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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-12-16 · Heft 42 (16.12.1884) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 42 (16.12.1884)
Date
1884-12-16
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Uelier das ״Treffen". Diese Worte als Epigraph eines Artikels in dev ,Musik- .:zeitung' lassen keinen Musensohn unberührt. Mein geistiges Auge sah sogar ein Haschen nach den Worten Vincenl's von -Seite /euer Unglückseligen, die nach jahrelanger, eifriger Be- -schäftigung mit Musik das Treffen noch nicht erlernen konnten. Wie unbefriedigt, ja enttäuscht, wenn auch nicht ungetröstet, sahen sich diese aber bei der geheimnisvollen Antwort: ,Za und . Nein', auf die Frage: ,Kanu Treffen gelehrt werden?' Wieso La und unter welchen Umständen Nein? Gestützt auf meine .langjährige Erfahrung und auf das Bewusstsein, die ganze Zeit ^meines Lebens, von meinem zartesten Kindesalter an, der^Mnsik .gewidmet zu haben, will ich versuchen diese Frage bestimmter zu .beantworten. Ich gehe von dem Grundsätze aus: Zeder Sänger oder Musiker, dessen musikalisches Wissen auf einer guten Schule basirt, muss, wenn er mit Ausdauer,und Fleiß Solo-und Tutti- Gesang oder Spiel, mit den Noten stets vor Augen, übt und .dabei auf die Unterschiede der Intervalle achtet, mit der Zeit .unbedingt ein Treffer werden. Dadurch erkläre ich mir alle merkwürdigen Occurenzen beim Treffen. Es wundert uns. dass Viele bei ihrer sonstigen Unwissenheit gute Treffer geworden? Sie haben ihre ganze Zeit nur dem prima vista Lesen geopfert und gerade ihre Ignoranz gibt ihnen das beste Zeugnis über Prestesse im Treffen. Der Virtuose und Conlponist hingegen hat, wenn er leine Habilität im Treffen besitzt, seine Zeit und Kraft für .andere, ihm wichtiger und werthvoller dünkende Dinge verwendet. Mit dem Treffen ist er, ohne es zu ahnen, zurückgeblieben. I. Blum, Cantor in Troppau Jüdische Colonien in Amerika. Herr Wechsler, der die Colonien der russischen Inden in Amerika besuchte, berichtet über die Oregon-Colcnie: Die Colonie liegt 250 engl. Meilen von Portland, Hauptstadt von Oregon in der Nähe Glandales bei der Californien- und Oregonischen-Eisenbahn, sie ist von Hügeln und Gebirgen umgeben, die von Bäumen stark bedeckt sind und einen Malerischen Anblick gewähren. Die Colonie besteht aus 40 Seelen, 25 jungen Männern und 4 Familien. Sie ist unter dem Namen der Neu-Odessaer Gemeinde bekannt und wurde noch in Rußland organisirt um nach eigenen Ideen eine solche Colonie zu gründen, indem alle Communisten sind, was nur zu bedauern ist, da sie dadurch nie zum Ziele kommen werden. Zm Monate März kauften 10 Ansiedler eine Zandstrecke von 760 Acker für 4800 Dolar, zahlten gleich die Hälfte und verpflichteten sich die andere Hälfte in 3 jährlichen Raten nachzutragen. Der Boden ist aber für eine so große Zahl nicht hinlänglich, da besonders nur der vierte Theil cultivirt werden kann und die übrigen sind zu hüglig um zur Agrikultur geeignet zu sein. Es war daher keine gute Wahl, obwohl das Klima angenehm und das Land, das bebaut werden kann, sehr fruchtbar ist. Die Ansiedler können dadurch nur 100 Acker bebauen und erzielen eine sehr gute Ernte, ׳wie 800 Scheffel Weizen, 500 Hafer, eben soviel Gerste, eins große Menge Kartoffel und andere Vegetabilien. Diese Ausbeute ist hinlänglich, um sie ein ganzes Jahr zu ernähren. Sie unterscheiden sich von anderen Colonisten dadurch, dass sie alle gebildete Lente sind, indem der größte Theil in Rußland höhere Schulen besuchte. Wenn micht ihre communistische und anti» religiöse Ideen wären, hätten sie -große Aussichten für die Zukunft, da sie sehr industriell sind und .Fähigkeiten zu jeder Arbeit besitzen. In dem letzten Jahre lieferten sie 1100 Klafter Hol; zur Eisenbahn und contrahirten noch 600 Klafter zur Abstellung bis