Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-01-25 · Heft 4 (25.1.1885) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 4 (25.1.1885)
Date
1885-01-25
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/1304829-3452999-3453003--1234-3455352
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Pfleglings. Mehr noch galt der Unterricht einem Volke, zn dessen messianischen Hoffnungen es gehörte: ,Die Erde wird voll von Erkenntniß sein, wie Wasser den Meeresgrund deckt,* Wobei ein ron Prof. Lazarus (1. Oktober 1884) angeführtes Wort ausführlich erklärt wurde. 80 Jahre vor unserer Zeitrech, nnng wurde in Israel ans obligatorischen Volksunterricht bingewiesen, und im Todesröcheln der jüdischen Staatsexistenz bat die Schule zu Jamnia den Monotheismus erkalten. Es gab keinen gröberen Schimpf, als ,.unwissend" genannt zn werden. Neben der eigentlichen Lehre wurden auch profane Wissen-! schäften^ seit Esra bis zur Blüthezeit der maurischen und nordj französischen Schule gepflegt; auch die weibliche Erziehung wurde uuterrichllich gefördert, freilich ist ihr Symbol' Spindel und Nocken gewesen, welche einen Ehrenplatz in der guten Stube des Biederweibes cinnabmen. Das Allerwichtigste aber ist und bleibt die Zucht. Nicht Philosophen wollte die Bibel bilden, sondern Menschen; mebr als der Stein der Weisen gilt in Israel die sittliche Idee, aber der Weg zur Ethik ist Wissen und Unterricht, die Tugend ist — wie bei Sokrates — lehrbar. Redner hob nun die Mittel und die Methode der genannten Momente hervor und kam dann zu dem Einfluss der sinaitischen Verfassung auf andere Völker, ohne welchen unmöglich eine Cnltur- ׳ und Bilduugsepoche je cingetreten wäre; allein das Judenthum ging auch bei anderen Völkern in die Schule; ohne die Kenntnis des Aristoteles hätte Maimonides keinen Führer der Verirrten schreiben können und die Veredelung in Sitte, Ordnung, Unterricht und Methode ist zum großen Tbeil dem Einfluss des größten Culturvolkes der Zeit, der Deutschen, ihrer Gründlichkeit und Bildung ganz besonders seit der Emaucipatiou der Juden zu danken. Wünschenswerth ist es jedoch, dass die Schule nicht nur gründlich lehre, sondern auch erziehe und damit die ethischen und religiösen Seiten des Inneren ergreife, denn der Lebens.quell der Einzelnen ist das Herz, der der Gesammtheit Religion und Tugend. Es ist unmöglich, auf die reichen Belege dieser Sätze, wie sie gegeben wurden, hier näher einzngehen, vielleicht wird der vielfach geäußerte Wunsch, diesen interessanten Vortrag zu veröffentlichen, von dem verehrten Herrn Vortragenden erfüllt werden. Monatütiericht der Alliance Isr. Univ. (Israeliten von Rußland). Die Commission, welche von der Regierung von Rußland ernannt wurde, um die Gesetzgebung, betreffend die Juden dieses Landes, zn prüfen, setzte ihre Arbeit unter, dem Vorsitz des Grafen v. Pakten fort. Nach dem Journal von St. Peteröbourg hat sie die Arbeit beendet, die zahlreichen Denkschriften zu ordnen und zu resumiren, welche an sie durch die Localcommissionen, die beauftragt waren, die Lage der in den nördlichen und südwestlichen Statthalterschaften etablirten Juden zu studiren, gerichtet waren. Es scheint, dass die meisten dieser Schriften darauf einrathen, dass man den kleinen jüdischen Kaufleuten und Arbeitern verbieten solle, sich in Dörfern und Marktflecken in Körperschaften zu gruppiren, und vorschlagen, dass man spezielle Stenern, welche die Israeliten drücken, abschaffen solle. Der Minister des Innern publicirt ein Deeret, welches allen Kauflenten der ersten Gilde, welche seit mehreren Jahren in Odessa mit einem fremden Paß etablirr waren, verbietet, länger ihren Aufenthalt in dieser Stabt fortzusetzen, wenn sie es nicht durch einen Erlaubnisschein bewilligt haben, welcher vom Minister des Innern, der Finanzen und des Aeußern unterzeichnet sein