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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-12-16 · Heft 42 (16.12.1884) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 42 (16.12.1884)
Date
1884-12-16
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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wodurch der Sinn und die Wirkung der Worte verloren gienge. In solchen Füllen bediente man sich des Nevel, der Saiteninstrumente, zuweilen auch jener Blasinstrumente, die oinen sanfteren Ton hervorbrachten. Manchmal wechselten zur größeren Mannigsalu'gkeit Chorgesang und Instrumentalmusik miteinander ab. Der Spielmeister und Leiter des Ganzen war König David, welcher auch selbst einige der von ihm gedichteten Psalmen sang. Er. ..hatte nach der Angabe des Sixtus Sencnsis viertausend Sänger im Tempel angestellt, unter welchen drei besonders berühmt waren und an der Seite Davids bei Cythara, Psalter und Cymbalum Lieder sangen. Es sind dies E m a n, Jd i th und Assaph. von w.lch' Letzterem auch Esdras angibt, dass er mit Hilfe des Königs David Gottes Lob gesungen habe. (Fortsetzung solgt.) Cantor-Fragc. Vom Bezirksrabbiucr A. N o t h in Sziklos. II. Das erste Loblied, welches Herder das älteste und klingendste Siegcslied der Erde nennt, wurde von Moses und Israel am Ufer des Meeres beim Auszuge aus E..yplen gesungen. Die An׳ crkenuung der göttlichen Allmacht und der Triumph über den großen Feind, diese Gefühle mußten zur Aussprache kommen und sich zu einem Lob- und Triumphzesange gestalten. Dieses Freiheitßlied ist die erste Hymne, worin ein übersinnlicher oder vorzüglich erhabener Gegenstand im höheren Schwünge der Dichtkunst besungen wird, und dem morgenländischkn Charakter und ihrer Religionen Folge ist er feuriger und religiöser als die Hymnen der Griechen. Wie dieses Lied gesungen wurde, darüber gibt der Talmud Bescheid*). Der eine Nabbi sagt, Moses habe Wort für Wort das Lied vorgcsuugen und das Volk cs wiederholt, der Andere behauptet, Moses habe die erste Hälfte, das Volk die zweite Halste jedes Verses gesungen. Der Midrasch Jalkut berichtet, dass nach Eleasar ben Asarjali Moses den Vers anstug, indem er die eine Hälfte sprach, das Volk aber den ganzen Vers sang, z. B. Moses hob au: 'אשירה לה **), das Volk antwortete: 'אשירה לה כי גאה גאה♦ — Nach dem Midrasch Tanchura hätte Moses I dieses Lied für ganz Z'racl allein gesungen, (כנגד כל ישראל) was durchaus nicht plausibel ist, weil es heißt משה וכגי ישראל, das beweist, dass das Volk an dem Gesänge theilgenornmen hat. Zwar schien einigen Kritikern dieses Siegeslied als Irnpromptn zu lang und sie bieltcn es für unmöglich, dass in so kurzer Zeit das ganze Volk dieses Lied auswendiggelernt habe. Gegen diese Kritik lässt sich, wie Dr. Philipsohn sagt, leicht einwenden, dass das אז au der Spitze durchaus nicht daraus hiuweist, dass die Israeliten, so wie sie an's Land gestiegen, dieses Lied gesungen, sie hatten immer erst ihre Sachen zu ordnen, und die vorhergehenden Verse deuten pielmehr schon auf eine ruhige Stunde nach der Rettung. Dann haben diese Kritiker bei solchen Stücken gar zu sehr den modernen Dichter in seiner Schreibstube vor Angen, nicht aber die freie, gottbegeisterte, angeschwellte Brust des Naturmenschen. Leben doch jetzt unter den Arabern Dichter, *) Sota 27, 2 und 30. 