Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 40 (27.11.1884)
- Date
- 1884-11-27
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/1304829-3452960-3452995--1172-3455284- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— *7 — war. Ins Haus zurückgekehrt, fand derselbe zahlreiche Glückwünsche aus der Ferne vor in Depeschen und Briefen, welche die Zahl hundert übertrafen. Zu dem Feste kamen aus der Ferne viele Verwandte und Freunde, unter denen der Bruder des Jubilars Sr. Ehrwürden Rabbiner Dr. Isidor Braun in Preußisch-Stargard hervorzuheben ist. Dagegen wurden bei diesem solennen Familienfeste die beiden Schwiegersöhne des Jubilars vermisst, Sr. Ehrwürden Herr Dr. Abr. Löwy, Rabbiner und Prediger in Butschowitz, Mähren, und Herr Rabbiner Dr. L. Treitel, R>lu.ionclehrer und zweiter Prediger in Karlsruhe, welche der allzu weiten Entfernung wegen zu erscheinen verhindert waren, dieselben sandten Gedichte, die vorgetragen wurden. Nun begann der Besuch von Gratulanten aus allen Klassen der Gemeindemitglieder, der sich bis zum späten Abend hinzog. Zwischen 11—12 Uhr Vormittags trafen in feierlichem Zuge Deputationen ein: zuerst Vorstand und Repräsentanten der Gemeinde. Der Vorsteher Herr Berliner hielt an den Jubilar eine Ansprache, und nach deren Beendigung überreichte er demselben eine prachtvoll, in blauem Sammtband und mit vielen anderen Verzierungen ausgestattete Adresse. Der zweite Vor. steher überreichte einen Silberkasten, Silberesszeug enthaltend. Nun kam der Vorstand der Chebra-Kadischah, der Vorstand des Frauen- Vereines und zuletzt der Vorstand des Wohlthätigkeitsvereines. Jeder Vorstand hielt eine Ansprache und überreichte eine schön ausgestattete Adresse. Nach einer kleinen Pause erschienen die Mädchen der höheren Töchterschule. Eine von ihnen hielt eine recht passende Anrede und überreichte eine sehr kostbare Tischlampe. Die Festlichkeit des Tages wurde Abends durch ein Festessen fortgesetzt. Dasselbe begann um 8 Uhr unter zahlreicher Betheiligung aus allen Klassen der Gemeinde und dauerte das Zusameubleiben der Gäste bei heiterem Mahle und vielen schönen, mitunter sinnreichen Toasten bis gegen drei Uhr. Zum Schluß fanden sich noch junge Leute ein, und es wurde getanzt. Das Festcomite bestand aus den Herren Berliner, Dr. Davidroh Abrahcunson und Sommerfeld. H^etersöurg. Seit längerer Zeit gelangen aus dem Süden Rußlands Nachrichten, über eine religiöse Bewegung unter den dortigen Juden hieher, und fast hat es den Anschein, als ob den Anlaß zu der Bewegung die furchtbaren Judenhetzen gaben. Den vorliegenden Meldnngen zufolge nimmt die Bewegung derartige Dimensionen an, dass die ältere Secte der Odessaer Neu-Jsraeliren es für gut befand, ihre Selbstständigkeit aufzugeben und sich der spitzführenden ,Biblischeu Bruderschaft" uuterzuordneu. Die Entstehung der neuen Secte erfolgte ein Jahr nach den Judenhetzen in Jelisawetgrad auf Jnitiative eines gewissen Gordin, dessen Lehren hauptsächlich darauf abzielen, veraltete Ceremonien zu beseitigen und seine Anhänger zur productiven Arbeit anzuhalten. Nur ein gutes Beispiel zu geben, zog er selbst mit seiner Familie auf das Land, pachtete ein kleines Stück Grund und bearbeitete es im Schweiße seines Angesichtes. Unter seinen Anhängern sollen sich auch Leute mit Universitätsbildung befinden, Andere haben Mittelschulen absolvirt. Nack russischen Berichten fehlt nur eine energische, leitende Persönlichkeit, um die Bewegung vollends in Fluß zu bringen. Die Stellung der neuen Secte gegenüber der Administration präcifirte Gordin in einem Memoire, das er im Namen der Bruderschaft dem Gouverneur von Cherson überreichte, folgendermaßen: Die Biblische Bruderschaft verlangt keine besonderen Rechte und Privilegien, sondern bittet nur um die Erlaubnis: 1. Land anzukaufen und Ackerbau-Colonien zu errichteu; 2. ihren Glauben offen zu bekennen und sich zu gottesdienstlichen Handlungen zu versammeln; 3. bei den