muß. Diese Maßregel, welche vom 1. Jänner ergriffen werden sollte, verursachte eine heftige Aufregung unter den jüdischen Kauflenten Odessa's. Eine israelitische Deputation begab sich nach St. Petersburg, nm von der Negierung zu verlangen, dass sie die Vollziehung der Maßregel noch anfschiebe, weil die Interessenten einige Wochen nölhig hätten, um die Erlaubnis des längeren Aufenthaltes durch Decret zn erwirken, und im Falle man es nicht bewilligen würde, wollten sie weuigstens ihre Angelegenheiten in Nichtigkeit bringen. Mehrere Würdenträger der russischen Geistlichkeit hatten unter verschiedenen Umständen zu Gunsten der Jsraeliren Reden voll Wohlwollen und Gerechtigkeit gehalten. Der Erzbischof von St. Petersburg hat am 22. November den 50. Jahrestag seines Eintrittes in die Functionen eines Priesters gefeiert; die Inden dieser Stadt haben Herrn Rabbiner Drabkin abgeschickt, um dem Bischöfe in ihrem Namen die Glückwünsche zu überbringen. Der Bischof empfing Herrn Drabkin mit großer Freundlichkeit und sagte ihm, dass er es immer als eine der wichtigsten Pflichten des Priesters betrachtet halte, dem Volke von der Toleranz und der Nächstenliebe zu predigen. Achnliches fand in Dünabmg statt, wo Mszr. Platon, Erzbischof von Kiew, kürzlich einen kurzen Aufenthalt hielt. Die Mitglieder der jüdischen Gemeinde von Dünaburg schickten eine Deputation zu dem Prälaten, um ihm ihre Huldigungen darzubringen. Der Letztere dankte herzlich und sagte ihnen unter Anderem die folgenden Worte: »Wir sind alle Brüder; Inden und Christen sind alle Diener desselben Gottes; ein Gott hat uns geschaffen und wir haben einen gemeinsamen Vater. I Wir zeichnen uns, die Einen von den Anderen, nur durch gewisse Gebräuche aus, die wir nach der Tradition verfolgen, um durch unsere Art Gott anzubeten, aber wir haben nicht das Recht zu entscheiden, wer von uns die Wahrheit besitze, und wir sollen wie Brüder Zusammenleben." Endlich hat der Erzbischof von Kichines bei einer vorbereitenden Versammlung, welche den Zweck hatte, ein Spital zu gründen, wo Kranke aller Confessionen Aufnahme finden sollen, in gleicher Weise Toleranz, Einigkeit und allgemeine Menschenliebe gepredigt. (Israeliten in Rumänien.) Das Centralcomite hat von Bukarest folgende Information, betreffend die Inden in Rumänien, erhalten:! Schulstatistik. Die folgenden Ziffern, welche der officiellen j Statistik entnommen find, zeigen, dass die rumänischen Inden die Wohlthaten des Unterrichtes zu benützen wissen und ihre Kinder daraus Nutzen ziehen lassen. So hatten im Schuljahre 1878/9 die Communalschulen für Knaben 1432 jüdische und 18165 christliche Zöglinge, die Mädchenschulen 1793 jüdische und 7421 christliche. Im Schuljahre 1881/2, d. h. zwei Jahre später, ist das Verhältnis in dielen Schulen das folgende: 2331 jüdische Knaben zu 21.501 christlichen und 2754 jüdische' Mädchen zu 10.000 christlichen. Endlich 1882/3 wurden die Knabenschulen von 2741 jüdischen und 21.710 christlichen Kindern besucht und die Mädchenschulen von 2741 jüdischen und 10.713 christlichen. In den Gymnasien fanden sich im Jahre 1878/9 313 jüdische und 1540 christliche Schüler, im Jahre 1881/2 383 jüdische und 1694 christliche, endlich 1882/3 401 jüdische und 1687 christliche. Die Lyceen waren 1878/9 von 151 Israeliten und 1631 Christen, im Jahre 1881 2 von 191 Israeliten und 1917 Christen und im Jahre 1882/3 von 180 Israeliten und 2164 Christen besucht. In den höheren und Gewerbeschulen für Mädchen waren 1878/9 34 israelitische und 791 christliche Zögiinge eingeschrieben, 1881/2 aber 63 israelit. und 1233 christl. und 1882/3 75 israelitische und 1407 christliche. Endlich zahlte man in den Handelsschulen im Jahre 1878/9, 77 i!raelitische und 204 christliche im Jahre 1881/2, 239 israelitische und 833

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.