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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-11-27 · Heft 40 (27.11.1884) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 40 (27.11.1884)
Date
1884-11-27
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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— e ״sakensche — konoh chochmah.“ Aber auch in Bau, Ausstaitung und Diktion war der Vortrag ein gelungener.. Der Beifall und Dank seitens des Vorsitzenden, wie der Collsgenschaar war ein wohlverdienter. Die hierauf erfolgte Discussion gestaltete sich unter Betheiligung des Vorsitzenden, so wie der Herren Kälbel, Schulhof und Bittner zu einer sehr anregenden. Der Gemeinde- Präsident Herr.M. Ritter von Borkenau, der dem Vortrage anwohnte und der ganzen Debatte mit gespanntester Aufmerksamkeit folgte, dankte Herrn Dr. H. Pollak ,für den geistreichen und lichtvollen Vortrags und gab dem gesammten Lehrkörper — 34 Mitglieder — die Versicherung seines wärmsten Interesses für all die Wünsche, dis sie hegen. Zugleich machte derselbe die freudige Mittheilung, dass er jederzeit gerne ihren Conferenzen beiwohnen wolle und für jeden einzelnen seine Thüre und sein Herz stets offen halte. Mit Bedauern ward die Lücke bemerkt, dass der um den Religionsunterricht, Jugendgottesdienst, überhaupt um jüdisches Wesen hier Hochverdiei.re und allgemein verehrte Herr Emauuel Baumgarten, der gewöhnlich der Lehrerconserenz so viel Frische zu geben wusste, gerade diesmal am Erscheinen verhindert war. W. Sch. Krag. Der hiesigen Cultusgemeinde wurde vom Ministerium die Frage zur Begutachtung vorgelegt, ob der Unterricht in der hebräischen Sprache als ein Theil des Religions-Unterrichtes für Zsraeliten auzusehen sei. Die Veranlassung zu dieser Fragestellung bot die Weigerung eines Mitgliedes einer israelitischen Landgemeinde in Böhmen, die ihm vom dortigen Cultusvorftande vorgeschriebene Beitragsleistung für den Religions-Unterricht seines Kindes zu entrichten. Diese Weigerung wurde mit der Berufung auf das Gesetz motivirt, demzufolge die Aufbringung der Mittel für die Kosten des Religions- Unterrichtes an den Volksschulen der Gemeinde, an den Mittelschulen dem Staate obliegt. Der interessante Nechtsfall wurde von den unteren Instanzen bis zum Ministerium geleitet, welches sich veranlass! sah, die Prager israelitische Cultusgemeinde-Repräsentanz um ihre Wohlmeinung zu befragen, ob der Unterricht in der hebräischen Sprache als ein Theil des Religions-Unterrichtes zu betrachten ist. Die hiesige Cultusgemeinde-Repräsentanz gab ihr Votum dahin ab, dass der Unterricht im Hebräischen als Theil des Religions-Unterrichtes auzusehen sei. Zwar sei für Schüler der Volksschule eine Kenntnis der hebräischen Sprache nicht vorgeschrieben, doch wäre die Ausbildung der Kinder in derselben deshalb wünschenswerth, -weil die hebräische Sprache zum Verständniße der gottesdienstlichen Uebuugen der Israeliten erforderlich sei, und nebstdem die Kenntnis derselben für den Religions- Unterricht an den Mittelschulen benöthigt werde. Aus diesen Gründen sollten die Schüler an den Volksschulen bei dem Religions-Unterrichte schon in den Anfangsgründen der hebräischen Sprache unterrichtet werden. Budapest. Vor etwa zehn Zähren war der in Ehren er graute Ches der hiesigen Firma M. A. W. durch eine Reihe von Unglücksfällen gezwungen, die Zahlungen einzustellen und mit den Gläubigern Ausgleichsverhandlungen zu eröffnen. Die Letzteren willigten in einen Nachlass, die Schulden des Hauses wurden in reducirter Form getilgt, und bald daraus schied der alte W-, dem der Verlust seiner Position sehr zu Herzen ging, aus dem Leben.