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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-01-25 · Heft 4 (25.1.1885) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 4 (25.1.1885)
Date
1885-01-25
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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-י 7״ — leise zu liegen kommt. Da kam aber ein anderer Zug heran, dessen Führer glücklicherweise den Jungen auf den Schienen bemerkte. Der Zug wurde zum stehen und der verwundete׳ Knabe zur Station gebracht, wo er dem ganzen.׳ Hergang der Sache erzählte. Hdessa. Die unter dem Stamme Neu-Jsrael entstandene Secte hat neulich ihre Maske abgeworfen und betreibt jetzt offen unter Unterstützung der russischen Regierung die Bekehrung der Juden zur orthodoxen Kirche, fre'lich mit sehr zweifelhaftem Erfolge. In Kiftyenew hat diese Secte eine eigene Synagoge gegründet, um in dieser für daS Bekehrunzswerk Propaganda zu machen. Ueber die Eröffnung dieser Synagoge, welche am ersten russischen Weihnachtstage erfolgte, wird von dort Folgendes berichtet: Auf Grund der Erlaubnis des Ministers des Innern wurde gestern (24. December — 5. Jänner) die im Hause des F. Rabinovits, Bruders des Gründers der Secte, Joseph Rabinovits, eingerichtete Synagoge der Secte ,Neu-Jsrael* unter Betheiligung des Pastors R. Faltin, des Kischenewer Polizeimeisters, des Pristaws, mehrerer christlicher Einwohner und einer großen Zahl jüdischer junger Leute feierlichst eröffnet. Mitten im Saale stand ein Weihnachtsbaum, mit diversen Gegenständen und bunten Lichtern ge׳ schmückt. Auf der einen Seite befand sich ein mit schwarzem Tuche bedeckter Tisch, auf welchem das neue und alte Testament, sowie andere religiöse Werke lagen. Der Gottesdienst begann mit dem Vortrage des aus der lutherischen Kirche herbeigeholten gemischten Chors, welcher einige Hymnen absang. Hieraus bestieg der neue jüdische Reformator Josef Rabinovits, der sich sichtlich in höchster Aufregung befand, die Estrade und wendete sich mit zittender Stimme an die Anwesenden, denen er im Jargon eine Nede hielt und Psalmen Davids vorlas, die er dann in's Russische übersetzte. Indem er seine Rede durch Citate aus der Schrift bekräftigte, suchte er der Versammlung nachzuweisen, dass seine Brüder — die Inden — sehr im Jrrthum seien, wenn sie die Ankunft des Messias erwarten (?). Dieser Messias sei schon längst gekommen; eS sei dies der Erlöser Jesus Christus Die Juden müssen aus ihrem Jrrthum heraus und in die richtige Bahn einlenken, was sie nur dadurch bewirken können, wenn sie Jesus Christus als den erhofften Messias anerkennen. Die Anwesenden lauschten sehr aufmerksam, und nachdem die Rede beendet war, betrat Pastor Faltin die Kanzel und hielt in deutscher Sprache eine kurze, aber eindringliche Rede. ״Ich bin hier bereits 25 Jahre," sagte er, ״und habe mich während dieser ganzen Zeit mit den Juden gut verhalten. Ich habe allen denjenigen geholfen, die sich an mich gewendet hatten, denn helfen ist die erste Pflicht eines jeden Christen. Ich weiß, dass alle Religionen ihren Ursprung pon der jüdischen haben, und dass auch unser Heiland von Juden entstammte. Zu dieser Wahrheit gelangte selbstständig, durch eigene Forschung euer Bruder Joses Rabinovits. Daher, glaube ich, wird er . euch am besten in der von euch verstandenen Sprache erklären können, wie verirrt ihr seid, und dass ihr bei euren gegenwärtigen Ansichten über die Religion nicht als wahre Juden gelten könnt." Nach dieser Rede wurden unter die versammelten jungen Leute in London gedruckte Broschüren über Len Zweck und Nutzen der neuen Secte vertheilt. Unter der hiesigen Judenschast hat dieses Ereignis große Entrüstung hervor gerufen. Tanger. Der Sultan hat einen Officier, Kaid Elbachir, zur Untersuchung der von den Juden vorgebrachten Klagen nach Demnat geschickt, der bereits mit dem Gouverneur