Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 5 (2.2.1885)
- Date
- 1885-02-02
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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bisher Niemandem außer den Maltesern erwiesen wurde. Der erste ׳Condolirende war Herr Hofrath Haller, Gerichtspräsident in Prag. Wriesen. (Preußen.) Zn unserem sonst sebr ruhigen Städtchen hat sich folgender, .höchst bedanernSwerther Vorfall ereignet, der die -Gemüther der friedlichen Gemeinde in eine große Aufregung versetzte, von welcher sie noch heute nicht ganz beruhigt ist. Briefen, unmittelbar an der polnischen Grenze gelegen, bildete seit etwa 15 Zähren den Zielplatz^polnischer Judeufaulilien und im Laufe der Zeit haben -sich bei uns nun etwa 20 dieser Familien niedergelassen. Diese Leutchen Labe» nun seil etwa 5 Zähren eine הבלה gebildet, die sie דורש nennen. Sie wollten den ,schwarzen Mehlsack*. so nennen diese Chasidim den Talar des Rabbiners und Cantors nicht anehr sehen, sie wollten den Chasan nicht hören und nicht die Omnegunim (Chorgesänge), kurzum. sie wollten nicht mehr in den!Tempel gehen. Wenn auch nicht gern, so gab unser Vorstand dennoch schließlich die Erlaubnis zu dieser Abzweigung. Ein Sefer Thora wurde also beschafft, ein Vorstand, bestehend von drei Mitgliedern .constitnirt und die eigene ,Khiliche' war fertig. Hauptbedingung war, dass Niemand vorbeten dürfe, dem der Vorstand dieser Khiliche -nicht Erlaubnis gegeben und diese Erlaubnis wurde nur demjenigen ertheilt, der das 30. Lebensjahr erreicht und die Merene besitzt.. Am Freitag, den 9. d. M. abends nun erlaubte sich ein Herr N. als Vorbeter aufzutreren, trotzdem ihm die Erlaubnis des Vorstandes nicht zur Seite stand. Man war — der Vorstand und die ganze Ghebra — nicht wenig aufgebracht über das Gebühren des Herrn N. und das Uebertreten des Gesetzes, man schwieg aber, um den Gottesdienst nicht zu stören. Wie es aber zum Waj’ckula kam, da sing alles an mitzusingen, um Herrn R., der ein großer Feind vom 'Cur-waj’chulii ist, zu ärgern. Herr R. wurde ob di-ses Ereignißes wnthend, fing zu schreien an und schlug auf den Tisch, dass die Lichter umfielen und die Tischdecke lichterloh brannte. - Anstatt ״Nogsu owaus“ schreit man ,Feuer' und läuft in die Nachbarschaft, um -einen christlichen Knaben herbeizuholen, damit der das Feuer lösche. Ms der zehnjährige Knabe in den brennenden Tempel tritt, dort jo niele Juden bei einander findet und Herrn R. mit dem Tallis über .dem Kopfe sieht, b-ckommt er vor Schreck das Fieber, läuft auf die Straße und verkündet in Hellem Geschrei, dass ihn die Juden in den Tempel geholt hätten, um ihn zu schlachten. Was sich da that, kann rnan sich leicht denken und wie schwer es hielt, den Jungen zu beruhigen und seine Angehörigen zu beschwichtigen, ist nicht so leicht zu schildern . Nach dem Dawnen entstand nun eine große Machlokoh, .während welcher Herr R. den Versammelten zurief: ,Ihr Parobkes .(Arbeitsknechte)*. Nun war vollends Oel in's Feuer gegossen, die Aufregung war fürchterlich. Tags darauf fand sofort eine außerordeutliche Vorstandssitzung statt, in welcher Herr N. in eine Ordnungsstrafe von 2 Mark genommen wurde. Der Bestrafte will die Strafe aber, wie wir hören, nicht zahlen, war jünzsten Sonnabend vielmehr .im Gemeindetempel, wo er in Seelenruhe den Cur-W’aj’chulu mit .anhörte. Vermilchte Nachrichten. EoUöus. (Wölfe in der Niederlansitz.) Wenn man sonst über das Vorhandensein von Wölfen nicht sehr erbaut zu sein Pflegt, so können wir diesen - in unserer Gegend in (unberufen) ungewöhnlich großer Anzahl austretender Wölfen nur die weiteste Vermehrung und Verbreitung wünschen. Und nun will ich dem geehrten Leser schildern, mit welcher Art von Wölfen wir es hier zu Lhnn haben. In Guben wohnt nämlich eine ehrsame, jüdische Familie Namens Wolf, welche mit 2 Töchtern und ebensoviel Söhnen gesegnet ist. Vor ungefähr 6 Jahren nun kam ein Wolf aus Schw. a. d. W. (dessen Schwester ebenfalls von einem Wolf aus Berlin heimgeführt wurde) nach Guben und raubte — allerdings mit voller Zustimmung des Eltern- Paares — die älteste Tochter, Mina W. und flüchtete sich mit seiner Beute dann bieher, um in hiesiger Stadt ein bedeutendes Fleisch- und Wurstgefchäft zu etabliren, das bereits von 3 jungen Mölschen bevölkert ist. — Vor einigen Tagen nun wagte sich wiederum ein Wolf (seines Zeichens Kürschnermeister aus Züllichau) in die friedliche Wohnung der Wölfischen Familie in Guben und verlobte sich mit der jüngsten Tochter, Frl. Jenny Wolf. Welch' ein sonderbares Zusammentreffen von Wölfen! Wahrlich! Diese jungen, muthigen Frauen werden es gar oft und in drastischer Weife erfahren, was das heißt: ,Mit den Wölfen muß man heulen*. H^aris. ,Das goldene Buch der französischen Juden* betitelt sich ein vor Kurzem in Paris erschienenes Buch, in welchem die von Juden in Frankreich bekleideten Aemter und Würden aufgezählt werden. Im Senat sitzen zwei und in der Deputirtenkammer drei Juden, vier im Landesoberrath, drei in der Pariser Stadtverwaltung, drei im französischen Staatsrathe, darunter der Minister David Reynal; daun sind angesteftellt: drei Juden als Präfecten, sieben als Unterpräfe cten, fünf Präfecturräthe. zwei Generalseeretäre. zwei Directoren im Marine-Ministerium, ein Director im Ministerium für Post und Telegraphie, ebenso je einer in den Ministerien des Innern, für Ackerban und für Handel, ein Chef im Eisenbahn-Ministerium, ein Ober-Postdirector, drei Ober-Staatsanwälte, zwei Gerichtspräsideuten und zehn Gerichts räthe. Beim Militär: fünf Generäle, vier Oberste, neun Oberlieutenants, sieben Intendanten, fünf Generalärzte 11. s. w. In den zwei ersten Universitäten Frankreichs sind achtzehn jüdische Professoren, vierundzwanzig jüdische Professoren in den übrigen Hochschulen und zwei Professoren in der Kriegsschule. Schließlich wird in diesem Buche die Liste der berühmten jüdischen Schriftsteller, Musikdirector, Maler, (darunter Baronin Nathalia von Rothschild), Bildhauer u. s. w. angeführt. Correfpondenz der Nedaetiorr. K. in S. Ihr Bericht musste wegen Ueberfüllung für die nächste Nummer bleiben. Gruß. Ros. in S. Sie erhalten einen ausführlichen Bericht. Gin S. a. Ujh. Ein Inserat in nnserem Blatte kann jedenfalls nützlich fern. H. in Stampf. Wollen Sie uns für die Imalige Annonce 80 kr. und für das jährliche Abonnement 5 fl. senden. Gruß. Kr. in G., N. in D-, B. in K. Wir mustten die Zusendung des Blattes sistiren, nachdem Sie Ihren Rückstand nicht sandten. Sie erhalten die rückständigen Blätter nachgesendet. Din W. Mit Bedauern haben wir von den Vorgängen in Zhrer- Gemeinde erfahren, wir wünschten trotzdem, dass Sie in Ihrer Stellung bleiben mögen. Gruß. Lowens. in W. Vorläufig nichts Paffendes vorhanden. Gruß. L. in P. Wir ersuchen um Pünktlichkeit. Die Redaction. An unsere geehrten Herren Abonnenten! Nachdem die geehrten Herren Lollegen am (.ihren Monatsgehalt beziehen, wollen diejenigen, welche mit dem Abonnementsbetrage im Rückstände sind, an uns nicht zu vergessen und die Einsendung der Aränumerationsgebühr möglichst beschleunigen. Die Redaction.