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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-02-10 · Heft 6 (10.2.1885) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 6 (10.2.1885)
Date
1885-02-10
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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so lange jüdische Fleischer von Tanger Gibraltar ^approvisionirlen, schlachtete man etwa 100 Stück die Woche; jetzt aber, da der Sultan den Export der Thiere gestaltet bat, werden die Ochsen lebend nach Gibraltar gebracht zum großen Schaden der Gemeinde. Andere Gründe kamen noch hinzu, um das Budget zu belasten. So wurde die Gemeinde tn jüngster Zeit genöthigt, einige unbewegliche Liegenschaften auf Hypothek zu verpfänden, um ihre Bedürfnisse zu bestreiten. Folgendes (ist das jährliche Budget: Ausgaben. Wöchentliche Unterstützungen für Arme, im Jahre 4.800 Francs, Pensionen an arme Witwen 1800 Francs, Bertheiluug von Kleidung und Kost - 1.500 Francs. Unterstützungen an Vortagen der Feste sechstausend Francs, außerordentliche Unterstützungen an mehrere Familien 500 Francs. Unterstützungen an fremde durchreisende Rabbiner (ohne die Geschenke für die Rabbiner von Z-.rusalem, die durch Snbscrip^- ] tion aufgebracht wurden) 1.500 Francs. Ghesia oder Tribut an Sultan und Gouverneur 1.750 Francs. Diverse Beamte 2.760 Francs. Spital 300 Francs, ärztliche Behandlung Armer 1.500 Francs. Medicamcnte 1.800 Francs, Fleisch und Diverses für Kranke 2.700 Francs. Subvention für die Knabenschule 2.000 Francs, Bekleidung armer Kinder 1.000 Francs, Subvention für die Mädchenschule 500 Francs. Zusammen 30.410 Francs. Einnahmen: Collccte am Pcssach und Sukko-b 6.000 France. Wintercollccte für Bekleidung Armer 1.500 Francs, wöchentliche Collecte (jafyrlid)) 2.000 Francs. Schlachtstcner 10.000 Francs, Taxe von 3 Centimeu für das Pfund Fleisch von den Fleischern zu zahlen 7.000 Francs, Einnahmen ans Realitäten 1.000 Francs, Saldo 2.910 Francs. Zusammen 30.410 Francs. Gemeinde-Berichte. SiKtos. Der Präses unserer Gemeinde, Herr Dr. Ludwig Kohn, Advokat, hielt am 17. v. M. zu Gunsten des seit mehreren Jahren wohlthätig wiikenden Frauenvcreines eine Vorlesung über die drei »Geschlechtswörter" d e r Geist, d i e Liebe und das Geld Der Vorleser behandelte dieses höchst interessauie Thema in so geistvoller Weise, dass er vom zahlreich versammelten Auditorium zu wiederholten Malen durch stürmischen Beifall unterbrochen wurde- Ich will es unterlassen, in das Detail näher eiuzugehn, da ich die Absicht habe, die ganze Abhandlung mit Einwilligung des geehrten Autors und Erlaubnis der löblichen Redaction in den Spalten dieses Blattes zu veröffentlichen. — Bei dem geringen Eintrittspreise von 30 kr. kam deuuoch ein Neinerträgnis von 43 Gulden zu Stande, das dem obgenannten Vereine zufloss. Um das Gedeihen des Frauenvereiucs haben sich besonders die Präsidentin Frau Dr. Breiner und die Casiieriu Frau Pauline Spitzer verdient gemacht und sei ihrem edlen Wirken hiemit die öffentliche Anerkennung gezollt. — Cantor I. Kellner. Arad, 4. Februar. Das Ableben des hiesigen Oberrabbiners Dr. Jacob Sreinhard versetzte die gesammte Bevölkerung unserer Stadt in die größte Trauer, da der Verblichene von Jedermann, ohne Unterschied der Confeffion. hochverehrt wurde. Das Leichenbegängnis hat heute unter imposanter Betheilignng der Behörden, Corporatiouen und Vereine stattgefnnden. Im israelitischen Tempel, welcher von einer großen Menge Leidtragender dicht gefüllt war, hielt der Szegediner Qberrabbiner, Dr. Emanuel Löw, in ungarischer Sprache eine tiefergreifende Trauerrede, worauf sich nach Absingung eines Chorals, durch Obercantor Kohn mit Unterstützung des Chores, der unabsehbare Leichenzug unter dem ,Glockengeläute sämmtlicher Kirchen" in Bewegung setzte; in den Straßen, die der Leichenzug