unter einer Decke zu stecken scheint; denn die vor denselben vorgeladenen Juden wurden bei der Rückkehr in ihre Wohnungen von den Soldaten des Gouverneurs, jedenfalls mit Bewilligung des Specialgesandten, ^aufgehoben, in's Gefängnis geworfen und, um Geftändniße zu erlangen, gefoltert. Dem für die bedrängten Juden einschreitenden amerikanischen Generalconsul hat der judenfeindliche Großvezier die Antwort zukommen laffen, dass nach den Mittheilungen des abgesandten Officiers die Anklagen der Juden unberechtigt seien; doch sollten auf Wunsch des Sultans weitere Berichte abgewartet werden. Die Lage der Juden wird auf diese Weise immer schrecklicher. Neuestens wird berichtet, dass das Ministerium den Inden in Fez die Besitzinstrumente über von denselben seit Jahren außerhalb des Mellah gekaufte Immobilien abverlangt habe und deren Rückgabe nunmehr verweigere, und dass so die Juden Gefahr lausen, ihre Besitzthümer zu verlieren. Jernfatem, 7. November. Die Verfolgung der russischen und rumänischen Emigranten dauert fort. In der Colonie ״Pettach Tikwah" dürfen keine Häuser gebaut werden, nach ״Rischon le-Zion" wurde eine Cominission abgesandt, um diese Sache zu untersuchen, mrd das Paßsystem herrscht nach wie vor streng für Aschkenasim. Dieser Tage wurde ein alter Mann, der aus Safed ohne Paß kam, am Jaffathor grausam mißhandelt und gezwungen, die dreitägige, müh» same Reise, ohne eine Erfrischung zu sich zu nehmen, zurück antreten. Die Aschkenasim Jerusalems haben keine Gemeindevertretung. Alles zuckte die Achseln und schwieg. Glücklicherweise sandte der bekannte Redacteur des ״Habazeleth", Herr F r u m k i n, dem Aermsten «inen Boten nach, der ihn in Schechem ereilte, ihm dort einen Paß besorgte und ihn zurückbrachte. — Die drei von deutschem Gelds zu bauenden Häuser in der Siloh für die Temaner (arabischen) Juden sind fast vollendet. Manche von Letzteren sind noch genathigt. in Höhlen zu Hausen. — Gestern besuchte der österreichische Consul Ritter v. Strauß, das deutsch-jüdische Waisenhaus, nahm alle Einrichtungen in Augen--^. schein und examinirte die Kinder während zweier Stunden. (Die Schule besteht aus 30 Schülern, davon 14 Internen (Waisen) und 16 Tagesschülern.) Er prüfte die Kleinen im Hebräischen, Bibellesen, Deutschlesen. Grammatik, Rechnen, die 1. Classe in hebräischer Grammatik. Rechnen, Geographie und Geometrie, und behielt sich für seinen nächsten Besuch die Prüfung im Englischen und Arabischen vor. Der Consul sprach Herrn Dr. Herzberg, dem Leiter der Anstalt, seine vollste Befriedigung aus. Correspondenz der Nedaetion. P. in Fr. a. M. Bestätigen dankend den gesandten Betrag. Herzl. Gruß. Sam. in T. Wir haben die gesandten Beträge gutgeschrieben. Gruß. R. in Szegsz. Wir erwarten, daß Sie zur Zeit Ihr Versprechen einlösen werden. Adresse ist auf dem Kopfe des Blattes ersichtlich. N. in S. D. in E. Wir danken Ihnen herzlichft, daß Sie durch Ihren Einfluß unserem Blatte zwei Privat-Abonnenten in Ihren Gemeinden verschafft haben. Wenn viele Collegen dieses Beispiel nachahmten, was doch jedem Einzelnen keine große Mühe verursacht, würde nicht nur das Blatt, sondern der gesammte Cantorenstand dadurch gewinnen. Besten Gruß. G. in Schl. Sie erhalten die gewünschte Beilage. Solche werden erst dann, wenn mehrere Bestellungen einlausen, effectuirt. K. in Th. 9t. An Ihre Adreffe werden die Blätter pünktlich abgesendet. G. in Kl. Ihren gesandten Betrag für Rest 1884 gutgebucht. Wollen Sie in den nächsten Tagen erneuern pro 1885. Z. in K- C- Den Abonnementsbetrag erhalten; warum solches Stillschweigen über Bewußtes. Dr. in Hamb. Für die freundliche Mittheilung besten Dank. Besten Gruß. R. in N. Wir glauben bewußten Jrrthum berichtigt zu haben. Best. Gruß. D. in Br. Ihr geschätztes Werk erhalten. Herzl. Gruß und besten Dank. Die Redaction.

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