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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-01-09 · Heft 2 (9.1.1885) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 2 (9.1.1885)
Date
1885-01-09
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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-St — arbeiteten, werden, gleich mir, sich erinnern, wie unerquicklich, langweilig diese genaue Angabe der Lebensdauer antidilurianischer Männer uns war, da wir natürlich keine Ahnung von der Wichtigkeit dieser genannten Männer und der Zahlenangaben haben konnten. Thaisächlich aber resultirt hieraus unsere historische, alte Zeitrechnung, seit Schöpfung der Welt das erste Jahrtausend. In dieser Weise schritt die Meuschen-Erziehung weiter, von Noa bis Abraham abermals 1009 Jahre. Einzelne von dem Menschengeschlechte des ersten Jahrtausend waren Sgnloth. wie der Name Mahallel, d. h. Gottlober, bekundet — Chnoch (Genesis 5. 24.) ״Und Chnoch wandelte mit Gort, d. h. nach Targum — in Gottesfurcht" — Mcthusal cm, Noa—die übrigen waren nur Hülle und Schale. Ebenso war es von Noa bis Abraham. Gen. 11, Vers 18—29, rheilt wohlweislich mit: ,Und cs waren die Kinder Noa's, die aus der Arche gingen Schein, Cbam und Japhet. Cham war der Vater Kanan. Es wird daselbst auch berichtet über das pietätsvolle Benehmen des Schem und Japhet gegen ihren Vater Noa und das unwürdige, pietätslose seines jüngsten Sohnes — die Verwünschung des Kanan und Vernr״ theilung zum Sclaven, wie den Segen des Schem mit dem Beisügeu, und Kanan sei ihnen Sclavc und Gott verbreite den Japhet — er weile in den Zellen Schem's. Gen. 10 führt das Geschlechts-Negisler des Japhet an; dessen Erstgeborener Gomor zeugte den Äscbknalb, Riphat und Togarma, von welchem die Germanen herstammen sollen und alle griechischen Völkerstämme. Ebenso werden Cham's Nachkommen angegeben, und namentlich die seines vierlen Sohnes Kanan, dessen 11 Stämme von Gott bestimmt waren, eine Beute Israels, ihrer gänzlichen Verkommen-- heit wegen, zu werden. Nun.folgt das Geschlechtsregister Schem's zweimal Cap. 10 und 11, Vers 21 und 10. ,Er ist der Vater aller Kinder Eber — Bruder Jephet's des Arltern". Eber, Peleg waren wiederum Sgnlolh, alle klebrigen Hülse. Schale bis Abraham, dessen Vater Terach, bekannllich eifriger Götzendiener war. Bisher wird in der Genesis die Sgulah nur angedeute! — aber was ist eigentlich darunter zu verstehen, re'pcctive was haben wir uns unter Sgulah vorzustellen? 9tuu, dies sagt uns klar und deutlich Geu. 18 18. 19. .Und Abraham wird doch zu einer großen und mächrigen Nation werden und es werden mit ihm segnen alle Völker der Erde — denn ich liebe ihn, weil er seinen Kindern und seinem Hause nach ihm gebieten wird, den Gott wohlgefälligen Weg zu wandeln (nach Targum) zu üben Wvhllhätigkeit, Milde und Recht" u. s. w. Unser Cliaber zählt nun rückwärts von Abraham die Eigenthümer, Besitzer der Sgulah wie folgt: Abraham erhielt die Sgulah von seinem Großvater Eber, dessen Schüler er war, Eber von Schem und Schem von Noa. Ferner erörtert und weist der Chaber geographisch nach, wie Noa und die angeführten Nachfolger im Besitze der Sgulah — uur nach dem Besitze des Landes Kanan strebten — das Land der Propheten und wie der Talmud sagt: ,Die Atmosphäre des Landes Israel macht weise", das Land der Mitte, während die Jephitcn nach Norden und die Chamiten nach Süden zogen. Abraham, von dem der von Gott so sehr begnadigte Jesaias 51, sagt: ,Höret mir zu, die ihr dem Rechte nachstrebt, den Ewigen suchet! Schauet auf den Felsen, aus dem ihr gehauen seid, auf die Brunnenhöhle, aus