Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-12-05 · Heft 41 (5.12.1884) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 41 (5.12.1884)
Date
1884-12-05
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
84% known words query
IRI
…/1304829-3452960-3452996--1176-3455289
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 2 — aze, feine:;3ן stylgerccht genaiuit weiden kann. Der Hallelujob ist musikalisch meisterhaft gearbeitet, ftreift jedoch -hie und da, namentlich in der Begleitung, ^an's Jnstiluncutale. Der Conlra- Punkt der letzten 9 Tacke weist durch den Doppelanschlag gleichuamizer Noten allzusehr aus die Benützung des Contra-Basses hin. Das sind jedoch nur beiläufige Bemerkungen, und wir haben nichts dagegen, wenn dieselben als individuelle Anschauung ausgefasst werden; das Werk selbst erleidet durch dieselben nicht nur keinen Eintrag, sie liefern uns vielmehr den schlagendsten Beweis, dass die Anwendung der größtmöglichsten musikknnstlerischen Hilfsmittel die Bearbeitung einer spccisisch synagogalen Melodie nicht ausschließt. Wir empfehlen diese Nummer auf's Wärmste. Gleich einem, im mächtigen Sturmesbrausen der Eiche ängstlich erzitternden Veilchen erscheint diesem Hallelujok gegenüber die zweite Composition Alkans .(152 cliajim in C-dur alla breve). Zart und lieblich wie jener freundliche Frühlingsbote der Psianzenwelt wirkt sie weder durch räumlich bedeutende Dimensionen noch durch die Farbenpracht oder andere, grell in die Augen fallende Schönheiten,!ondern in stiller Abgeschlossenheil durch Vorzüge, die ausgesucht sein wollen, demgemäß sich auch gewissermaßen dem allgemeinen Lerständniße entziehen. Wir forschen vergebens nach schwierigen Einsätzen, nach kühnen Modulationeri, nach contrapunktischer Bewegung nnd nach all' den Hilfsmitteln, die einem für Helle Farben begeisterten Tonmaler zu Gebote stehen. Ein einfacher, vierstimmiger^ Chorsatz ohne Begleitung, dessen Nebenstimmen sich nirgends über den spärlichen Nauru einer Octove hinauswagen und dessen Oberstimme sich auch nur zum Schlüsse und zwar bei dem flehenden Aufrufe chadesch jomenu bis zur Oberterz der Octave erhebt; so repräseutirt sich uns diese Composition. Aber man lasse diese einfachen Noten singen und achte auf den D8-dur-Accord bei drocheho darob6 noara, auf den verwandten O-ruoll-Dreiklang bei Hasckiwenu adono] wie auch auf die unvermittelt anftreteude As- Dur Harmonie bei eiecho wenoschuwo, welche nach dem Halter in O-moUzur Originaltouart sanft nnd ungezwungen hinüberleitet, um bei den Worten chade8ch jomenu im lieblichen Anfangsmotiv zu verklingen, und man wird dieser bescheiden auftretenden Gabe Alkans die unumschränkte Sympathie nicht versagen können. Diese beiden Piecen werden bei eventueller Aufführung gewiss Anerkennung sinden, in didäctischer Beziehung jedoch sind sie ganz entschieden eine Perle synagogalen Gesanges. Eine nicht minder bemerkenswerthe Arbeit ist die Composition Lebonc's *) Adon olom ui G-dur, 3/4 S£act. Namentlich durch einfache aber ungemein inieressante Stimmsübrung anregend, verdient sie die Beachtung der maßgebenden Fachkreise. Wir erwähnen noch die etv.ms zopsische Arbeit Hessel's (Disoreri in B־dur) und die recht mittelmäßige, das Halevy'lche Zliu baru62a1-Motiv gewaltsam reproducirende Composition F. Hellmann's (Hodu), ferner die wirklich uubedentenden Werke Leonte Coheu's (Hodu al 6062 und 62 cbajim) und zwar lediglich, um in der Besprechung des vorliegenden Sammelwerkes keine Lücke zurückzulassen. Ein schätzeuswerihes Relief verleiben dem Naumburg'schen Buche die nachfolgenden aus den Werken des Altmeisters Lovy entnommenen Nummern Do ouras, Seite 189; Wa’ani sefilosi, S. 185; Soclirenu lecbajim, S. 246; Ki keschimcho, S. 273, Ase lemaau schemecbo, S. 277; Ledor wodor, S. 281, S'rok *) Öebouc Charles Josef, geboren 1822 zu Besacuon, preisgekrönter Schüler des "Conservatoriums der Musik zu Paris (1840), Orchestercellist der großen Oper und Begründer der Lolreede musique classique, trefflicher Eomponist und Herausgeber einer gesuchten Violin-Cello-Schule. 