Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 3 (17.1.1885)
- Date
- 1885-01-17
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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/ — 2 - und die auf Grund dieses Entwurfes ausgeschrieben gewesene j Wahl eines Cultusvorstandes musste wegen eingelaufener Proteste ■ sistirt werden, die zumeist darauf beruhen, 'dass, insolange das Gemeindestatut nicht behördlich genehmigt ist, auch keine Vorstandswahl vorgenommen werden darf. So hat das neue Jahr begonnen und mit ihm neue Wirren. Nachdem die Cultnsgemeinde keinen Vorstand hat, der der politischen Gemeinde aber sich nicht mehr als competent ercuutet, die Verwaltung der culturellen Angelegenheiten zu führen, so kann die Vermögensrechtliche Frage zwischen den beiden Communen nicht ausgetragen, das Cultuspräliminar pro 1885 nicht verfasst und die Beitragsquote der'einzelnen Mitglieder nicht bemessen werden. Letzteres, heißt es, sei schon deshalb nicht möglich, weil die Gemeinde vor Abgrenzung des ihr gehörigen Cultussprengels nicht weiß, welche Mitglieder ihr eigentlich angehören und wen sie zur Beitragsleistung für ihre Cultuszwecke heranzuziehen habe. Freilich leidet die Gemeinde, respective ihre Mitglieder, nicht im mindesten während dieses budgetlosen Jnterstitmms. Der Gottesdienst im Tempel wirb abgehalten, die Functionäre walten treu und pünktlich ihres Amtes und Niemandem in der Gemeinde geht etwas ab, so oft er zur Befriedigung seiner religiösen Bedürfniße die culturellen Anstalten in Anspruch nehmen will. Alles klappt wie gewöhnlich. Wer sich aber mit Recht zu beklagen Hai, das sind die Beamten und Bediensteten der Gemeinde. Diese, welche in Folge der complicirten Verhältniße schon mehrere Atonale keinen Gehalt bekommen können, haben die traurige Aussicht, noch lange Zeit auf dem Trockenen zu sitzen und Manchen von ihnen dürfte in diesem Jahre die Noch beten lehren. Wenn auch die hochbehördliche Entscheidungen der nächsten Zeit herabgelangen sollte und man sofort zur Wahlausschreibung des Cultusvorstandes schreiten könnte, so dauert die statutenmäßige, langwierige Procedur bei der Wahl doch noch viele Wochen. Abgesehen davon, dass man nicht weiß, ob nicht wieder Danaidenarbeit verrichtet wird, weil überall Leute zu sinden sind, die entweder aus persönlichem Interesse oder aus verwersticher Zanksucht bei jeder Gelegenheit mit ihren Beschwerden, Protesten und Recursen zur Hand sind, und wenn sie auch dadurch nur an den Angestellten in der Gemeinde ihr Müthchen kühlen. Doch hört man, dass mancher Gemeinde in Mähren alle die oben geschilderten Hinderniße bereits benommen wären, und dass die normale Ruhe wieder in ihrer Mitte eingekehrt sei. Die verehrten Collegen in solchen Gemeinden würden sich den Dank Vieler erwerben, wenn sie in diesem geschätzten Blatte die Art und Weise erörtern wollten, wie diese Gemeinden bis jetzt vorgegangen sind. An der Bereitwilligkeit der löblichen Redaction, solchen Erörterungen die Spalten ihres Blattes zu öffnen, darf gar nicht gezweifelt werden. — n. Semit und Antisemit eine zeitgemäße Studie von K» Holdstem, em. Lehrer zu Gleiwitz. (Nachdruck verboten.) (Schluß.) Das Judenthum hat unbedingt in der Musik Großes und Herrliches geleistet, und sehr fraglich und unentschieden ist es, ob die großen und anerkannten, antisemitischen Tonkünstler der Gegenwart, die Zukunfts-Musik schaffen, das geworden wären, wenn ihnen das verhöhnte Judenthum nicht vorgearbeitet hätte. Aus der Samuel'schen Prophetenschule ging ferner auch jene große, gottbegnadete und begeisterte