Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 6 (10.2.1885)
- Date
- 1885-02-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Oesterreichisch-ungarische reo - Zeitanti. Nr. 6 Wien, 10. Februar 1885. WU Jahrgang׳ Ur 2an die Gesnmmt -Interessen indischer Gantorm. Erscheint jeden achten Tag. Begründer: Obercantor ^3cru6r7. Administration Wien. II., NovaragjH 27. Inserate werden billigst berechnet. Manuskripte werden nicht retournirt. (T Pränumerations-Preis Kür Mereknsmitgtieder: Ganzjährig . - . fls.— Hallsjährig . . - fl. 2.50 Vierteljährig . - il. 1.25 Monatlich ... fl. —-4L Kür Mchtmitgkieder: Ganzjährig ... st. S.— Halbjährig ... ft. 3.— Niertellährig . - ft- 150 Monatlich ... fl. -.50 Kür das Ausland: Ganziährig . . - fl. 12 Mark oder S Rubel. Artu r die Mufik und die Musikinflrnmente der Hebräer *). VII. Andere Forscher vertreten die Ansicht, dass al hagithith auf eine Stadt der Philister, welche Gloth genannt wird, hinweise, und die Bezeichnung des Titels daberrühre, dass David entwrder^en״8״.-Psalm in dieser Stadt Jesungen..hat^.:.Lder. die Instrumente, zu welchen der Psalm gesungen wurde,- von hier entlehnte; in ähnlicher Weise, wie wir bei Pindar die ,dorische Phorminx' finden. Diese Erklärung geben Rabbi Salomou und Lyranus. Cajetanus fügt noch hinzu, dass das Instrument, eine Cither, die Form einer׳ Kelter (in der lateinischen Sprache toroular) gehabt habe und darum sei es nach derselben benannt worden. Aus diesem Grunde finden wir auch in der Septuaginta und bei Hieronymus die Uebersetzung toreularia. Eine wohl weniger begründete Ansicht ist die, dass der Psalm darum al hagithith benannt wurde, weil er einem Sänger, dem Sohne eines gewissen Obededon Gether, übergeben worden war. Meine Meinung ist nun, dass die Bezeichnung von der Stadt Greth herrührr, und zwar deswegen, weil in dieser Stadt ein derartiger Gesang gepflegt wurde. Die Griechen sprachen ja ebenfalls von dorischen, l yd i scheu und pH ry gischen Weisen, je nachdem die Völker hießen, bei welchen sie in Gebrauch waren, eine Bezeichnung, die heute noch besteht. Nichtsdestoweniger mag der Namen dieses Psalmes auch von der Kelter herrühren, da er zur Zeit des Kelterns, am Laubhüttenfefte, kurz nach dem Einsammeln der Früchte und der Weinlese gesungen zu werden pflegte. Desgleichen Psalm 80 und 83, die denselben Titel haben. Die Erläuterung des Wortes ״Selah“, das in den Psalmen häufig vorkömmt, hat den Gelehrten vielfache Schwierigkeiten bereitet. Vor allem wird dasselbe in den hebräischen Schriften nirgends gefunden, nur in den Psalmen dreiundsiebenzigmal und einmal im GesangeHraouo. Daraus mag hervorgehen, dass *) Uebersetzung des lateinischen Werkes ״Musurgia universalis, sive ars magna consoni et dissoni“ von Athanasius Kircher ed. Selah eine metrische oder musikalische Bedeutung bat Die Einen glauben, dass durch dieses Wort eine Veränderung oder ein neuer Absatz im Metrum (diapsalma) bezeichnet werde. Andere halten es für ein Zeichen der Veränderung des Gesanges, des Erhebens der Stimme oder des Eintrittes einer Pause. Manche wollen dadurch eine Theilung des Gedankens ausgedrückt wissen, so dass bei dem Worte Selah der eine endigt und ein neuer beginnt; auch der Beginn einer bestimmten musikalischen Variation soll nach einigen Autoren durch Selah ausgedrückt worden sein. So kam es, dass man diesem Worte die vielfachsten und verschiedensten Bezeichnungen unterlegte und auch das mannigfachste dadurch ausdrückte. Paganiuus leitet in!einem Lexicon der heiligen Sprache das Wort Selah von der Wurzel ״Salal“ ab und nach den Erläuterungen des Rabbi Abraham, der dieselbe Ableitung befiirwortet, bedeutet dies: erbeben, vergrößern und, in Bezug auf die Stimme, aufjauchzen. Vatab. gibt hiezu im Commentar zum dritten Psalm folgende Erklärung: Die Sänger pflegten, so oft sie auf dieses Wort stießen, die Stimme zu erheben und einen Aufschrei zu machen, als wollten sie sagen: ,O. diese Noth, alle unsere Freunde mögen sie sehen und beherzigen'/ Cajetanus behauptet, dass durch dieses Wort das Anschwellen oder auch das Verringern des Tones angezeigt wurde, woraus man schließen könnte, dass es die Bedeutung des piano- und kbrte-Zeichens gehabt habe. Von anderen Forschern wird ihm die Bedeutung der Arsis und Thesis zngeschrieben. Eine, mehreren Psalmen zukommende Form ist das Äcrostichon, indem nämlich die Anfangsbuchstaben eines jeden Verses nicht ohne Kunst in alphabetischer Reihe geordnet sind. Dieser Styl ist nur metrischen Gesängen und Gedichten eigenthümlich, welches aber seine Bedeutung in den Psalmen sei, ist mir vollkommen unbekannt. Hilarius berichtet in der Erläuterung des 119. Psalmes, dass drei Psalme derartig acrostichisch gebaut sind, und zwar die Psalmen 111, 112 und 119. Hieronymus fügt noch den 145. Psalm hinzu und behauptet, dass sich Zedermann täusche, der der Ansicht ist, dass es in den Psalmen noch mehr solcher Acrosticha gäbe. (Fortsetzung folgt.)