—Vor Kurzem fiel der Haupttreffer der Wiener Communal-Lose einem Sohne des Verstorbenen zu. Der glückliche Gewinner widmete 40.000 fl. der vollständigen Herstellung der Reputation seines verstorbenen Vaters, indem er sämmtlichen ehemaligen Gläubigern desselben den beim Ausgleich bewilligten Nachlass an Capital sammt 4percentigen Zinsen bezahlte. Kaschau. Dem Präses der hiesigen neologen jüdischen Gemeinte Herrn Dr. David Kain verlieh Seine Majestät der König als Zeichen Allerhöchster Anerkennung für die auf dem Gebiete der öffentlichen Angelegenheiten geleisteten ersprießlichen Dienste das Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens. Dr^ David Kain, der durch ein lange Reihe von Jahren die Angelegenheiten seiner Gemeinde in der uneigennützigsten Weise und mit dem größten Eifer geleitet, hat diese Auszeichnung vollauf verdient, und wir gratuliren ihm sowohl im eigenen Namen, als auch in dem aller unserer Mitbürger ohne Unterschied des Glaubens und politischen Parteistellung auf das Herzlichste. Möge der wackere Mann noch lauge au der Spitze seiner Religionsgemeinde zum Wohle seiner Glaubensgenossen wirken, von den Seinen geliebt, von uns allen geschätzt und geachtet. Großwardein. Der königl. ungarische Cultnsminister Trefort weilte vorige Woche in unserer Stadt und empfing daselbst mehrere Deputationen, darunter auch die der orthodoxen Judengemeinde, unter Führung ihres Präses Isidor Ulmann. Auf dessen Ansprache erwiderte der Minister: ״Als ich heute ihre confessionelle Gemeindeschule besuchte, war ich sofort im Klaren über die Verhältuiße ihrer Gemeinde; ich erkannte sogleich, dass sie ihrer Aufgabe richtig und zweckentsprechend Nachkommen. Dass das unerschütterliche Festhalten an der Religion dem Patriotismus in keiner Weise Abbruch thue, darüber bin ich im Klaren, wie ich dieser Ueberzeugung oft genug Ausdruck gegeben. Seien Sie übrigens meiner Unterstützung sicher. Leider sind die Verhältniße der jüdischen Gemeinden im Lande ziemlich verworren; doch glaube ich, dass, wenn die Curirung einer Krankheit in nicht richtigem Zeitpunkte vorgenommen wird, dies von noch übleren Folgen begleitet sein kann, als die Krankheit selbst. Wir hoffen jedoch, dass die Zeit kommen wird, wo auch diese Uebelstände leicht behoben werden können". — Der Lehrkörper der Orthodoxen-Schnlen machte seine Aufwartung unter Führung des Directors Gabel. Dieser hob in seiner Ansprache die Verdienste Seiner Excellenz in Sachen der Stabilisirung der jüdischen Lehrer hervor. Der Minister antwortete, dass, wie er heute vom Geiste, welcher in der Großwardeiner jüdischen Gemeinde herrscht, Gelegenheit halte sich zu überzeugen, wird es zwischen dieser und den Lehrern kaum je zn einem Conflict kommen. Doch eonstatire er, dass viele Gemeinden ibren Lehrern gegenüber ein ganz und gar inhumanes Vorgehen beobachten,, und bei solchen Gelegenheiten werde er stets die Lehrer in Schutz nehmen. Der Lehrkörper nahm diese Erklärung mit begeisterten Eljenrnsen aus. — In der Großwardeiner israelitischen Religionsgemeiude haben die Monate lang andauernden Reibungen derartige Dimensionen angenommen, dass sich der Präsident veranlasst sah, eine Generalversammlung einzuberusen, in welcher die Auflösung der Gemeinde beschlossen wurde. Die Mitglieder der ausgelösten Gemeinde treten der Großwardeiner israelitischen orthodoxen Gemeinde bei. Nach Schluss der Generalversammlung wurde der Tempel gesperrt und an den Thüren Siegel angelegt. Der Cultnsminister wird von dem gefassten Beschlüsse verständigt werden. Schneidemühle, Posen (Orig.'Corr.) Der rühmlichst bekannte Rabbiner und Prediger der hiesigen israelitischen Gemeinve, der sich durch viele wissenschaftliche Aussätze in ״Frankels Monatschrift" und durch seine 5הגהות ומרשה מקומות על ירושלמי hervorgethan, feierte am 8. November d. I. seinen siebzigjährigen Geburtstag. Schon am frühen Morgen brachten jüngere und ältere Schüler der jüdischen Schule einen Sanges-Gruß, dem sich die Ansprache eines Lehrers und die Antwort d s Jubilars anschloss, worauf Schlußgesang folgte. Im Tempel war der Sitz und die Kanzel desselben festlich bekränzt. Beim Mussaf-Gottesdienste hielt Herr Rabbiner Braun, der, nebenbei bemerkt,׳ mehr denn dreißig Jahre in obbenannter Gemeinde und den zu derselben zählenden Filialgemeinden als Rabbiner segensreich wirkt, eine geistreiche Rede, anknüpfend an die Worte ואברהם ושרה זקנים ׳באים ב״מים welche das Auditorium tief bewegte; darauf trug auf Wunsch des Vostandes dessen Sohn Herr Rabbiner Dr. Markus Braun, früher Prediger und Religionslehrer in Breslau, zur Zeit Director der Auerbach'schen Waisenanstalten in Berlin, ein Gebet für seinen Vater׳ vor, welches schönen und gedankenreichen Inhalts

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