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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-02-18 · Heft 7 (18.2.1885) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 7 (18.2.1885)
Date
1885-02-18
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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— 3 ist Träger einer mehr oder minder bestimmten Vorstellung. Glück. Liebe, Sehnsucht, Leid, für wie viele Unterschiede auch alle diese Anödrncke Raum hoben, bei jedem derselben denken wir uns doch immer etwas. Der einzelne Ton sagt uns dagegen nichts, erst als Glied einer Neibe ertjält er Sinn und Bedeutung. Völlig entspricht deshalb die Gölhes Ohr so mißfällige Bezeichnung ,Componiren' dem Wesen der Sache, denn die schöpferische Thätigkeit des Musikers ist nichts anderes als ein dem innersten Causalitätsgesetz seiner Kunst gemäßes Zusammenfügen von Tönen. Eben weil sie jedes eigenen Inhalts entbehren, einen solchen einzig durch ihre Verbindung und Gestaltung empfangen, geben sie das denkbar bildsamste, den Geboten der Phantasie willfährigste Darstellungsmittel ab. (Fortsetzung folgt.) . . Der hebräische Unterricht und die moderne Volksschule von S. Mesenseld, Volksschullehrer in Schaffa. Motto: Unterweise den Knaben nach seiner dermaligen Fähigkeit und er geht von dieser Lehre auch tut spätesten Alter nicht ab. (Dpruche Sal. Cap. 22, Vers 6.) (Schluß.) Nebst den pädagogischen Principien gilt die Methodik unstreilig als Hebel jedes Unterrichtes, als treibendes Element der Schule, ohne jene bleibt jedes Verfahren Machwerk, todtes Material. Dieses wollen wir auch auf den hebräischen Unterricht beziehen. Will man z. B. in der Grammatik ein Gesetz aufsuchen, muß man die Muttersprache voraussetzen, an diese anknüpfen, Aehnlichkeiten finden, mit der Kreide in der Hand schematisiren, das Beispiel der Regel voransstellen, ein typisches Exempel anfstellen, memoriren lassen und andere sammeln helfen. Die U eb ers etzu n g en dürfen nicht in Bausch und Bogen vorgenommen werden. Dieses Grunderfordernis didaetifcber Maßnahmen hat längst Wurzel geschlagen und bildet nunmehr einen überwundenen Standpunkt. Es muß auf das Verständnis und darauf gesehen werden, dass das ausgesprochene Wort mit seinem Inhalte parallel laufe, ja, dass wie bei jedem Gegenstände die Vorstellung dem Wortbilde, dem Wortklange vorauseile und nichts vorgenommen werden darf, was unübertragbar, außerhalb des kindlichen Horizontes liegend, oder dessen ethischen Begriffen nicht angepasst werden kann. Wer sich über diese Forderung mit der bekannten Ausflucht hinweghilft, das Kind werde den dunklen Gegenstand später verstehen, gewöhnt Letzteres an leeres Geschwätz, versündigt sich am kindlichen Geiste. Worte, kein Wortschall, Begriffe, keine Nebelbilder. Am gefährlichsten ist die Nichtbeachtung dieses Dictums bei Stellen und Abschnitten.^ die das sittliche Gefühl verletzen oder gar verderben; der unmündige Zögling sieht nicht auf den Grund der Sache, auf die Tendenz, und weil er sich nur an Aenßerlichkeiten hängt, fasst er die trockene, nackte Tbatsache für sich selbst auf, sucht dieselbe seiner bereits seßhaften moralischen Auffassung der Erscheinungen und Facten zu assimiliren, welch' erstere dann unwillkürlich verdorben werden muß, weil sie noch nicht genügend erstarkt, noch zu wenig fest ist. Das Kind hat eine seine Beobachtungsgabe und ,was kein Verstand der Verständigen sieht, das übet in Einfalt ein kindlich Gemüth". Vokabeln finden sich an anderen Stellen, wo nicht, reiße man sie aus dem Zusammenhänge und betrachte sie als selbstständiges Pensum. Ein wichtiges Mittel zur Hebung