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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-12-05 · Heft 41 (5.12.1884) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 41 (5.12.1884)
Date
1884-12-05
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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In Württemberg ist durch die israelitische Ober-Kirchen- Behörde, zur Zeit des seligen israelirischen Ober-Kirchenratbes Maier in Stuttgart, ein ojäbriger Cyklus eingesübrt worden, obligat für alle israelitischen Bethäuser Württembergs, der, eine ganze Sedra in drei Theile theilte, den ersten Theil im ersten, den zweiten Theil im zweiten und den dritten Theil im dritten Zahre und dadurch mit dem jüdischen Kalender ging. z. B- שבת בראשית im ersten Zahre die zwei ersten Parscbesim zweiten Jahre die zwei folgenden und im dritten Zahre die letzten Capitel ans בראשית, zu welchen 7 Personen aufgcrufen wurden. Diese Eintheilung hat nie die Befriedigung und Anerkennttng der Fachmänner gefunden, da der Inhal) der Bibel aus dem Zusammenhänge gerissen, wie z. B. am שבת בראשית die erste und zweite Parscbe von בראשית, am nächstfolgenden שבת die erste und zweite Par86b6 von M; auch brachte dieselbe dem Kalender den Zusammenhang der Thora zum Opfert In vielen Gemeinden am Nhein. in den meisten Gemeinden Amerika's, wie in der Schweiz, in Vorarlberg, in vielen Gemeinden des Großherzogthüms Baden ist der dreijährige Cyklus in ununterbrochener Folge eingeführt. Schon der so verdienstvolle Herr Dr. Phckippsohn in Bonn a. Rh. hat vor vielen Jahren eine dreijährige Peritkopen-Eintheilnng herausgegeben, die in ununterbrochener Folge, ohne jede Alteration des שמחת תורה, die Eintheilung von בראשית bis zu Ende gibt. Unser geschätzter Freund und College, Herr A. Baer in Gothenburg. Schweden, gab in seinem Musterwerk .Der jüdische Vvrbeter", Seite 250, Nr. 1507, eine Eintheilung des dreijährigen Cyklus in'ununterbrochener Folge. Also auch die kaltblütigen Schweden wollen Kürzung. Aber auch diese Art der Vorlesung hat viele Gegner. Es wurde dagegen eingewendet, dass die Kalenderordnung gestört, pietätvolle Erinnerungen an Familienfeste, die an die 86dra verknüpft, dadurch der Vergessenheit anheimgegeben werden, und der fremde Glaubensbrnder in einem solchen Golteshause sich erst erkundigen müsse, welcher Abschnitt der Thora gelesen werde, überhaupt die Parität in den Gotteshäusern gestört wäre. Bezüglich des dreijährigen Cyklus, als solchen, könnte nichts eingewendet werden, da unter Esra's Zeiten die Thora in 7 Jahren gelesen wurde, außerdem eine Parscbe an den Markttagen, Montag und Donnerstag, wo das jüdische Landvolk in die Stadt kam. Die praktischeste Ordnung der Thoralesung nahm Nürnberg in seine C-ultusordnung. Diese Eintheilung kann nur eine Gemeiude einsühren, die bestimmt immer מנין hat und sie befriedigt sowohl liberale, wie konservative Elemente in einer zeitgemäßen Gemeinde. ,מנהר zu שבת die erste Parscbe der folgenden 8cdrc, Montag die zweite Parsehe, Donnerstag die dritte Parsche, das Uebrige שבת beim Hauptgottesdienst; bei zwei Sedres, zwei Parsches zu מנחה, zwei Montag und zwei Donnerstag, das Uebrige שבת. Dadurch ist die Thora in einem Jahre gelesen, der Kalender in alter Macht, der Gottesdienst am שבת gekürzt und auch da, wie beim dreijährigen Cyklus der Conversation und der Langweile des P. T. Publikums eine Schranke gesetzt, da die Vorlesung wenig Zeit in Anspruch nimmt. Herr Dr. Jellinek sprach sich seinerzeit für die Nürnberger Ordnung, der Thoralesung in Fachkreisen aus, und ist es zu erwarten, dass Wien diese praktische Eintheilung eiuführt