Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 3 (17.1.1885)
- Date
- 1885-01-17
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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— -5b — und Cham, ober Schönheit, Göttlichkeit und Sinnlichkeit, wenn mau die Namen als Ausdruck für den Charakter und den künftigen Beruf jedes Einzelnen beirachtet. Solch' bezeichnende Namen konnten natürlich nur Besitzer der Sgulab, Prophetie, geben. Eber nannte feinen Sohn schon bei der Geburt Paleg, was der Talmud als Beweis, dass Eber Prophet war, hinstellt. Das unsittliche Vorgehen Cham's gegen seinen Vater — worin es eigentlich bestand, ist in der heiligen Schrift nur discret angedeutel — wird im Talmud wie gewöhnlich verschiedentlich aufgefasst. Einige sind der Ansicht, dass pure Habsucht und Neid ihn zu der so schändlichen That verleiteten, weil der vierte Theil der Erde ihm zu wenig war, wobei er einen Rückblick auf seinen Ahnen, den Brudermörder Kajin warf, dem sogar die halbe Erde nicht genügte. Andere behaupten, er hätte wirklich eine Unsittlichkeit begangen, was sein Name Cham, der Heißblütige, Leidenschaftliche, ausdrückt. Moses, der Verfasser dieser heiligen Urkunde, der nur die heilige Sgulah im Auge hatte, bezeichnet darum immer die Reihenfolge der Söhne Noa's mit wohlweislickcr Absicht Schem, Cham und Zaphet. Cham, dessen Nachkommen von Noa als Sclaven der beiden Brüder und ihrer Geschlechter vernrtheilt waren, wird in die Mitte gestellt. Diese, in unserer Abhandlung entwickelte und begründete Bedeutung haben die Semiten im großen, göttlichen Plane der Erziehung des Menschengeschlechtes und wahrlich sie ist eine hehre, erhabene und positive. Ueber das negative Antisemitcnthum ein Wort zu verlieren, erachte ich, da es sich aus dem positiven, erörterten Semitenthum ergibt, als vollständig überflüssig. Nur bezüglich der mannigfachen, stürmischen Fragen, namentlich die den Berliner Hofprediger so sehr in Anspruch nehmende, sociale Frage, wie auch die trotz jener berühmten Berliner Conferenz, lange noch unentschiedene orientalische Frage — will ich noch bemerken, dass dieselben gewiss nur so, wie der große Semit Moses in seinem Schwanen-Sesang Osntoron. 32. 9. 40—45 mit Flammenschrifl gezeichnet — ihre Lösung finden werden. Die Wischen Ackerbaucolonien in Süd- Rußland. (Aus der »Neuen Züricher Ztg.^) (Schluß.) Ehe wir uns dem vollen Niedergänge der Colonien zuwenden, wollen wir noch die Frage beantworten, ob die Acker׳ fläche, zu deren Bearbeitung die Kräfte der jüdischen Coloniften ausreichten, ergiebig genug war, sie unter normalen Temperatur- und anderen Verhältnißen zu ernähren. Es sind hier zunächst einige Ürtheile über die Zukunft der Colonien eingeflochten, die iudirect zur Beantwortung unserer Frage beitragen. Blumenfeld, der frühere Vorsitzende der rabbinischen Com- Mission, äußert sich in neueren statistischen Angaben in der Zeitschrift »HamelitzV sehr günstig darüber, und Schmackow im ״Tag^ (Organ der russischen Juden, 1. Jahrgang. Nr. 11, S. 165) pflichtet ihm bei, indem er ausführt, dass das Colonisationsproject sehr gut ausgefallen sei. Diesen etwas optimistischen An-! schauuugen stehen andere ebenso gewichtige gegenüber. So sagt Orschansky in seinem Werke ״die Juden in Rußland", Petersbürg 1877: es sei schwer, an eine glückliche Zukunft der Juden in den süd-russischen Ackerbaucolonien zu glauben. Und alle Berichte (Schmidt. Schmackow, Orschansky), worauf schon hingewiesen wurde, constatiren, dass das Land schlecht sei. Schon 1840 wurde von Sachverständigen darauf aufmersam