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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-12-24 · Heft 43 (24.12.1884) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 43 (24.12.1884)
Date
1884-12-24
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Thoravorlelullg und einiges Andere. Zn der vorletzten Nummer dieses geschätzten Blattes wird vom Solle gen Fränkel in Strakonitz die Ordnung unserer Thoravorlesung besprochen und zur allgemeinen Einführung empfohlcn. Zch erachte es als zweckmäßig, in dieser Beziehung eine kleine Richtigstellung folgen zu lassen", und hoffe, dass sowohl diese, als auch eine Ergänzung unseres einmal angeführten Lidur der Thoravorlesung meinen lieben Freunde und CollcgeN nur angenehm sein werde. Es wird nämlich die , respective die e r st e kursobu nicht מנחה לשבת, sondern beim Sabbathsrühgottesdienst hier begonnen, so dass stets wie beim alten ein-, )ahrigen Cyklus der שבת seine richtige פדרה hat. Ich finde diese Ordnung sehr angepasst, weil hierdurch gewissermaßen jeder Sabbath, z. B. 2 שבת נח ׳שבת בראשיתc. 2c. in herkömmlicher Weise laut proclamirt wird, und die c r st c n פרשיות jedenfalls ein größeres Interesse beim Auditorium erwecken, als wenn aus der Mitte des Abschnittes oder der Schluss desselben gelesen würde. — Es kommen gewöhnlich nur 3 פרשיות znm Vortrag und werden diese in 7 Theile für 7 aufzurufende Personen entsprechend cingetheilt. Das Quantum des zu Lesenden, sowie die siebenfache Theilung bleibt dem Ermessen des בעל קורא überlassen; wenn die Vorlesung nur nicht zu lange währt, denn das ist stets die Hauptsache. — Der zu lesende Abschnitt für מפטיר bleibt aw gewöhnlichen Sabbathen weg. An besonderen Sabathen aber, z. B. שבת לר״ח .פ/ ובור it. s. w. wird das betreffende Stück wie überall .aus dem zweiten פפר. vorgetragen. Die vierte und fünfte karsebs. wird gewöhnlich an demselben שבת zu מנחה, die sechste am Montag und die siebente am Donnerstag gelesen- Sollte es einmal an einem Montag kein מנץ geben, so werden am darauffolgenden Donnerstag die zwei letzten פרשיות gelesen. — Die Thoravorlesung an שלוש רנליפ findet hier ebenfalls eine kleine Aendcrung, respective Kürzung. ליום ראשץ של פפה beginnt man erst mit ליום ב׳ש״ם וא׳ וב' ש״ם ׳ויהי בחצי הלילה bleibt es ziemlich unverändert, nur dass die erste Parseha wegfällt. ליום שביעי wird erst bei ויגדל מלך מצרים begonnen und mit פוס ורכבו רמה בים geschlossen.לשבת ׳אחרון של פסון und ליום ב׳ דשבעות fängt man erst mit בי יהיה בך אפיון an. ליום א' של שבועות wird nur der letzte Abschnitt zurückgelassen. מנחה ליום הכפורים wird wahrscheinlich aus ästhetischen Gründen nicht ערות, sondern die erste Parscba von קדשים gelesen. Letzterer 8idur ist in unserem Gebetbuche, das seinerzeit von Herrn Dr. Levin gemacht wurde, festgestellt. Wenn auch Herr Dr. Zellinek in Wien, unsere, in der That mustergiltige Art der Thoravorlesung sehr günstig beurtheilte, so hat sich aber derselbe mir gegenüber, eben so unwillig über unser Gebetbuch im Allgemeinen, namentlich über den zweiten Theil desselben, ausgesprachen. Herr Dr. Zellinek unterwarf es nämlich einer scharfen Kritik, dass Herr Dr. Levin (unser ehemaliger Rabbiner) für sich s e l b st in unserem Gebetbuch *) so außergewöhnlich viel zurecht gelegt, beziehungsweise den Rabbiner bedacht habe. «Es müsse auf jeden Unbefangenen einen sonderbaren, nicht gerade angenehmen Eindruck machen, wenn er wahrnehme, wie im Tempel jeden Augenblick der Rabbiner zur Kanzel schreite und ein Gebet heruntercapitelt; ihn würde es