und den österr. Gemeinden als Beispiel vorangeht. In vielen Gemeinden Süddeutschlands ist die so schöne nachahmungswerthe Einführung, dass beim dreijährigen Cyklus alle aufzurufenden 7 Personen (נברי ,t) zusammen zur Thora gehen, und der Rabbiner die Vor- und ^^ברבה laut sagt. während die Anderen leise mitsprechen. Es wird hierauf der ganze Tboraabschnitt verlesen, und nach der ברבד,־|)»1(ל macht der Cantor einen Gesammt-^^V מי für die Aufgerufenen. Cantor und Rabbiner nehmen die Aussegnungen, respective Vorgänge vor. Die 7 Personen als Aufgerufene begeben sich vor dem Ansheben in eine bestimmte Bank, so dass es kein Warten noch Aufenthalt gibt. Was die Neginah anbelangt, gibt es eine appretirte, veredelte Wiedergabe derselben, wie wir sie von Sulzer, Fischer und vielen Anderen gelernt haben. Wer in die Synagogen von Wien und anderen organisirten Gemeinden geht, dem wird die Neginah gewiss nicht als Singsang erscheinen E m i l Frankel, Obercantor in Strakonitz. Entgegnung. In der vorletzten Nummer dieses Blattes unterzog Herr Neligionslehrer Niesenfeld aus Ungarisch-Brvd das Vorlesen aus der Thora einer eingehenden Kritik und wies auf die Nothwendigkeit einer Reform auf diesem Gebiete hin. Nun in Eriterem wird jeder unserer Neligionsgenossen, dem unser Glaube sowie auch der Gottesdienst heilig ist, dem geehrten Autor gerne beipflichten. Doch dürste kaum Jemand gerade bei der heutigen Zeitströmung mit Erfolg für die gänzliche oder auch nur!beilweise Weglassung der Thoravorlesung plaidiren, welches ja eine tekanas Esra oder eine noch ältere Einrichtung ist. Ich will nur ans die Worte unserer Weisen Hinweisen, die lauten: ,,Im liorischonim kiwne Odom onu kaehamorim“. Ein anderer beachtenswerther Ausspruch derselben ist: ״En bes-din jochol lebatei dibreh bes-din chabero ״עד שיהא גדול ממנו בחבמהו רמנין. Auf derselben Ansicht beruht auch der ולא תמור in Deutoreu. 28. Was würde man mit der 612. Mzvvab im Wochenabschnitte וילך thun, wo es heißt bakbel 68 boom boauo80bim Avehanoschim wehataf — da doch die kleinen Kinder eben so wenig wie die indifferenten Juden verstehen? Wollen wir diese schmerzhafte Wunde radical heilen, so müssen wir das Uebel im Keime ersticken. Demselben können wir nur dann beikommen, wenn wir uns die Worte des Tractates Baba Meziah 85. b. zum Vorbild nehmen: »Einst gerieth רבי חייא in einen Wortwechsel, in welchem ihm sein Gegner רבי חנינא bedeutete, dass s-'in Verdienst doch das größte sei, da er durch seinen Pilpul, selbst im Falle, als die Thora vergessen würde, dieselbe wieder zurückführen könnte. Darauf erwiderte Rabbi Chiya: »Mein Verdienst ist noch größer, da meine Mission darin besteht, Acht zu geben, dass die Thora nicht in Vergessenheit gerathe. Und dies bewerkstellige ich folgendermaßen. Ich baue Flachssamen an. bereite aus dem Flachse Netze, mit diesem fange ich Hirsche, gebe das Fleisch den Waisen, aus der Haut jedoch verfertige ich Pergamentrollen und auf diese schreibe ich die fünf Bücher Moses nieder- Dann gehe ich in einen Ort, wo gegen Religion Jndifferentismus herrscht, unterrichte fünf Knaben in diesen 5 Büchern, andere sechs Knaben wieder in sehischo Sidre mischneh nnd zum Ende schärfe ich allen diesen Knaben ein, dass einer den andern unterrichte, damit alle 11 in sämmtlichen 11 Büchern kundig seien". Wenn wir nun diese Maßregel befolgen, können wir hoffen, ki 10 siscbochach mipi sorob, aber niemals dürfen wir den festen Bau selbst nntergrabezl. Auch dürfen wir nicht verzagen ans Furcht, dass derselbe zusammenstürze, wir müssen im Gegentheil streben, den Religious-

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