der grammatischen Erkenntuis scheint uns der jeweilige Hinweis auf's W n r z e l w o rt. Ein derartiges Verfahren gestaltet den Unterricht lebendiger und wirkt nachhaltig. Im Allgemeinen liegt der Wunsch nabe, der Lehrer jüdischer Diseiplinen beherrsche den Stof, sei pädagogisch׳ didactisch gebildet und stehe in Bezug ans Wissen hoch über dem besten Schüler, erhaben über der Mittelmäßigkeit in der Gemeinde, ebenbürtig andern intelligenten Orlsfnnclionären. Das Lesen der üblichen Commenlare im Urtexte darf ihm keine Schwierigkeiten bereiten, er muß sich auf diesem Gebiete, sowie in der jüdischen Litteratur fortbilden und die Hebung jüdischen, echt und unvers fälscht jüdischen Bewusstseins auf seine Fahne schreiben. Wo es angeht, soll wortgetreu übersetzt werden; nach dem Zusammenfasseu einer Wortgruppe, welches des Wohlklanges halber öfters nothwendig erscheint, ist es anzezeigt, auf die einzelnen Bestandtheile hinzuweisen und selbe separat zu betrachten. Das hebräisch Lesen muß gleich anfangs auf sprachlich richtiger Grundlage fußen, und zwar auf praktische Weise ohne weitschweifigen Niegelkram. Auf die Eigenthümlichkeiten des Sch'wah, Sch’wah merkov und dergleichen ist ein besonderes Augenmerk zu richten, correctes Vorgehen und genau in der Aussprache. Beim Unterrichte der Mädchen ist deren künftige Lebensstellung als Frau und Mutter in's Auge zu fassen und von diesem Standpunkte aus sind die wichtigsten Stücke zu bestimmen. Diese in gedrängter Kürze dargelegten Winke scheinen mir Momente, die beim jpecisisch hebräischem Unterricvre Beachtung verdienten. Religionslehre und biblische Geschichte, welche gleichfalls in den Nahmen des Religionsunterrichtes fallen, müssen auck rückfichtlich des Was und Wie überlegt und erwogen sein. Diesbezügliche Arbeiten werden häufig besprochen und bilden ihrer Wichtigkeit willen ständige Themata. Wo gesunde Cultur- und Ortsverhältniße vorwalten kann bei vernünftiger Einsicht, redlichem Willen und einträchtigem Wirken viel geleistet werden. Ueberall sind freilich nicht die Bedingungen zu einer ersprießlichen Thätigkeit gegeben und die Resultate stehen zur angewendeten Mühewaltung in keinem richtigen Verhältniße; doch überall und an jedem Orte muß der Lehrer von Strebsamkeit erfüllt sein, er darf nicht den Muth sinken lassen, muß das Recht stets hoch halten, seinen Blick dem Höheren zuwenden und alles Niedrige, Gemeine von sich abstreifen. ,Ich schlafe und mein Herz ist wach", fingt der weise König. Der denkende Mensch sieht über die Häupter und Mauern seiner Umgebung hinweg, darum ist's mitten in der Finsternis in ihm licht. Dem ästhetischen Geschmacks entspricht es, wissen׳ schaftliche Fragen ihres akademischen Charakters halber zu diskutiren, der Realismus wünscht Thatsachen, praktische Verwerthbarkeit. Welchen Weg schlägt man ein, wenn nicht beide zugleich betreten werden können? — ,Die Weisheit führt zur That". Was uns jetzt als bloßes Ideal vorschwebt, kann einstens in die Praxis umgesetzt werden, erlangen wir's nicht, ziehen unsere K i n d e r den Nutzen und dieser Umstand allein muß uns anspornen, denn sagt doch schon Kant: ,Kinder sollen nicht dem gegenwärtigen, sondern dem zukünftig möglich befferen Zustande des menschlichen Geschlechtes, d. r. den Ideen der Menschheit und deren ganzer Bestimmung angemessen erzogen werden". Wiewohl es ihnen nicht sehr frommt, obgleich die Erziehung von Kinder und Volkserziehung noch nicht fertiggestellt und allgemein ihrer Bedeutung gemäß gewürdigt wird. Einst wird's besser und die Zeit der allgemeinen Einsicht bleibt nicht aus.

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