Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-11-27 · Heft 40 (27.11.1884) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 40 (27.11.1884)
Date
1884-11-27
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/1304829-3452960-3452995--1170-3455282
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

zu müssen, da wir uns ans diese Schächter rituell nicht verlassen dürfen, oder gar Zahre lang, wenn die Sache an den Magistrat zurückgeleilet werden sollte, was. wie wir hoffen und unterthänigst bitten, nicht geschehen möge. Krakau, den 18. Juli 1884. Ackerbau betrieben, und dass sich die Christen nicht schlechr £>!bei befanden, wird sogar von einem Papste (im 12 Ja ׳ronnderr) bezeugt. Diese ihre landwirthschaflliche Tbäti.ikeil wurde insbesondere vom Kaiser Friedrich II. begünstigt. Cr ließ von ihnen neben seinem Schlosse einen Dattelpalmsngarten anlegen und billigte, dass ihnen Ländereien zum Anbau angewiesen wurden. Die Juden in Italien. Dr. M. G ü d e m a n n . Rabbiner und Prediger in Wien, bringt in seiner vor einiger Zeit erschienenen ,Geschichte des Erziech.ungswesens und der Cultur der Juden in Italien während des Mittelalters', überaus anziehende Einzelheiten, welche den Nachweis liefern, dass zwischen den Inden des einen und denen des andern Landes ein himmelweiter Unterschied stattfindet, der sich nach der Verschiedenheit der betreffenden nichtjüdischen Kreise richtet. Interessant ist, was der hochwürdige Verfasser zur Widerleguug der antisemitischen Lügen bringt. So z. B. wird selbst ans der Zeit, als ein Concil den Wucher als einen speeisisch jüdischen Erwerbszweig ausgab, von dem klassischen Zeugen, Thomas von Aquino, ausdrücklich bemerkt, dass die Juden in Italien ihren Lebensunterhalt durch Arbeit und nicht durch Wucher erwerben. Ferner wird (1430), als die Christen sich dem unbarmherzigsten halsabschneiderischen Wucher ergaben, nicht nur des jüdischen Wuchers nicht erwähnt, sondern es wurden sogar die Inden zur Verminderung desselben nach Florenz berufen, mit der Bedingung, dass sie sich mir 20 Percsnt begnügen müssen, während die Florentiner 33 Percent nahmen. — Ein Stadtrath von Verona erklärt, dass an die Stelle der Inden Christen getreten seien, die in viel uuleutseligerer und maßloser Weise wuchern, als es die Juden getban. Ebenso bezeugt die Stadt Palermo am Ende jenes Jahrhunderts, als Ferdinand der Katholische zur Rechtfertigung seines grausamen Austreibungsdecretes auch den Wucher auführte, in ihrer zur Abwendung der Maßregel an den König gerichteten Bittschrift, dass der Vorwurf des Wuchers grundlos sei, man habe sich in diesem Punkte über die Juden nicht zu beklagen. Ebenso viele historische Zengniße bringt der Verfasser auch aus der Geschichte der Juden in Italien dafür, dass die Inden da, wo es ibnen nicht Verschlüßen ist, sich nicht zu ,Hosen verkaufenden Jünglingen', sondern zu Handwerkeru uud arbeitswilligen Industriellen ansbilden. So hatten die Juden schon im 12. Jahrhundert in Italien den ausschließlichen Betrieb des Handwerkes in Händen, fand Benjamin v. Tndela auf dem Paruassus 200 Inden, welche Ackerbau aus eigenem Grund und Boden betrieben, und in Tbeben (Griechenland) unter den 2000 Juden die besten Seiden- und Purpur-Arbeiter von ganz Griechenland, welchen Industriezweig sie nach vielen anderen Städten Italiens .beförderten, weshalb König Roger von Sicilien griechische Juden in seine Stadt verpflanzte, um den Seidenbau in demselben heimisch zu machen. Diese allgemeine Verbreitung des Erwerbszweiges der Färberei wird auch ans dem 13. Jahrhundert berichtet. In Sicilien waren fast alle Eisenarbeitcr Juden, in Sardinien gab es unter denselben Schneider, Schlosser, Weber