passirte, waren die Läden gesperrt. Der Leichenfeier wöhrsten Bischof Metianu, die gesammte Geistl ichkcit der vcrschicdcnrn Ccniessionen das städtische Beamtencorps, mit dem Bürgermeister an der Spitze, Major Pawel in Vertretung der Garnison, mehrere Deputationen verschiedener auswärtiger Gemeinden, der Gerichtshof, der Professorenkörper, sämmtliche Vereine mit ihren Fahnen und eine Vieltausendköpsige Menschenmenge bei. Konstantinopek. Hier ist ein Streit zwischen dem Ober- Rabbiner Moses Löwy Effendi und den Gemeindevorstehern ansgebrochen. Die Ursache des Streites ist das Bestreben der Vorsteher, Reformen und Neuerungen eiuzuführen, zu welken der Rabbiner seine Zustimmung nichr ertbeilen will. Herr Fresko, Herausgeber der Zeitschrift ,Telegraph", schrieb einen Artikel in seiner Zeitung, in welchem er gegen den Ober-Rabbiner auftrat. Der CultuSminister hat deshalb das Erscheinen des genannten Blattes verboten und die Wiederherausgäbe desselben erst dann gestattet, uachd.m Herr Fresko dem Ober- Rabbiner Abbitte geleistet hatte. Schließlich kam es zu einem Ausgleiche zwischen den Vorstehern und dem Rabbiner, wonach dieser abdankt und eine Pension von zwölftausend Frcs. erhält. Nun kommt ein französischer Rabbiner nach Constautinopel, der wahrscheinlich die Neformgelüste der Vorsteher befriedigen wird. Dermilchte Nachrichten. Wien. Peter Smolensky einer der geistvollsten Hebraisten, der sich um die jüdische Litteratur die hervorragendsten Verdienste erworben, ist am 1. Februar in Meran, wo er sich zum Cnrgebranche aufhielt, nach langem Leiden im 43. Lebensjahre gestorben.!ת׳ניצ׳ב׳ד Wien, Der N ame des Flusses Congo und des an demselben gelegenen Congogebietes in Afrika ist durch die bekannte afrikanische Confercnz in Berlin f ast in Jedermanns Munde und nicht unberechtigt' wurde schon oft die Frage aufgeworfen: woher stammt der Name Congo? Ein holländischer Gelehrter veröffentlichte vor einiger Zeit ein Buch, von welchem die ,Wiener Allgemeine Zeitung" einen Auszug bringt. Darnach war der Entdecker des Congogebietes ein Jude, nach dessen Name diese Gegend benannt wurde. Bei der oberwähnten Conferenz meldete sich bekanntlich auch Portugal mir seinen Ansprüchen, indem es behauptet, ein altes Recht auf das Congo-Land zu haben. Diese Behauptung wird von dem holländischen Gelehrten als berechtigt uachgewiesen. Er stützt , sich auf alte, nachweisbar echte Handschriften, welche den Sachverhalt folgendermaßen darstellen: In der Mitte des 15. Jahrhundertes lebte in Lissabon ein Jude mit Namen C o h n. Dieser hatte sich aus Furcht vor der Inquisition znm Christenthnme bekehrt. In seiner Jugend stndirte er mit besonderem Eifer die Nautik und erwarb sich auf diesem Gebiete so große urrd gründliche Kenntniße, dass ihn der König Alfons V. znm Admiral ernannte. Als solcher wurde er mit dem bernhmten Astronomen Martin Böheim aus. Deutschland bekannt, welcher ebenfalls in portugiesischen Diensten stand. Die Bekanntschaft gestaltete sich zu intimer Freundschaft. Nach dem Tode des Königs Alphans kam König Johann II. auf den portugiesischen Thron und. entsendete eine mächtige Flotte unter der Führung des Admirals Cohn, um neue Länder zu entdecken. Dieser Expedition wurde auch Martin Böheim zugetheilt. Cohu freute sich darüber, dass er mit seinem geliebten ,G o i" weiter zusammen sein werde. Cr nannte nämlich immer Böheim: mein lieber Goi! Nach langen Fahrten und zahlreichen Entdeckungen kamen sie in ein Land, wo sie Neger fanden. Cohn und Böheim wußten sich bei diesen Leuten und bei,ihrem Könige beliebt, zu machen. Als Letzterer mit einem benachbarten Volke Krieg führte, kam ihm Cohn mit seinen Truppen zn Hilfe und erfocht große Siege. Cohn und Böheim wurden vom Negervolke und vom Könige mit großem Jubel empfangen. Böheim war ihnen unter den

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