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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-01-25 · Heft 4 (25.1.1885) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 4 (25.1.1885)
Date
1885-01-25
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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— © — christliche und im Jahre 1882/3 222 israelitische und 495 christliche Schüler. (Die Israeliten in der Dobrudscha.) Seitdem die Dobrudscha in Folge des Berliner Vertrages eine rumänische Provinz geworden ist, sind die Juden, welche daselbst seit vielen. Jahren wohnhaft sind, den Quälereien und dem bösen Willen seitens rumänischer Behörden unterworsen. Im vergangenen Jahre wurden 35 jüdische Familien, welche ruhig in Küstendje unter türkischer Herrschaft gelebt hatten, aus dieser Stadt vertrieben. Im Monat März v. I. sanden neue Vertreibungen statt, obgleich die Exilirten in der Lage waren, den Behörden zu..beweisen, dass sie Subsistenzmittel und Unterkunft hatten und regelmäßig ihre Abgaben entrichten. (Mißhandlungen der Juden von Dorabani). In Dorabäni, einer Stadt, welche im Distrikte Doroltoi gelegen ist, ereigneten sich einige Fälle von Rinderpest. Die Behörden trafen Maßregeln, um die Verbreitung der Epidemie hintanzuhälten und sendeten einen Polizeicommissär, Herrn Filipescu, um die Ausführung dieser Maßregeln zu überwachen. Dieser begann damit, 40 jüdische Einwohner verhaften zu lassen, und verpflichtete sie um die Stadt Dämme aufzurichten. Der größte Th.eil dieser Israeliten war zu schwach, um Arbeiten dieser Art ansznführen und sie verlangten, zu ihrer Erholung durch stärkere Arbeiter ersetzt zu werden. Der Commiflär verwarf ihre Bitte. Mehrere Nächte campirteu sie unter freiem Himmel, waren Wolkenbrüchen und schrecklicher Kälte ausgesetzt; ja sie wurden sogar gezwungen, am Versöhnuugstage zu arbeiten. Eine Klage, welche sie über diesen Gegenstand an den Districtspräfectcn Herrn Moruzi rich. tetcn, blieb ohne Antwort. Als die Polizei wegen der Epidemie verboten hatte, Vieh zu schlachten, hatten mehrere Juden für einige Kranke Geflügel getödtet. Der Commissär ließ dieses Geflügel mit Schwefel bestreuen, um es zum Genuß untauglich zu machen. Als am Versöhnungstage die Juden beim Gottesdienste waren, drang der Polizeicommissär mit einigen Agenten in die Synagoge und ließ unter dem Vorwände, dieselbe desinficireu zu wollen, Schwefel verbrennen und schloß die Thüren, um die Frommen daran zu verhindern hinauszugehen. Die Juden, geschwächt durch Fasten, ertrugen die schrecklichsten Qualen mitten im Rauch und erstickendem Schwefelgeruch. Während sich dies in der Synagoge ereignete» stürzten sich Näuberhorden in die Häuser der Juden, raubten ihre Möbel, stahlen kostbare Gegenstände und mißhandelten die Bewohner. Diese Scenen wiederholten sich am folgenden Tage. Mehrere Weiber starben vor Schrecken. Unter denen, welche verpflichtet waren, auf den Feldern nach dem Befehl des Polizeicommiflärs zu arbeiten, erlagen mehrere Greise den Anstrengungen. (Israeliten von Egypten). Das Centralcomitö hat aus Alexandrien folgende Mittheilung erhalten: Graf Josef v. Zoghel, Generalconsul von Portugal in Alexandrien, einer der reichsten Grundbesitzer, starb unter Hinterlaflung eines beträchtlichen Vermögens für seine Frau und seine zehn Kinder. Obwohl er Verwandte in Alexandrien hatte, ernannte er zum Testamentsexccutor den Secretär der Israelitengemeinde Herrn G. Parreyra von L6on. Dies legt Zeugnis ab von der hohen Achtung, deren Herr Parreyra von Ldon im Besonderen und die Israeliten von Alexandrien im Allgemeinen dei ihren Mitbürgern sich erfreuen. Kleine Chronik. Wissen, 19. Jänner 1885. Bei der am 15. d. M. stattge-- fundenen Generalversammlung der Chewra-Kadischa, welcher