0I6NU, S- 318; AI chet, £?. 329; Weehaeh hojo, S. 331׳ sowie die beiden Casnal-Gesänge Biucbim III. Thsil, S. 28 und 1601 olom, S- 40. \ Wir vermeinen gelegentlich der Besprechung der Lovy'schen Werke die Schöpfungen dieses bochbedentenden, in cantvraleu Kreisen viel zu gering beachteten Nestors vollauf,gewürdigt zu haben. Das jeweilige Zurückgreifeu auf diese, altehrivnrdigen Gesänge, in denen so unendlich viel jüdische Begeisterung und Glanbenssrendigkeit pulsirt, gewährt uns stets eine solch' wahrhaste, sachmäniiische Geuugthullirg, dass wir auch diese Gelegenheit nicht uubenützt lassen wollen, um auf einzelne, in diesem Schatzkästlein besindliche, altsynagvgale Neliquien nachdrücklichst hinzuweisen. Es erheben sich von verschiedenen Seiten vorwurfsvolle Stimmen, die bis jetzt veröffeiulichlen jüdisch-lithürgischeu Werke enthieUen zuwenig styluolle, jüdische Recitative; nun greise man einmäl zu diesen allen, vergessenen, ja viel zu wenig gekannten Necitativen zurück, und die Vvrwürse werden sicherlich verhallen. Zwei dieser Recitative, und zwar S’rok olenu und Al-chet, die in gerechter Würdigung auch von Naumburg - seinem Werke einvcrleibt wurden, empfehlen wir daher zum Studium und auch zu eventuellem Vorträge. Wir betonten zuförderst das S t u d i u m dieser Recitative. weil wir der Anschauung huldigen, dass die eingehende, fachmännische Betrachtung solch' formvollendeter Werke den strebenden Cantorjüugeru größere Befriedigung und Anrcguug gewähren müsse, als das einfache mechanische Nachsingen derselben. Diese beiden kleinen Recitative bergen eine solche Fülle von Gedanken, einen solchen Neichthum von modern-polnischer Singweise in sich, dass sie zweifellos als Musterbilder synagogaler Recitative hingestellt werden dürfen. (Fortsetzung folgt ) Von der Synagoge nnd dein Vortesen aus der Thora. Von Dr. A. Löwy, Rabbiner nnd Prediger in Bntschvwitz. Schon zur Zeit, als noch der Tempel in Jerusalem in . seiner Glorie bestand nnd der Opfercnltns in praktischer Wirksamkeit war, ist es historisch festgestellt, dass auch dortselbst, Synagogen znr Andachtsverrichtnng und zur Volksbelebrung, den Bedürsnißen des Volkes entsprechend, errichtet wurden.' Diese - Andachtsstätken wurden später nicht nur in Jerusatein, sondern in ganz Palästina, als eherne Nothwendigkeit, dem religiösen Sinne des Volkes Folge leistend, erbaut. Nur wurde den Synagogen in Palästina nicht derselbe Grad von Heiligkeit und Würde beigemessen, als dem Tempel in Jerusalem; letzterer war das eigentliche Gotteshaus — griechisch Xüriakon — Kirche, tu welchem der Priester mit seltsamen Ornate bekleidet erschien nnd dessen Functionen vornehmlich darin bestanden, von Jedem, der sich sündenbelastet fühlte nnd sich dadurch veranlasst sah, ein Opfer darznbringen, dasselbe von dem Spendenden entgegenznnehmen und die usuellen Gebete für ihn zu verrichten. Den biblischen Satzungen gemäß TföT ״וה1ד הקרב durfte kein Laie, der nicht seine priesterliche Genealogie nachzuweisen im Stande war, zum Altäre biutreteu. Der Priester war der Volksvertreter Gott gegenüber, ihm allein lag es'ob, für dasselbe heiße und innige Audachtsgsbete zum Allvater empvrzusenden, während es dem Laien gestattet war, nur indes Teinpeis Vor- Hose sich uiederkuieud oder uiederwerfeud, den Unsichtbaren in keinem Formulat eiugesührren Gebete, sondern in einem solchen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.