Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 5 (2.2.1885)
- Date
- 1885-02-02
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— S — Brüdern das wahre Glück verschaffen wollte und seinem ganzen Stamme Frieden verkündet hatte. 12. Darum verpflichtet uns unsere Liebe zu den Brüder- Hebräern, heilig den Namen dieses Jesus zu wahren und zu verehren; wir sollen seine Worte der Wahrheit und der Liebe, welche von den Evangelisten niedergesckrieben und auseinander gelegt wurden, tief in unser Herz einprägen; wir sollen diese Worte unseren Kindern in den Schulen beibringen; wir sollen von diesen Worten überall, wo wir uns nur befinden, reden; wir sollen in unseren Häusern die Evangelienbücher als einen besonderen Segen halten und diesen Büchern auch andere heilige Schriften, welche uns von unseren wahren Weisen vermacht wurden, beifügen. 13. Wir vertrauen fest, dass die Worte Jesu, die Worte der Gerechtigkeit, der Liebe und des Mitleids, welche vor Allem unseren iiraelitischen Brüdern verkündet wurden, in unseren Herzen tiefe Wurzel schlagen und uns Heilung bringen werden; sie werden unser Herz verwandeln und uns veranlassen, die Wahrheit und das Gute liebzugewinnen, und dann wird sich uns schon auch das Herz der Völker und deren Negierungen zuwenden; sie werden uns Frieden und dauernde Existenz unter allen übrigen.Völkern verschaffen, welche unter dem Schutze der im Geiste Jesu gegebenen und ausgeschriebenen europäischen Gesetze leben, jenes Jesu, der sein Leben geopfert bat, um die Welt glücklich zu machen und von der Erdoberfläche das ganze Uebel mit der Wurzel zu vernichten.' Das sind die dreizehn wesentlichsten Thesen der neuen Sccte. Zum Schluffe wollen wir noch hinzufügen, dass der eigentliche Begründer und gegenwärtige Leiter dieser neuen religiösen Genossenschaft der Kischinewer Advocar Josef Rabinowitsch ist, welcher noch im Jahre 1880 einen Entwurf zur Neorganisirung des Nabbinerthums ausarbeitete und sich während der südrussischen Judenverfolgungen im Jahre 1882 persönlich nach Palästina begab, .um sich dort au Ort und Stelle mit den Mitteln und der Art und Weise der Verwirklichung seines Planes bekannt zu machen. Ans Palästina nach Rußland znrückgekehrt, machte Josef Nabinowiisch folgenden Spruch zu seiner Devise: ,Der Schlüssel zum heiligen Lande liegt in den Händen Jesu.* Diese Worte schließen das Symbol des neuen Glaubens in sich. Heute zählt dieser letztere mehr als zweihundert jüdische Familien Süd- Rußlands zu seinen Bckennern, welche bereits das jüngste Fest der Geburt Jesu Christi nach der von Josef Rabinowitsch entworfenen Liturgie gefeiert haben *). *) Nach den neuesten Nachrichten aus Rußland soll Rabinowitsch von den Orthodoxen ermordet worden sein. Gemeinde-Berichte. Wien. Bei der am 28. d. M. stattgesunden Vorstandswahl in der hiesigen Türk. Jsr. Gemeinde wurde der sehr verdienstvolle, bisherige zweite Vorsteher, Herr Marcus M. Nusso, einstimmig znm Präses, Herr Jos. Eskenasy zum zweiten Vorsteher und die Herren Abr. M. Elias, Gabr. H. Adutt und S. Asriel als Beiräthe gewählt. — Der bei der vereinigten isr. Cultusgemeinde von Neulerchenfcld, Ottakring und Hernals angestellte Cantor, Herr M. Schlesinger, welcher im Jahre 1881 einem ehrenvollen Nuse folgend, bei dieser Gemeinde seine Thätigkeit aufnahm und seit dieser Zeit mit seltener Hingebung und Aufopferung wirkt, wurde in Anerkennung seiner, der Gemeinde geleisteten Dienste, nunmehr mit Stimmeueinhelligkeit laut Sitznngsbeschluß auch zum Matrikenführer in obiger Gemeinde ernannt, welche Wahl von Seite der k. k. Bezirkshauptmannschaft umsomehr bestätigt wurde, als Herr Schlesinger׳ dieses wichtige Amt bereits längere Zeit bekleidete. Strakonitz. Am 19. Jänner starb der in ganz Böhmen als- Kapazität