2. **) Moses konnte allein singen ׳אשירה לה׳ weil er im Stande war, Gott ,)בעצמות ™ seinem erhabenen Wesen zu erkennen, wahrend die Israeliten ihn nur durch die kundgegebenen, großen Thaten erkannten, darum agten sie כי גאה גאה סוס ורכבו רמה בים. ן die vom Momente ergriffen, ihre Begeisterung in langen Hymnen! aus strömen, bis an poetischem Schwünge keinem mebitivtcn Gedichte nachstehen. Auch haben wir, sagt Dr. Philipsohn *), nicht, wie bei eiuem kirchlichen Tedeum, au streng regelmäßige Chöre zu denken. Blicken wir nämlich genauer auf V. 20 und 22, so geht daraus hervor, dass nur die augewaudie Pauke rn auf ein nicht geord׳ uetes, rohes, natürliches Chorsingen, ohne bestimmte Melodie in urkräftiger Weise hinweist. Es war ein natürlicher Erguss des Volkes, was ihm besonders schnell und bedeutungsvoll sich aufdrängte, gab es wieder in freiem Ansjubeln und im Stroms der Töne, wie er sich in ungebundenem Rhythmus der Worte ergoß. Einige wollen aus den Versen 13, 16 und 17 dieses Liedes, wo vom Heiligthume Gottes gesungen wird, deduciren, dass dieses Lied späteren Ursprunges sei. darauf crwiedert schon Herder und sagt: Man denke, dass Tempel,'Heiligthnm und das Land, wohin sie ziehen sollten, in Gottes und Moses Geist schon da ־ war, und dass dieser dadurch auf die" Anstalten und Züge, die gemacht werden sollten, im Triumphe gleichsam vorbereite. Nack dem Midrasch ist dieses Freiheilslied die. erste Man!- festation der israelitischen Volksmasse in der Anerkennung Gottes: אז ישיר משיה הה" ד נמן כסאך מאז שמעולם אתה לא והיישב בבא" ולא- נודע בעולמך עד שאמרו שידה. Albo sagt aber, dass alle Lobpreisungen, die hier ausgesprochen werden, nur poetische Ausdrücke על צר הדבור שירה, Phautasiegebilde, nicht im eigentlichen Sinne zu verstehen sondein um tiefen Eindruck zu machen **). Was die bedeutsame Stufe der Formentwickeluug dieses erhabeucu linö erhebenden Liedes bezeichnet, ist, dass Assonanzen und sogar Reime sich im Rhythmus in Fülle vermählen, denn die rhythmische Anordnung, ist höchst vollendet. Ob Vers 19 noch zum Liede gehört, darüber sind die Meinungen verschieden, das Uupoeiische dieses Verses der dem Gesäuge nichts hiuzusügt, lässt vermutheu, dass er nicht mehr zum Gesäuge gehört. Herder bält ihn .für einen Deukspruch über das ganze Ereignis, der dem Gedächtniße leicht übertragen war. Dem Cbm ns der Männer gegenüber trat der Chorus der Frauen, au deren Spitze Mirjam war, diese sangen aber nur den ersten Vers des Liedes. (Fortsetzung solgt.) *) Philipsohn in seinem Commentar zu Beschalach. **) Albo 2, 23. Einige Worte über die moralische Macht des Definitivum's Die biblische Sentenz ,4כי לא על הלחם לבדו יחיה האדם findet in Bezug auf den des Definitivum's immer noch entbehrenden und demzufolge noch immer präker situirten Cantor in den Provinzgemeinden eine um so präcisere Anwendung, weil dieser im Sinne des oben angeführten Bibelsatzes nicht nur vom Brode lebt, d. i. in der uneigentlichen Bedeutung des Wortes, sein Augenmerk nicht lediglich aus die Wahrung seiner materiellen Interessen, sondern in Ansehung seines priesterlichen Amtes, wegen seiner ungesicherten Stellung überhaupt, eine noch größere Sorgfalt auf die Wahrung seiner moralischen Interessen zu richten hat. Es ist zwar eines jeden Beamten unabweisliche Pflicht, möge dieser dem Staate, der Commune oder der Synagoge seine Dienste widmen, die Berufswnrde vorzüglich zu bewahren.

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