gemacht, dass dem Boden Wasser fehle, und dass dieser Wassermangel, und nicht etwa die Trägheit der Juden oder ibre Unbrauchbarkeit für die Landwirthschaft die Schuld am Nichtgedeihen der Colonien trage. Der Boden war in der That zum Theil sehr schlecht, und wie verschieden er war, das lassen die folgenden Angaben erkennen: Es wurden in den Chersoner Colonien 1877 gesäet: Wintersaat 1499 Tschetwert, Sommersaat 5863 Tsch. Die Ernte betrug an Wintergetreide 12,327 Tschetwert und an Sommergetreide 54.806 Tsch. — Das ist sehr günstig, jedoch - gestatten diese Zahlen keinen allgemeinen Schluß, ganz abgesehen davon, dass das in Rede stehende Jahr ein besonders günstiges war. So schwankt die Ernte des Wintergetreides zwischen 3Vr pro Korn in Bobro..itz, Kut und St. Sitomir 31 pro Korn. Die Sommersaat ergibt in Jngulez nur IVpro Korn, in Zwow dagegen 48Vr. Das für jede Seele׳ unentbehrliche Getreide beträgt zwei Tschetwert. In vier von den jüdischen Colonien kamen mehr als 4, in fünf 3, in neun 2, in drei nur 1 Tschetwert auf den Kopf. Diesen Maßstab an alle Colonien gelegt, ergibt sich, dass nur in neun Colonien mehr als zur Ernährung des Einzelnen erforderlich, in neun kaum so viel als dazu auSreicht und in drei nicht einmal das Unentbehrliche geerntet wurde, obwohl daS Jahr gut war. Die aufgeworfene Frage beantwortet sich hienach verneinend; der thatsächlich bearbeitete Boden reichte nicht aus, die jüdischen Colonisten zu ernähren. Vielleicht aber lag die Schuld auch an der ungeschickten und nicht gleichmäßigen Bearbeitung des Bodens. Eine Reihe ähnlicher Ernteresultate könnte indeß die Richtigkeit der obigen -Zahlen Unterstützen. Es hat freilich eine Zeit gegeben, in der es den jüdischen Colonisten noch sehr an der landwirthschafilichen Berufsbildung gebrach. Das war in den ersten Jahren der Colonien gewesen. Die russischen und die deutschen Bauern, welche sich hier niedergelassen hatten, waren von Haus aus Landwirthe gewesen, die Juden aber völlige Neulinge, welche die Landwirthschaft erst zu erlernen hatten; und dass die Erlernung dieses schweren Berufes den Juden nach Möglichkeit erschwert wurde, dafür hatte die Negierung selbst gesorgt. Vielleicht um Conflicte mit den christlichen Bauern zu verhüten, vielleicht auch um die Juden keinen Augenblick ihre untergeordnete gesellschaftliche Stellung vergessen zu lassen, batte man das grausame System ihrer Jsolirung, das mittelalterliche Ghettoleben auch auf dem Lande durchzuführen gesucht; die Juden sollten keine Berührung mit ihren christlichen Arbeitsgenosfen haben; deshalb musste jedes ihrer Dörfer mehrere Werst von den christlichen entfernt gehalten werden. Das war nach den verschiedensten Richtungen hin eine höchst unglückliche Maßregel, welche unter allen Umständen die Fortentwicklung der jüdischen Colonien nach dem Vorbilde der russischen und deutschen sehr erschweren oder ganz verhindern musste. Sich landeskundige, christliche Leute zu halten, die in der Landwirthschaft bewandert waren, das war den Juden ebenso wie das Halten von Knechten, wie schon erwähnt, gesetzlich unter schweren Strafen verboten. I Kein Jude durfte sich erdreisten, einen Knecht aus den Reihen derjenigen in seinen Dienst zu nehmen, die von Rechtswegen seine Herren waren, dereu Gnade allein er es zu danken hatte, dass er überhaupt noch existirte. Die Colonien besaßen freilich christliche Aufseher. Dr. Hell hat uns bereits mit denselben bekannt gemacht, indem er sagt: ״Alle diese Colonisten sind heute - dem Generalgouverneur des neurussischen Gebietes unterstellt tz