und Silberarbeiter in großer Anzahl. In einer Eingabe endlich, welche der große Rath in Sicilien, mit dem Grafen von Oderno an der Spitze, um Aufschub der Austreibung der Juden an Ferdinand den Katholischen richtete, heißt es: Eine andere Schwierigkeit, welche aus dem Abzüge der Juden sich ergeben würde, liegt in dem Umstände, dass in diesem Reiche fast alle Handwerker Juden sind. Dass die Juden in der Lombardei in sehr ausgedehnter Weise Kleine Chronik. Wien. (Zur Regelung der Rechtsverhältnisse der Judengemeinden.) Dieser Tage weilte eine Deputation der böhmischen Landesjndenschaft in Wien, 'welche unter Führung dev Prager Advocaten Dr. Lichtenstern bei dem Minister Baron Conrad eine Audienz nahm, um demselben ein Promemoria wegen der Regelung der Rechtsverbältniße der Jndengemeinden in Oester« reich zu überreichen. In diesem Promemoria, sowie in der mündlichen Darstellung der Verhältniße wies die Deputation darauf hin, daß die Jndengemeinden bisher der gesetzlichen Regelung entbehren. Dieser Zustand ziehe die bedenklichsten Folgen nach sich, welche zumal seit einer vor zwei Monaten erfolgten Entscheidung oes Verwaltungs-Gerichtshofes den Bestand der Judengemeinden als Cultusgemeinde geradezu in Frage stellen. In dieser Entscheidung sei nämlich aus Anlass eines Streitfalles erkannt worden, dass kein Jude gezwungen werden könne, für die Judeugemeinde, in welcher er lebe, Beisteuer zu Cultuszwecken zu leisten. Hiedurch seien die israelitischen Cnltusgemeinden in ihrer Existenz bedroht, denn fortan seien die Gemeinden zur Bestreitung ihrer Erforderniße, insbesondere des Gottesdienstes und des Religions-Unterrichtes, ausschließlich auf die freiwilligen Gaben der Glaubensgenossen angewiesen. Die Deputation stellte schließlich die Bitte, dass die Regierung zur Regelung dieser Frage ein Gesetz im Reichsrathe einbringen möge. Der Minister Baron Conrad erinnerte, dass er die schwierige Lage der israelitischen Cnltusgemeinden und die Bedeutung der erwähnten Entscheidung des Verwaltnngs-Gerichtshofes wohl zu würdigen wisse; übrigens habe dis Negierung bereits einen Gesetzentwurf in Betreff der Nschtsverhältniße der Jndengemeinden ausarbeiten lassen, welchen sie im geeigneten Zeitpunkte zur legislativen Be- Handlung bringen werde. Die Deputation begab sich gestern zu dem Minister-Präsidenten Grafen Taaffe. welchem sie ebenfalls ihr Anliegen vortrug und welcher ihr beilänsig dieselbe Antwort gab, wie der Unterrichtsminister. Wien. Der Sohn unseres Nestor Srllzer, Herr JnliuS Sulzer, welcher schon seit mehreren Jahren Capellmsister am Hofbnrglheater in Wien ist, wurde vor Kurzem in dieser Eigenschaft desinitiv augestellt. Die definitive Besetzung dieser Stelle durch einen Juden ist bei der jetzigen Zeitströmung als ein außerordentliches Ereigniß zu betrachten, und sie gibt uns einen neuerlichen, höchst erfreulichen Beweis von der edlen und hohen Gesinnung unseres erhaberren Monarchen, der allen seinen Unterthanen, mögen sie welchem Glaubensbekenntniße immer angehören, mit gleicher Liebe zngethan ist. Wien. (Orig.-Corresp.) Bei der am 15. d. M. im Saale der hiesigen Cultusgemeinde unter Vorsitz des Schulinspektors Herrn Dr. G. Wolf abgehaltenen Neligionslehrerconferen; hielt Herr Dr. Heinrich Pollak, als Referent über den Gegenstand der Tagesordnung ,Schuldisciplin beim jüdischen Religionsunterrichte', einen schönen Vortrag. Der junge Neligionslehrer, der, wie er sagte, ,alles aus seiner eigenen Erfahrung genommen und höchstens einige Blümchen dazu aus der jüdischen und römischen Literatnr gepflückt/ doch aber jedem alten Schulmeister dabei aus der Seels sprach, ist ein wahrer

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.