Verein eine Section der Cultusgemeinde bildet, wurde unser Obercantor Herr A. Freisinger, von der sehr zahlreich besuchten Versammlung einstimmig zum Ehrenmitgliede ernannt. Diese Auszeichnung wurde ihm nicht blos in Anbetracht seiner 12jährigen erfolgreichen Wirksamkeit, sondern es war hiebei auch maßgebend, dass Herr Freisinger in jeder Hinsicht für das Interesse unserer Gemeinde und deren Institutionen thütig war. ' S. Lemöerg. lieber einen empörenden Vorfall berichtet im ,Gasette Narodowa* wie folgt: Samstag Abends folgte einer verheirateten israelitischen Dame in der Entfernung von einigen Schritten ein ihr unbekannter Officier. Als sie vor ihrem Hanse anlaugte und sich in dasselbe begab, folgte ihr der Officier auf die Treppe. Da die Thür der Wohnung verschlossen war, begab sich die Frau in ein in der Nähe gelegenes Local, um ihren Mann, der den Wohnungsschlüssel mit sich führte, aufzusltthen. Nach einer Weile kehrte sie in Gesellschaft ihres Mannes in die Wohnung zurück, und kurz, darauf erschien auch der Officier, es kam zu einer aufgeregten Scene. Der Officier ging, kehrte aber wieder zurück und machte den Versuch, dem Gatten der. Dame einen Brief einzuhändigen, der eine Herausforderung zürn Zweikamps enthielt. Der Mann nahm den Brief jedoch nicht, an und der Officier ging fort, die Fortsetzung auf den nächsten Tag verschiebend. Am nächsten Tage, um 9 Uhr Früh erschien er in Begleitung von sechs mit Stöcken versehenen Soldaten. Einen ließ er am Thore Wache Halten, die and.ru stürmten mit ihm in die Wohnüng, wo der Mann geprügelt wurde. Die-Frau rief im nächsten . Zimmer um Hilfe, worauf der Officier auch sie angriff. und sie zu mißhandeln begann. Dem Manne gelang es indeß, der Uebermacht zu 'widerstehen, er riss ein Fenster auf und schrie um Hilfe. Es liefen imn Leute herbei, man erbrach die Wohnungsthür und ein zufällig des Weges vorübergehender Polizeicommissär schritt sofort ein, verlangte dem Officier seine Visitkarte ab und liefe bie Soldaten mit Hilfe von Polizeimannschaft arretiren. Man brachte sie auf die Polizei, von wo sie nach überstandenem Verhöre der Militärbehörde ausgeliefert wurden. Was den Hauptthäter, den . gegenwärtig bereits verhafteten Officier, anbelangt, so ist zu bemerken, dajs die Militärbehörde beim. Reichskriegsministerium telegraphisch angefragt hat, waS in der Angelegenheit zu thuu sei. Krtau. Die hiesige israelitische Gemeinde, welche durch das im Judenthum herrschende Zerwürfnis in zwei Lager, nämlich in das der Aufgeklärten und Orthodoxen, gespalten war, litt in Folge dieses. Zerwürfnißes in solchem Maße, dass selbst ihre Humanitären Anstalten hiedurch Schaden nahmen. So war die Gemeinde selbst außer Stande, ein Spital für ihre erkrankten Glaubensgenossen zu errichten. Erst dem energischen Einschreiten des Doctor der Medizin David Schwarz, welcher selbst 500 fl. für diesen Zweck spendete, gelang es, die' Oü6d׳a Kadischa zur Erfüllung dieser Humanitären Pflicht zu bewegen. Nun ist das neue Spital fertig, sehr zweckmäßig und elegant eingerichtet. Dasselbe wurde mit einer sehr beifällig aufgenommenen Rede des Dr. Schwarz eröffnet und wurde sogleich seiner Bestimmung übergeben. KleiwiH Vor einigen Tagen ist auf der preußischen Eisenbahnstrecke JabomcnNudsinitz (zwischen Cosel und Gleiwitz) .ein fünft zehnjähriger christlicher Knabe in einem Coup^e dritter Classe mit einem Juden allein gefahren, plötzlich streift der Jude einen Aermel in die Höhe und zieht die Tefilin heraus. Der Knabe, welcher von Tefilin nichts wusste, bildete sich ein, dass der Jude ihn mit den Riemen binden und abschlachten wolle. In seiner Angst reist er die Coupdethür auf und springt heraus, so dass er auf das zweite Ge-

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