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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-12-24 · Heft 43 (24.12.1884) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 43 (24.12.1884)
Date
1884-12-24
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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— e Männer der jüdischen Gesckichte zur Elaste der Ackerbauer gehörten. Man zeigte, wie alle mosaischen Gesetze dem Ackerbauleben angepaßt seien und wie der große jüdische Gesetzgeber bestrebt gewesen, den Ackerbau zu fördern. Man erinnerte an die bekannte Vertheilung des Grund und'Bodens, an das Sabbath- und Jubeljahr, die dazu geschaffen, die Juden an den Boden und seine Bearbeitung zu fesseln. Die Moral des Volkes, Segen und Fluch, Reichthum und Armuth, seine Sprache und Sitte, Alles zeigte, man mit der landwirthschafllichen Beschäftigung des Volkes innig verwachsen. Es verblieb nicht bei schönen Worten und frommen Wünscheu; die Juden wussten auch Zu handeln. Der Schriftsteller, der Gelehrte, Leute, die ein ganzes Leben voll geistiger Arbeit hinter sich halten, zögerten nicht, dem Volke mit gutem Beispiele voranzugehen, selber zum Pfluge zu greifen und die Felder zu bestellen. Man sah sie ackern, Vieh- und Bienenzucht!reibe!!, ln den Wäldern Holz schlagen, kurz alle landwirthschaftlichen Verrichtungen vornehmen. Ihr zündendes Beispiel ließ zahlreiche jüdische Ackerbau-Colouien in Neurußland, in Kiew, Volhynien und Podolien, in Weiß- und Kleinrußland, in Polen, Kaukasicn und TranSkaukasien entstehen. Die jüdische Ackerbau-Bevölkerung umfasste bald mehr als 100.000 Menschen. * Heute finden wir im Gouvernement Cherson, der Haupt׳ stätte der jüdischen Colonisatiou,. folgende 26 Colonieu: Groß- und Klein-Nahartow, G oß׳ und Klein-Nornanowka, Dobraja, Jestngar, Neu-Poltawka, Lwowa, Berislaw, Jnguletz, Groß- und Klein-Seidemenucha, Bobrowy-Kut. Neu-Zitomir, Neu-Witebsk, Neu-Podolsk, Neu-Kowno, Kamenka, Jgluischastaja, Pifarewka, Juyaidak, Jsraikewka^ Aianimowka, Mastynowstchewo, Veiina, Morgunowka und Walachewia. / Im Jahre 1858 gab es in Polen 28:391 ackerbautreibende ' Juden, 1859 im neurussischen Gebiete 26.369, welche 35 Ackerbaucolonien bewirthschafleteu. Im Jahre 1869 existirten in den Gouvernements Kiew, Volhynien und Podolien 56 jüdische Ackcrbau-Eolonien mit einer Bevölkerung von 20.665 Seelen. Man sieht, cs ist keine geringe Zahl von Colonien und Menschen, die sie bearbeiten. Sie könnte unendlich größer sein, wenn das Colonisationsproject von den Behörden rationeller unterstützt worden wäre und wenn nicht äußere Verhältnisse die Colonifalion schwer beeinträchllgt hatten. Doch wenden wir uns der Colonie im Gouvernement Cherson zu, der denkbar. ältesten, deren Geschichte auch für die Entwicklung der andern Colonien mehr oder weniger bestimmend ist. Versuchen wir es zunächst, uns ein Bild von den wirthschaftlichen Verhältnissen, dem Klima, der Bodenbeschafsenheit und den Absatzwegen des neurussischen Gebietes zu machen, das zum großen sndrussischen Steppenplatean, zur sogenannten Kornkammer Europa's gehört. Die kältesten Gegenden des Continents umsäumen im Norden das weite Stcppenlaud, und mit den Polarcismasscn stehen diese Gegenden in unmittelbarer Beruhrung. Im Nordosten' erstreckt sich bis 4 Grade vom Kaspischen Meere entfernt die Uralkette, die westliche Grenze Sibiriens, wo schon in Catharinenbnrg die mittlere Jahrestemperatur nur 1» beträgt. Zwischen dieser langen Umsäumung durch nördliche Regionen, wo das Thermometer in gewissen Zeiträumen seine tiefsten Grade zeigt, dehnen sich zwischen der Donau und dem Kaspischen Meere ohne Unterbrechung die ungeheuren Steppen aus, in deren Nahmen das neurussische Gebiet liegt. (Fortsetzung folgt.) Kleine Chronik. Wien. Mittwoch den 17. d. M. veranstaltete der jüdische Studenten-Verein ״Kadimah“ im großen Saale des Hotels ,zum weißen Noß' eine Makkabäerfeier, welche unter zahlreicher Betheiligung ans verschiedenen Kreisen der jüdischen Gesellschaft einen schönen Verlauf nahm. Reichsrathsabgeordneter Dr. Bloch, der bei seinem Erscheinen allseitig freudig begrüßt wurde, hielt die Festrede, welche von den Anwesenden mit Begeisterung aufgenommen wurde. Vielen Beifall fanden auch die Reden des Festleiters, wie des Vereinsobmannes. Nach Mitternacht endigte die ofsicielle Feier, woraus die gesellige Unterhaltung begann, die bis in die frühen Morgenstunden andauerte. Wien Unser geehrter College. Und Mitarbeiter. Herr Cantor Za deck in Cottbus, ist durch den Tod seiner vielgeliebten Gattin, die vorige Woche nach längerem Leiden verschied, von einem herben Schicksalsschlage betroffen worden. Wir drücken hiemit dem bewährten College!! unser tiefstes Mitleid aus und wünschen, der Allmächtige möge ihm Kraft und Stärke zum Ertragen seines großen Unglückes verleihen. Wutschowih (Orig.-Corresp.) — Chanukaseier. — Jedes Volk hat seine Schwäche!! und seine Tugenden, jede Nation ihr Licht- und Schattenseiten. Es ist eine allgemein anerkannte Thatsache, dass'die Juden zu allen Zeiten und noch heute durch warmes Gefühl und Mitleid, und besonders durch Erbarmen und Wohlthätigkeit als Muster gelten können. Es bestehen auch in den meisten Judengemeinden Stiftungen, Wohlthätigkeitsvereine und Institutionen aller Art zum allgemeinen Wohle der Ge meiudemitglieder. Jedoch auffallend und unerklärlich erscheint es, dass/ bei einer solch' allgemeinen edlen Gesninungsait bisher in den Judengemeinden noch keine Einrichtungen gelroffen wurden, um gegenüber der Schuljugend einflußreich wohlthätig wirken zu können. Noch auffallender erscheint es uns, wenn wir diesbezüglich eine Parallele ziehen bei anderen Confessionen, und umsoürehr, wenn wir in Betracht ziehen, dass die anfangs erwähuteu Cardinaltugendeu der Juden bei denselben verhältnismäßig nicht so eclatant hervortreten. Man überzeuge sich nur zur christlichen Weihnachtszeit, besonders in Städten, welch ein Eifer und welch eine Neberbietung im Erfreuen der Kinder an den Tag gelegt wird. Freilich haben wir Juden keinen Chlistbaum, aber wir haben doch einen Wohlthätigkeitssinn, und hoffentlich auch einen solchen für unsere armen Schulkinder. Es ist durchaus kein ,jChukkas Hagoj“, wenn gelegentlich des Chanukafeftes alljährlich an israelitischen Schulen eine entsprechende Feier gehalten wird, bei welcher arine Schulkinder beschenkt werden. Es bedarf ja nur der Anregung, um diese schöne Sitte allgemein durchzusühren. Der Leiter unserer deutschen Volksschule, Herr Dawid Gansel, ging hierin mit gutem Beispiele voran derselbe veranstaltete anläßlich des Channkafestes eine entsprechende Chauukaseier, bei welcher nicht nur arme Schulkinder mit Kleiderstoffen; werthvollen Gegenständen, Geld und anderen nöthigen Dingen reichlich bedacht, sondern auch sämmtliche Schulkinder mit Diversen beschenkt wurden. Dieses Fest erwies sich als vielseitig vortheilhast. Abgesehen hievon, dass sämmtlichei! Kindern eine große Freude bereitet wurde, woran auch die Eltern, wie auch Freunde der Ju gend, regen Antheil nahmen, hatten wir Gelegenheit, wohlthätig wirken zu können, wodurch der Schuljugend zugleich ein ausmuuterndes Beispiel zur Humanitären Wohlthätigkeit gegeben ׳wurde. Ferner ist ein solches cercmon'ielles Ehannkassst auch geeignet, .das religiöse Gefühl bei der Schuljugend zu erhöhen und'zu befördern. Wie glänzteil den Kindern die Augen beim Anzünder! der Chanukalichter und mit welcher Begeisterung sangen dieselben Hierauf nach altjndischerMelodie das nationale Lied : ,Moos zur jeschuossi“. Das Schulzimmer war brillant beleuchtet und zu diesem Zwecke schön decorirr. Auf

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