anerkannte univ. med. Dr. Adolf Lazansky, der 24 Jahre in Rakonitz segensreich und rastlos zum Wohle seiner Mitmenschen, wirkte, im Alter von 61 Jahren. Dr. Lazansky war Mitglied des k. k. Doctoren-Collegiums, der medicinischen Facultät in Wien, cor- resp. Mitglied der Gesellschaft böhmischer Aerzte in Prag, Mitglied und Ehrenmitglied mehrererer gemeinnütziger Vereine, Stadt-, Gerichts-, Bahn- und Fabriksarzt x., gehörte dem Cultnsvorstande, der: חברה קדישה als hervorragendes, einflußreiches, hochgeachtetetes Mitglied an. Er war ein ungemein tüchtiger Arzt, ein geschickter Operateur und auch ein vorzüglicher מול,ל♦ Die Professoren der Prager und׳ Wiener Universität hielten große Stücke auf ihn, da er sich auch als Verfasser mehrererer medicinischer Werke rühmlichst hervorgethan hat. Lazansky war der Wohlthäter der Armen, und die israelitischen Cultusfunctionäre hatten seinen Beistand zu jeder Zeit. Als Freund und׳ Gönner der Jugendgründete er die israelitische deutsche Schule in Strakonitz, und dieselbe wurde unter seiner Aufsicht und Fachleitung. (Lazansky war während seiner Studienzeit auch pädagogisch thätig und zwar als Hofmeister bei Fürst Milan Obrenovich von Serbien) ein Musterinftitut. Dr. Lazansky, lxr s. Z. der k. k. Armee als Regi-- meutsarzt angehörte, war ein offener, ehrlicher Charakter, ein treuer Jude, der durch sein Benehmen zur Hebung der Achtung des jüdischen: Namens in Böhmen ungemein beitrug. Cavaliere wie Fürsten Khe-- veuhüller, Kollowrat, Meraviglia, Fürst Großprior Lichnowsky, die Mitglieder des adeligen Malteserritterordens des Großpriorats Böhmen, auf Schloss Strakonitz waren Lazansky's Umgang; trotzdem blieb aber derselbe immer der einfache, bescheidene Soldat. Große Stücke׳ hielt er auf weihevollen Gottesdienst, denn er war ein tüchtiger Linguist und guter Hebräer. Hatte er als מ1הל eine בלית מילה, sowar das nicht allein eine Operation, sondern ein solenn feierlicher,- ergreifender, religiöser Act. Das Krankenbett dieses ausgezeichneten Mannes umstanden 10 Aerzte und 1 Professor. Er selbst verstand׳ seinen Zustand, gab sich kaltblütig auf und nahm Abschied von den Seinigen, denen er zärtlichster Gatte und Vater war. Das Leichenbegäugnis, das am 21. Januar stattfand, gestaltete sich zu einer׳ großen und imposanten Ehrenkundgebung für den Verblichenen. Die Leiche war im israelitischen Tempel aufgebahrt morden und der׳ christlich-czechische Gesangsverein Svon, der deutsche Gesangsverein. Harmonie sangen im Tempel Trauerlieder in deutscher und böhmischer Sprache. Der Rabbiner, Herr Dr. Dankowitz, hielt die Gedenk״ rede, Obercantor Herr Emil Frankel mit seinen: gut geschulten Syna-- gogenchor sang mit Orgelbegleitung Sulzeis Negniem. Der Zug. setzte sich hierauf in Bewegung. Voran schritten ein Bataillon Veteranen Fürst Lichnowsky-Wardcnburg Nr. 1 mit Fahne und Musik,, die Feuerwehr, das Bahnpersonale, die Schuljugend, die Fabriksarbeiter,, der Turnverein, der Arbeiterverein -״Celakovsky', die Deputationen der umliegenden Ortlchaften, die Geistlichkeit, die beiden Gesangsvereine und die Zünfte. Neben dem vierspännigen Leichenwagen, schritten Veteranen und Aerzte mit Windlichtern. Nachher folgten die israelitischen Functionäre, die Honorationen der Stadt und der Cul-- tusgemeinde und die Mitglieder der חברה קרישה. Am Friedhofe׳ recitirte Obercantor Fränkel das □הצור תמי in ergreifender Weise, worauf zum Gebet commandirt wurde, und 3 Böllerschüsse erwiesen Dr. Lazansky die letzte militärische Ehrenbezeugung. Er möge in Frieden ruhen! '!ל צ' ב' ל 'D♦ Erwähnt sei noch, dass Se. Durchlaucht der Fürst Großprior Lichnowsky von Wien telegraphirte, esmöge die Leiche des Dr. Lazansky durch das Malteser-Schloss geführt werden, um däs Andenken desselben zu ehren, eine Ehre, die׳