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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-02-10 · Heft 6 (10.2.1885) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 6 (10.2.1885)
Date
1885-02-10
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Canlor-Fragc. Vom Bezirksrabbiner A. N oth in Sziklos. V. - Die lyrisch-poetische Thätigkeit wie die religiösen Gesänge begannen mit dem gottbegcisterten Sänger und Dichter David. Wenn auch die Musik in Israel frühzeitig schon heimisch war, denn als man die Lade Gottes aus dem Hause Abinadow forttrug, heißt es: ,David und das ganze Haus Israel spielten vor dem Ewigen ans allerlei Cypressenholz und auf, Harfen, Pauken mit Schellen und Zymbeln', ')so war doch David der Erste und Vorzüglichste, welcher sich den Musenkünsten, namentlich Dichrung, Musik und Gesang mit religiöser Begeisterung widmete. David ist der Hauptträger und Verfasser der Psalme^ welche lyrische Gesänge oder Oden und Hymnen sind, und zwar theils eigentliche Oden, die entweder einen Gedanken, ein Gefühl oder ein Bild sinnig darstcllen, oder aus mehreren Gliedern sich' zu einem lyrischen Ganzen runden, theils lyrische Wechselgcsänge, theils Lieder, in denen der lyrische Geist durch elegischen oder idyllischen Ton, durch eine geschichtliche Thatsache oder weise Lchrsprüche cigenthümlich gestaltet ist. — Die meisten Psalmen sind Nationalgesänge und hochpoetisch. Hier finden wir den Fluß und Ncichtbum der Worte, die Hoheit der Gedanken, die Zierlichkeit der Figuren, die Schönheit der Methode. Nirgends ist das Geheimnis der wahren Herzensandacht vor Gott nach ihren verschiedenen Arten nach Bekenntnis, Bitte, Gebet, Buße und Danksagung practischcr und Herz und Gemütb ergreifender ausgedrückt als in den Psalmen; in ihnen wieder- Hallen die tiefe Religiosität, die Gottgläubigkeit und Vertrauen. ,Der Ewige ist mein Fels und meine Veste', solche vertrauende Sprüche waren seine Wahlsprüche. — Obwohl die Psalmen nicht nur Lobzelänze sondern auch inbrünstige Gebete, das Versenken des Geistes in den Gedanken an Gott enthalten, so wurden sie doch תהילים genannt ül'11 הלל loben, weil David stets in den Freudenwellen wie in den traurigen Tagen Gott lobte, cin Beweis^ des tiefsten Gott- Vertrauens und der lebendigsten Zuversicht. * * 3) Wenn auch die Psalmen dem Sänger David zugecignct werden, so ist er doch nicht alle n der Verfasser aller Psalmen, schon im Talmud heißt cs: דוד כתב ספרו עיי עשרה זקנים על ידי אדם הראשון על ידי פלכי צדק עיי אברהם ■וע״י משה ועיי הימן וע״י ידותן ועיי אסף ועיי שלשה בני קרח .3) Es ist unstreitig, dass in den alten Zeilen sowohl vor der Sündstulh als nachdem heilige Männer gewohnt waren, Gott durch Lieder für erwiesene mannigfaltige Barmherzigkeit zu preisen und diese im Volke erhaltenen Gesänge sind von David vervollkommt wurden. — Durch die Uebcrschrist werden von David allerdings 71 Psalmen beigelegt, seine Psalmen zeichnen sich durch Naturschilderuugeu aus, die wegen ihrer tiefen Innerlichkeit und ihres hohen Schwunges einzig dastehen und noch von einem Alexander Humboldt bewundert werden; er sagt,, mau möchte sagen, dass in dem einzigen 104. Psalm das Bild des ganzen Kosmus, wo dem bewegten Elementarleben der Natur des Menschen, stilles, mühevolles Treiben vom Ausgange der S. 2. 5. 2) Eine Hochzeit wird in rabbinischer Sprache ךללא genannt, weil Hochzeitszesänge das Lob der Braut (כלה נאה וחסודה (כתובות י״ן rum Gegenstände hatten. — Auch Psalm 45 ist ein Hochzeitslied. 