unbedingt peinlich *) Wir hier sind es indeffen gewöhnt und befinden uns aach ganz wohl dabei. berühren. Der Rabbiner soll sich keine Eingriffe in das Cantorat gestatten; er soll schön predigen, dann thut er das Seinige für die Sy n a g o g e. Man lasse dem Cantor, was ihm gehört. Man muß einen israelitischen Gottesdienst auch ohne Rabbiner abhalten können." So sprach Herr Dr. Zellinek und knüpfte hieran . die sehr erfreuliche Bemerkung: ,Sie können hieraus ersehen, dass Uy nicht der Feind des Cantorates bin, als welcher man mich Ihrerseits (Seitens der Cantoren) so gerne, ausgibt. Im Gegentheil. Trotzdem ich mir einmal auf Kosten der Cantoren einige Witze zu machen erlaubte, so achte und. ehre ich doch ihren Stand, in welchem es ja viele tüchtige und intelligente Leute gibt. Nur muß ich die Ueberhebung und Selbst- Vergötterung, die in ihren Kreisen verhältnismäßig viel angesoffen wird, sehr bedauern. Ausschließlich dieser Umstand hatte mich —- vielleicht in einer Stunde des Unwillens— dazu veranlasst, mich einmal hierüber zu moquiren. Nie habe ich einen bescheidenercu Cantor kennen gelernt, als Sulz er.' Ob letzterer Zusatz, der mich frappirte, so ganz von Herzen ging, weiß ich nicht. Jedenfalls glaube ich aber, dass derartige Aeußerungen eines so hervorragenden Mannes, die gewiss nicht in Discretion gesprochen waren, für meine werthen Collegen nicht uninteressant sein dürften, weshalb ich auch keinen Anstand nehme, sie hier wiederzugeben. Nürnberg, im December 1884. Nosenhaupt. Semit und Antisemit eine zeitgemäße Studie von K. Goldstern, em. Lehrer zu Gleiwitz. (Nachdruck verboten.) Das Wort Antisemit bedeutet eigentlich nur Gegensemit und darum wird es nothwendig sein, im Nachfolgenden vorerst etwas umständlicher auf den, im gewöhnlichen Publicum bis jetzt fast unbekannten Namen ,Semit* etwas, einzugehen. Wie gesagt, das große Publikum kannte bislang nur die so sehr verpönten und verhöhnten Namen Jude, Israelit, oder wie unsere Freunde die Russen die Bezeichnung E b rä er. Freilich hatte es keine Ahnung von der Vorstellung Jesaias ibid. 44, 5. ,Dieser wird sagen ich gehöre Zehova an und wird sich benennen mit dem Namen Zacob, und Jener wird mit seiner Hand sich verschreiben Jehova und sich mit dem Namen Israel bezeichnen, d. h. brüsten." Nicht nur das gewöhnliche, sogenannte christliche, sondern ich verhehle nicht, auch unser gewöhnliches jüdisches Publikum hat sie nicht. Hätte Letzteres dieselbe, wahrlich, es stände anders und besser mit und um uns. Unsere, durch die verhängnißvollen Zeitläufte, so materiell gewordenen Juden würden ganz anders über Gott und Welt denken, nrtheilen, und was Hauptsache ist, auch handeln, und ihren Mitbürgern weniger Veranlassung zum Aerger, zur Anfeindung bieten — der Name ״I s r a e l" und ״Jude" würde gewiß im Sinne Jesaias, und nicht im gewöhnlichen Sinne christlicher Liebe — als Inbegriff der bodenlosesten Niedertracht — genannt. Theologen, oder nur einigermaßen bibelkundigen Protestanten braucht nicht gesagt zu werden, dass der Name Semit von Sem, einem Sohne Noa's, stammt. Sie kennen die Genesis und wissen, daß Cap. 5, 32 schwarz auf weiß geschrieben steht: ״Und Noa war 500 Jahre und zeugte den Sem, den Cham und den Japhet". Es wird daselbst Cap. 6, 10 nochmals wiederholt: ״Und Noa zeugte 3 Söhne, den Sem, den Cham und den Japhet". Wie wohl nach dieser göttlichen Urkunde anzunehmen ist, dass ' Sem, weil zuerst genannt, wirklich der Erstgeborene ist, so ist

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