Februar. Sie sind auch sehr gute Mechaniker, besorgen eigenbäudig alle Reparaturen und besitzen eine Wageu-Schoppe, wo sie jegliche Arbeitsarten verrichten. Eine kleine Mahlmühle, die sie allein construirten. verursacht Bewunderung. Sie leben in der größten Harmonie und nach ihren communistischen Principien arbeiten alle zusammen, rssen und trinken bei einem Tische und machen eine Familie aus, auch zeichnen sie sich besonders durch Reinlichkeit und Nettigkeit aus. Ihre literarischen Hebungen sind sehr interessant. Einer trägt philosopbische Gegenstände vor, wobei die Meisten Antheil nehmen, da sie von dem Wun'che beseelt sind, in den Wissenschaften Fortschritte zu machen und auch eine gewählte Büchersammlung besitzen. Was ihre Religion betrifft, glauben sie weder an eine solche noch an ein historisches Judenthum, halten weder an Sabbath noch an Feiertagen und nicht einmal an Jom Kipur und man kann sie für keine Juden betrachten. ,Wir sind gute Leute' sagt einer der Colonisten ,und dieses ist genügend'. Sie sind noch arm, indem sie blos wenige Pferde, zwei Ochsen und nur fünf Kühe besitzen, haben aber den besten Willen und Kraft sich hervorzuarbeiten. (Die Montefiore-Colonie.) Eine deutliche Anschauung von den Fortschritten dieser Colonie in Pratt Co., Kansas, gibt ein Brief, den Mr- Heilprin von der ,Ncmteüore Agrikultural Aid Society״ unlängst von Herrn Jacob Borovick erhielt. Der Brief ist in englischer Sprache geschrieben und lautet deutsch: ,Geehrter Herr! Die Tage der harten Arbeit sind vorüber. Der ganze Ackergrund der Colonien ist mit bereits wachsender Wintersaat bedeckt. Es ist nun ׳ Herbst, der schöne Kansasherbst, nämlich warm, trocken und angenehm. Kein Wunder, dass ich mich jetzt besser befinde, als je zuvor, und kein Wunder, dass ich jetzt mehr aufgelegt zum Schreiben bin, als ich's zu sein pflegtei'^Md theile Ihnen Einiges über unsere Colonie mit. Die Brüder Lantoff haben zwei schone Grundstücke, jedes zu 160 Morgen und haben der Landesbehörde die erste Zahlung geleistet. Mr. I. Lantoff, welcher ein eigenes Gespann hat, war. im Stande ein großes Werk auf seinen und seines Bruders Namen zu vollbringen. Er hat 15 Morgen Landes umgebrochen und hat eine schöne Ernte von Korn, Hirse, Mohnhirse und Gemüsen und nun hat er all' diese; Land umgepflügt und Weizen darin gesäet. Mr. Madjensky hat die besten 160 Morgen im ganzen Lande. Er brach gegen 30 Morgen um und bepflanzte sie mit Korn und Hirse und jetzt hat er alle 1 80 Morgen bedeckt mit gut gedeihendem Weizen.' So werden noch mehrere Beispiels erfolgreicher Arbeit angeführt, worauf der Schreiber fortfährt: ,Aus den genannten Beispielen werden Sie mit Vergnügen ersehen, dass die Colonie eine verhältnismäßig große Arbeit geleistet hat. Doch wird Ihre Befriedigung, wie ich glaube, etwas gemindert werden durch die Thatsache, dass der größte Theil der Arbeit von gemietheten ,Händen' vollbracht werden mußte. Um Sie aber vollständig zu befriedigen, theile ich Ihnen mit, dass diese gedungenen ,Hände' Doorkin, Prisachowitsch und ich sind. Aber abgesehen vom materiellen Vortheil, den wir aus dem Gespann gezogen haben, verzeichnen wir auch einen moralischen. Bevor wir dieses Gespann kauften, um unsere Arbeit selbst zu verrichten, sahen unsere Nachbarn uns als Bodenspeculanten an, sie sagten: Wir haben noch nie ackerbautreibende Juden gesehen, wir glauben auch nicht, dass diese hier jemals ackern werden. Der einzige Grund ihres Herkommens ist der, gutes Land zu erwerben und eS späterhin für gutes Geld zu verkaufen. Aber nachdem wir das Gespann gekauft und ernstlich an's Werk gingen, ändecten sie ihre Meinung über unsere Absichten, und ich bin stolz darauf, sagen zu können, dass wir bei allen, mit dem» wir in Verbindung kommen, geachtet und gut gelitten sind.'

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