Prophetenschaar hervor, die nicht nur Lehrer und Leuchten des Judenthums, sondern der ganzen Menschbeit wurden und fürder bleiben werden. Jesaias, Jeremias, Jecheskel und Andere. Die ganze Schaar der Talmudlehrer und deren Jünger, zu Venen auch Jesus von Nazaret gehört, waren meines Erachtens höchst ehrwürdige Sprößlinge Schcm's. Zur Genüge glaube ich den Geburts-Adel der Semiten, der Nachkommen Schem's, erörtert und die Würdigkeit desselben als Empfänger und Usberlieferer der Sgulah vom Gottessohne Adam ab bis in seine entfernteste Nachkommenschaft, nachgewiesen zu haben. Darum nur wurde von Moses, als Verfasser der göttlichen Genesis, Schein als erster Sohn Noa's bezeichnet, d. h. in Bezug auf den großen Plan der göttlichen Erziehung des Menschengeschlechtes, wiewohl nachgewiesenermaßen Japhet der wirkliche Erstgeborene, war. Letzterer, als Stammvater der Griechen und anderer großer Nationen, beispielsweise der germaniichen Völker, bat die von Gott ihm verliehene Gabe für das Schöne in seiner Sprache und in der Kunst auf's Wunderbarste entwickelt und ist hierin für immer mustergiltig geworden, wie sein Name Japhet, d. h. ,Schönheit' bekundet. Auch die alten Rabbinen, deren Sinn nur auf Gott und die Wahrheit gerichtet war, (Talmud, Megillah 9. 2.) anerkennen ausdrücklich die Schönheit und Vollkommenheit der griechischen Sprache. Selbstverständlich gehören außer den wohlgeborenen Semiten sämmtliche Nationen, welche die 7 noachidischen Gebote, die später in der Offenbarung am Sinai ergänzt ausgenommen wurden, zu den Semiten, und alle H um an i st en sind demnach geistige, wenn auch nicht leibliche Nachkommen Schem's, was der so geschändete Talmud ausdrücklich mit den Worten: »Die Frommen aller Nationen haben Antheil an der künftigen Welt." (Sanhed.) lehrt. — Zum Schluß sei mir eine kurze Recapitulation und Ergänzung des Erörterten gestattet. Voraus bemerke ich, dass im Hebräischen, wie jedem Orientalisten genügend bekannt ist, die Namen bedeutungsvoll sind und immer den Begriff genau decken, wie Adam von Adamab, Erde — Chava von Chajah, Leben u. s. w. abzuleiten ist. Adam, der Gottessohn, war als solcher unstreitig im Besitze der Sgulah in höchster Potenz, worunter besonders die Gabe der Prophetie nach Auffassung unseres Chaber zu verstehen ist. Von Noa, der nun den Schauplatz des zweiten Jahrtausend betritt, sagt die Genesis Cap. 6. 9.: »Dies sind die Nachkommen Noa's, Noa war ein gerechter, frommer Mann in seinen Geschlechtern, mit Gott wandelte Noa.^ Nach diesem Testimonium war er also würdig als Erbe und Ueberlieferer der Sgulah. Das Kritische dieses angeführten Verses wird mannigs fach von den Rabbinen erläutert (Raschi zur Stelle). Im Besitze der Sgulah oder Prophetie gab Noa seinen Söhnen Namen, die ihren Beruf, respective ihre Bestimmung hienieden bezeichneten — wie sein Vater Lemech, der vor ihm Besitzer der Sgulah war, ihn in demselben Sinne benannte. Das im Cap. 9. 20 uns mitgetheilte, trübe Ereignis, wobei Cham so unwürdig, unsittlich handelte, hingegen Schem und Japher sich gegen ihren Vater pietätsvoll betrugen, zog Erfterem den wohlverdienten Fluch und Letzteren des Vaters Segen zu. Vers 22, ibid. ,und es sah Cham, der Vater Kanans u. s. w./ wird schon von den Rabbinen besorgt, ebenso, warum Kanan, der vierte Sohn Cham's, von Noa verwünscht und zum Sclaven seiner Brüder Schem und Japhet verurtheilt wird. Im Vers 24, ibid. wird auch ausdrücklich gesagt, dass Cham der Jüngste war, und Cap. 10. 21. räumt dem Japhet die Erstgeburt ein. Die Geburtsfolge der Söhne Noa's, wäre also folgende: ,Japhet, Schem ♦