der ihr gegraben. Schauet aus Abraham, euern Vater und auf Sarah, die euch geboren! Denn als Einen Habs ich ihn Herbeigerusen, dass ich ihn segne und ihn vermehre!" Doch nur Jizchak gelangte von der zahlreichen Nachkommenschaft Abrahams in den Besitz der Sgulah, der oben angeführten Tugendlehre, .zu üben Wohlthätigkeit, Milde und Rechts kurz und bündig Humanität in der vollsten Bedeutung des Wortes. Denn Abraham entfernte alle seine Kinder von Jizchak (Gen. 25, 6), indem er sie mit reichen Geschenken versehen, in das Morgenland sandte, damit der moralische Schatz, die Sgulah, einzig und allein, ungetrübt dem Jizchak verbleibe. Von Jizchak ging die Sgulah aus Jacob über, von Jacob ans seine 12 Söhne, die alle von Gott beanlägt waren, die Sgulah-Humanität im tv-ahrcn Sinne des Wortes zu üben. Auch der gehässigste Antisemit dürfte das Leben der Patriarchen aus der Jugendzeit kennen und cinränmen, dass die Menschheit fast nach 4000 Jahren diese Ideale der Humanität und Gottesfurcht nicht einmal annähernd erstrebt und erreicht, wie in jüngster Zeit unsere pommer'schen und russischen Kazappen auf's S ch l agendste bewiesen haben. Nun war die Sgulah das Eigenthum mehrerer Familien. Wie die Familie Jacob nach Egypten kam, und dort ebenso aus Bosheit — wie jetzt von unseren l. Antisemiten gewüuschl und gefordert wird — absolut zu einer productiveu Thätigkeit, zu Ziegelstreichern, Maurern und Pyramiden- Erbauern — was ihrem ganzen Wesen sowobl, wie ihrer bisherigen Thätigkeit, nomadische 'Viehzüchter, diametral entgegen war— 1111• menschlich gezwungen wurde, lehrt das Buch Exod. Mit dem Erscheinen des Semiten Moses, des Gottesmaunes — tritt Israel in eine anderer Phase. Es wird, vom Herrn erkoren, 11111 die Offenbarung am Sinai — die Sgulah tu ihrem ganzen Umfange — zu erhalten. Die von Moses gegründete rheokratische Republik basirt auf 613 Gesetzen, iheits Gebote iheils Verbote, von ^welchen jedes einzelne an und für sich wohl Zweck ist, die aber insgesammt nur Mittel sind, um den cinzigen, großen Zweck Humanität und wahres Menscht h n m zu erzielen. Die uns gegenwärtig so stürmisch erregende sociale Frage löste die Tbora durch für ewige Zeiten Mustergiltigs Armengesctze u. s. w. Um nicht zu ermüden, nenne ich ans der nnabseblieben langen Kette großer, für die Menschheit schaffender, edler Semiten, nur einige: Samuel, Gründer der Propyeten-Schnle,-aus der der so kühne, königliche Sänger David, welcber zwar keine Znknnsts-Musik — wohl aber jene Sphäreni Mnstk, die noch heute über die ganze civilisirte Welt tönt und j jedes fühlende Mensebenherz rührt — geschaffen, was wohl die Psalter und Chronik I. 27, unumstößlich beweisen. Das von David organisirte Tempel-Orchester bestand ans nicht weniger als aus 288 musikalisch geschulten Sängern und 4000 Jnstrumental-Mnsikern ibiä. 23, 6.׳, die, wie Psalm 137 zeigt, sogar in den babylonischen Häschern und Kazappen den Wunsch und das Verlangen erregten: ,Singet uns vom Gesänge Zions!" (Schluss folgt.) , Die jüdischen Ackerlmurnlimien in Süd- Rußland. (Ans der ״Neuen Züricher Ztg.") (Fortsetzung.) Die jüdischen Eoloniften, Kleinbauern im vollsten Sinne des Wortes, im beständigen Kampfe um das nackte Dasein, wie wir noch zeigen werden, waren von der landwirtschaftlichen Pachtspeculation völlig ausgeschlossen. Wären sie zu einer größern Production befähigt gewesen, so hätte cs ihnen in den Colvnien selbst nicht an Gelegenheit dazu gefehlt. In diesen gab es noch eine Menge überschüssigen, nicht bebauten Bodens, wie die folgende Zusammenstellung zeigt:

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