Polizei-Verwaltungen besondere Civil-Regifter zur Eintragung der Geburten, Sterbefälle und Heiraten zu haben. Dieses Bestreben findet bei den aufgeklärten Russen großen Anklang; Wer aber die Verhältniße kennt, befürchtet mit Recht, dass auch die ackerbautreibenden Juden oder auch die Handwerker unter ihnen, sobald sie zu Vermögen kommen, angefeindet werden dürften. Jeder branntweintrinkende Faullenzer hält es doch für bequemer, den Juden auszurauben, statt selbst zu arbeiten. An Hetzern, welche ein Interesse an der Umkehrung aller bestehenden Verhältnisse haben, wird es auch niemals fehlen. Hanger. Auf Einschreitern des italienischen Minifterresideilten hat der Sultan ein Spezialedikt an den Gouverneur von Demnat gerichtet, in welchem er verbietet: 1. Die Juden an ihren geheiligten Festtagen zur Arbeit zu zwingen. 2. Sie mit dem Reinigen verfeuchter Orte zu beschäftigen. 3. Sie schwere Gegenstände auf dem Rücken tragen zu lassen. 4. Sie ohne Lohnarbeiten zu lassen. 5. Ihnen die Waaren um den halben . Preis abzunebmen. 6. Ihr Vieh ohne Bezahlung zu verwenden. 7. Sie zu zwingen, falsches Geld gegen gutes auszuwechseln. 8. Ihnen gegerbte Häute wegzunehmen, oder sie zu zwingen, dieselben gegen frische Häute auszutauschsn. 9. Gegen ihren Willen sich die Wolle von ihren Heerden abtreten zu lassen.׳ 1V. Ihre Betten und ihre Möbel für Gäste des Gouverneurs zu verlangen. Der vom 25. Karda 1301 datirte Erlass sagt zum Schluß: Der Gouverneur möchte endlich den Ungerechtigkeiten ein Ende machen und die Israeliten so behandeln, wie die Israeliten anderer Städte behandelt werden. — pofina. Vor 30 Jahren, das ist am 12. November 1854, hatte der Kaluscher Schneider, Monisch Treister, dem Gutsbesitzer Herrn Sobota in Podhorku, unweit Kalusch, einen Rock angefertigt, an welchen: Letzterer einen Fehler aussetzte. Der Schneider ließ darauf die Aeußerung fallen, dass, wenn Gott sie beide noch 30 Jahre am Leben erhalten werde, er ihm wieder einen solchen Rock machen wird. Der Gutsbesitzer und der Schneider standen damals schon im vorgerückten Alter. Hierauf gab der Gutsbesitzer dem Schneider das Ehren׳ wort, dass, sobald dieses in Erfüllung geht, er ihm 100 Ducaten am 12. November 1884 ansbezahlen wird. — Diesem frommen Wunsche gemäß, erhielt nun die Vorsehung beide Greise am Leben, und der edle Gutsbesitzer hat sein Wort pünktlich eingelöft und am 12. dieses Monates dem in dürftigen Verhältnißen lebenden Schneider die Summe von fl. 500 richtig ausbezahlt. Diese humane That verdient wirklich Anerkennung, wie überhaupt dieser Edelmann wegen seiner Menschenfreundlichkeit allgemein hochgeachtet wird. (Drohob. Ztg.) An unsere geehrten Herren Abonnenten! Diejenigen unserer geehrten Herren Abonnenten, welche mit ihrem Pränumerationsbetrage noch im Rückstände sind, ersuchen wir, ihrer Verpflichtungelt unserem Blatte gegenüber am 1. December nicht zu vergessen. Die Administration. Corresponden; der Nedaetron. Gr. in N. Bestätigen den eingesandten Betrag. Sch. in Ka. Diese Notiz haben wir zur Veröffentlichung bestimmt, alles Andere ist blos für den Jnseratentheil als ״Danksagung" zu bestellen. Gruß. Gr. in Dandl. Wegen Aufnahme in den Cantorenverein wollen Sie sich an den Vorstand, I., Seirenstettengasie 4, wenden. Ihre Rechnung stimmt keinesfalls. Fr. in Str. Für diesmal zu spät, erscheint in nächster Nummer. Gruß. Löwens. in W. Nachdem sich bewnsste Person uns nicht vorstellte, stellen wir Ihnen den Betrag zur Verfügung. Gruß. Schw. in M. W. Wird in nächster Nummer veröffentlicht. Gruß. Fr. in Kr. Die letzten Blätter kamen uns retour, weshalb wir die weitere Zusendung sistiren mußten. Sie erhalten daher die fehlenden Blätter nachgesendet. Str. in H. I. Für diese stummer zu spät eingelanzt. Nächstens. Gruß. Wirersuchen zu wiederholten Malen unsere geehrten Mitar b eiter, M anuscripte nur auf einecSeite in leserlicher Schrift zu beschreiben undhebräischeCitate nurin Quadratsch ri st anzuführen. Die Redaction.