3) B. Bathra 15. b. Sonne,bis zum Schlüsse des Tagewerkes am Abend entgegengestellt wird, sich abspiegle. 4). Es sind viele Psalmen, die einer späteren Zeit angebören, 5) zu denen geboren besonders die 15. שיר המעלות Wallfahrtslieber, die man auf der Rückkehr von Babylon und bei den jährlichen Wallfahrten nach Jerusalem und dem heiligen Tempel sunzen hat 5י). Durch David wurden die begabtesten Männer zur Psalmdichtung angeregt, wie Assaph, Haman, Ethen. Jeduthum und die Söhne Korachs. ד) Das Psalm buch bleibt für alle Zeiten ein Trost- und.Lehrbuch, das durch seine liefe Herzenösprache in Leiden ',aufrichtet und in Freuden uns aufrecht erhält; daher sind sehr -treffend die Worte im Midrasch: ,Moses gab die Thora und David die Psalmen in 5 Büchern so wie die Thora. 8) (Fortsetzung folgt.) *) Zn den Psalmen ist Humboldt der trefflichen Ncbersetzung von Mendelssohn und nicht von Luther gefolgt. Humboldt bemerkt, dass edle Nachklänge de, alt-hebräilchen Poesie sich noch im elften Jahrhundert finden in den Hymnen des spanischen Synagogendichters Salomo den Zehuda Gabirol, die eine dichterische Umschreibung des׳ pseudo-aristotelischen Buches «von der Welldarbieten. 3) Auch Krahmal in seinem More Nebuehe sagt in K. 11, dass viele Psalmen der Makkabäerzeit angehören.; . 6) Nach Raschi wie nach der Septuaginta soll dieser Name von den Stufen deS Tempels, aus Lenen diese Psalmen abgesungen wurden, herrnhren. Die Welt sieht in dieser Aufschrift eine Dichtungsart: Stufenrythmus auch von Luther ,Lieder in höherem Chore* genannt. ד) Noch heute zeichnen sich die בבי קרת™ den Gemeinden nur durch Thilimsagen aus. 3) Thilim wird von den Meisten gebetet oder abgeleiert, wenn sie auch sie nicht verstehen. Die goldene MMeistraße. בדרך המלך Von Simon Diamant, Oberlehrer in Austerlitz. (Schluß.) Und nun die viel verlästerten und arg beleumundeten und cigenllich dock so barmlosen ״Mischeberach“! Was das Hnmanitäre anbelaugt, können wir nur dem geschätzten Mitarbeiter dieser geehrten Zeitswrist, Herrn Dr. Löwy, beipflichten. Wenn wir uns die Verbältniße der gegenwärtigen Gemeinden unseres mährischen Vaterlandes Vorhallen, so müssen wir gestehen, dass diese so heftig angegriffenen Segenssprücke. bei der Thoravorlesnng fast die einzige Quelle bilden, ans welcher unzählige Wohltbaten für die Armen, sowohl Gemeindeangehörige, als auch Fremde, erstießen. Jede 26äalca-Bilan; in den betreffenden Gemeinden am Schlüsse des Verwalluvgsjahres kann hiefür den besten Beleg liefern. Da zeigt sich der jüdische Wohltbätigkeitssinn im!.,Diiiien Licklc, strahlt in seiner herrlichsten Glorie. הום של הסד. Mag sein, dass auch hier, wie überall bei össentlichcn Spenden, andere minder ehrenw-.rthe Motive Mitwirken, wie Ruhmsucht, Eitelkeil und dergleichen; aber sei dem wie immer, müssen wir den berüchtigten, jesuitischen Spruch: ,Der Zweck heiligt die Mittel'׳ in diesem Falle gellen lassen. Ein weiterer Umstand, darf ebenfalls ׳ nicht unberücksichtigt gelassen werden; fällt doch hie und da auch manches Scherflein für den Fnnctionär ab, der gar nicht böse ist, wenn, an den hoben Festtagen ein sogenannter ,fetter Balbos" zur Thora gerufen wird, den verschiedensten Instituten milde Gaben spendet und nach den unendlich scheinenden Segenssprüchen, der zahlreichen

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