist, erheischt er unsere erhöhte Aufmerksamkeit. Es ist wahr, Uebung macht den Meister, repetitio mater studiorum und wie bie Anwälte des Fleißes alle heißen, doch mit dem Büffeln allein trifft man den Nagel nicht auf den Kopf. Es nützt einmal nichts, wir sind keine Abrichter und ich lebe. in. der Uebcrzeugung, dass jene Collegeu, welche den Erfolg ihrer Bemühungen ausschließlich in dem ,Stücken* der Schüler suchen, sich sicherlich schämen würden, wenn man ihnen jedes kunstgemäße Verfahren abspräche und sie zu leidigern .Knellern' stempelte, demnach dürfen sie den Werth einer rationellen Vermiktlttug, einer gesunden Pädagogik nicht verkennen. Nicht Jeder fasst gut und mit Bewusstsein auf, auch ist nicht Wiederholung die allein seligmachende Beglückerin, vielmehr kommt's auch auf den ersten Geistesabdruck an und ,wo man über Schwäche des Gedächtnißes klagt, da sollte man dies als Charakterfehler anerkennen; schwache, zerstreute Menschen, die nie bei der Sache sind, wie sie nicht mit Bewusstsein auffassen, so können sie auch nicht festhalten'. (Schleiermacher). Der Lehrstoff des hebräischen Unterrichtes muß in den Nahmen des aufgestellten Planes passen und demgemäß auch gebührend berücksichtigt werden. Dass es hiebei auch einer Leitung bedarf, ist wohl selbstverständlich, sonst arbeitet jeder aus eigene Dass unser Gnglielmo seine Kunst ernst auffaßte, bezeugen seine Schlussworte (Seite 7) der Einleitung: Ma solo ai honesti et casti petti et a chi essa come virtute et lieta seientia vuole ed operare con humanissimo et cordiale affecto 1a ricomando. (Aber nur den ehrbaren und keuschen Herzen, die sie als Tugend in heitere Wissenschaft mit herzlicher und menschiicher Theilnahme üben wollen, empfehle ich diese Schrift). Nach dem. maßgebenden Urtheile der zwei Herausgeber dieser Schrift, des Architecten Giovanni und des Dr. Luigi Messori ist diese Schrift unseres Glaubensgenossen, des Cantors Gnglielmo ans Pesaro (Italien), die erste wissenschaftliche Arbeit über die Tanzkunst, und zwar in italienischer Sprache abgefaßt. Es beweist dies wieder von Neuem, dass die Juden immer und Überall die Landessprache hegten und pflegten. Der Vollständigkeit halber mag noch hinzugefügt werden, dass unser Gnglielmo auch einen Tanz mit Namen Bassadanza chiamata Princessa ala fila erfunden. Er entspricht dem heutigen spanischen Tanze Fandango, dem neapoletanischen Tarantella. Gewidmet ist diese Schrift: »Den Neuvermählten Luisa Tavani aus Modena und Paolo de Conti-Santuoci aus Nom -zum Hochzeitstage dem 2. Februar 1885.* Eine 'Ueberlragung in's Deutsche würde sich sicherlich sehr lohnen. Pisek, den 10. März 1885. Faust und das Princkp der Einheitlichkeit im Unterrichte geht gänzlich verloren. Der Plan ist im Großen Ganzen einzuhalten, Einzelheiten und individuelle Schüler dürfen beim Massenunterrichte keine Rolle spielen, dagegen soll in markige Partien der Schwerpunkt verlegt werden. (Schluss folgt.) Thoravorlestmg und einiges Andere. Von I. G. in H. II. Herr Oberlehrer Riesenfeld in Ung -Brod hat in seinem Schlussworte über das'Tboravorlesen nicht nur für eine gründliche Reform dieses Usus plaidirt, sondern sich schon etwas weiter hervorgewagt und sogar die!תרי׳ג בצור mit Allem, was drum und dran hängt, in den Kreis seiner Betrachtungen gezogen. Es wäre wohl nach diesen letzten Enunciatiouen ein unnützes Beginnen, den Autor von der Unrichtigkeit seiner Anschauungen überzeugen zu wollen, weil Gegenbeweise nur aus dem Talmud und Sehulchan aruch herbeigeholt werden müssen, gegen deren Autorität er sich doch ganz unumwunden ausspricht. Da wir aber auch nicht die Verwirklichung dieser .gründlichen Reformen" zu befürchten haben, weil der geeignete Boden für solche höchstens nur im Süden Rußlands vorhanden ist, könnte man füglich schon diese ganze Frage mit Stillschweigen übergehen, wenn nicht die provocatorisch aufgeworfene Frage: ,Was bringt das Volk von dem gegenwärtigen Thoravorleseu mit nach Hanse?* eine Antwort erheischte. Aus demselben Grunde sehe ich mich auch veranlasst, diesmal etwas mehr in das Meritorifche der Sache einzugehen. Der große Jrrthum, von dem Herr Niesenfeld befangen ist, und durch Ivelchen er begreiflicher Weise auf weitere Abwege geleitet werden muß, ist derjenige, dass er das Vorlesen der Thora mit der Belehrung über Religion und Gotteserkenntnis identisicirt, während doch, seit dem Bestehen des Judenthums bis aus unsere Tage, ein jeder dieser Gegenstände für sich geübt wird. Das Vorlesen der Thora geschieht, gemäß dem Aufträge Moses: תקרא את התורה הזאת נגד כל ישראל באזניהם im Urtexte; die Belehrung über Religion und Gottesfurcht aber, euisprechend ihrem Zwecke und dem Gebote: ולמדתם אותם את בניכם לדבר בם in einer den Zuhörern verständlichen Sprache. Der Zweck des קריאת התורה ist aber nicht, .den Inhalt der Thora dem Volke zur Kenntnis zu bringen*, da dieses doch ohnehin in anderer Art und Weise geschieht, sondern um diese Thora rein und unverfälscht uns, unseren Kindern und dem Judenihume zu erhalten. Wenn wir die Thora verlesen hören/ in derselben Sprache, in welcher Moses sie am Sinai empfangen, wenn wir dieselben Worte vernehmen, die Gott dem Moses in die Feder dictirte, so ist dieses gleichsam eine Controls darüber, damit kein Wörtchen von ihr weggelasseu und kein Jota an ihr abgeändert werde. Wir können daher diese Thora auch mit Stolz, in die Höhe heben und, sie dem Volke zeigend, ausrufen: וזאת התורה אשר שם משה לפני בני ישראל ,Seher, das ist noch immer dieselbe Thora, die Moses den Israeliten vorgelegt hat;* keinesfalls könnten wir dieses aber mit einer solchen Sicherheit behaupten, so wir sie in einer fremden Sprache vorgetragen hätten. Zu Zeiten des Talmuds war wohl die Einrichtung getroffen worden, dass neben dem קורא auch ein מתורגמן stand, der jeden vorgelesenen Vers in der damals üblichen ar.-mäischen Sprache zu übersetzen hatte, aber da sagt uns schon der Schulchan

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