Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 40 (27.11.1884)
- Date
- 1884-11-27
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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— ■“3b — unserem Berufe eng verknüpft. Sv wie es jeder Zeit Männer j gab, die als Nichtjnden sympathisirend mit nnserern Meistern und wohl auch mit unserer synagogeleu Musik, dieses Gebiet mit herrlichen Piecen b-.reicherten; wie sich um unfern Sulzer die hervorragendsten Musiker Wien's schaarten und Beiträge zur Reformation des Synagogengesanges lieferten, die in dem Herzen unseres ganzen Volkes den lebhaftesten Wirderball fanden, so fehlt es and) heute an Männern nicht, die zwar mebr im Stillen, aber um desto befruchtender für unseren Stand wirren; und der tüchtigsten Einer ist der eurer. Professor des Gesanges am Eonfervatorium zu Prag, Herr F. A. V 0 g l. Franz Arnold Vogl, geboren in Rudi bei Saaz in Böbmen hat schon frübzeitig eine merkwürdige Begabung für Musik an den Tag gelegt. Er absolvirte das Prager Conservatorium mit Auszeichnung, spielte mir 19 Zähren iämmtliche Instrumente und war and) als Concertsängcr hochgeschätzt. Seine ansgezeichncte Gesangmetbode, die er von seinem großen Lehrer Gordickiauk ererbt batte, fand die vollste Würdigung, indem ihn der Fürst Thurn und Taxis als Gesanglehrer für seine Kinder anstellte. Von hier aus folgte er dem Rufe des böhmischen Adels und nahm die Professur am Conservatorium zu Prag an. Jetzt erst war sein Name in allen deutschen Landen bekannt. Durch Herausgäbe vieler guter Männerchörc rasch populär geworden, hatte er im Zahre 1863 die Aufgabe erhalten, beim Neichenberger Gefangfeste die Massenchöre zu dirigiren. Gegen 3000 Sänger unterwarfen sich liebevoll seiner meisterhaften Direction. Er ist und war zu jeder Zeit ein Freund unseres Standes; er ist Lehrer großer Sänger und auch Bildner vieler unserer Berufsgenossen gewesen. Sie haben es ihm zu verdanken, wenn ihre Existenz,, ibr Glück gesichert wurde, indem sie nicht nur seine ausgezeichnete Schule, sondern sein humanes, uneigennütziges Wesen ganz in sich ausgenommen haheu, was heutigen Tages hoch angeschlagen wird. Wenn ich nur gewesene Schüler, wie den k. k. Kammersänger Gustav Walter und Herrn Obercantor Zosef Singer neune, so wird ihre anerkannte Herzens- und Geistesbildung, abgesehen von ihrer Gesangvirtuosität, jedenfalls zum großen Theile ibrem hervorragendem Lebrer zugeschrieben werden müssen, der ihnen als leuchtendes Beispiel stets voranging. Meine Wenigkeit, ebenfalls Schüler dieses Biedermannes, erachte es als Act der psiichtschuldigeu Dankbarkeit und. im Znteresic des gesammlen Cantorenthums, diese Zeilen hiermit der Oeffeutlichkeit zu übergeben. B. Singe r, Obercantor in Zungbunzlau. Vorgänge in der Cultnsgemeinde Krakau. Die religiösen Spaltungen im Judentbume und die damit eng verknüpften Zersetzungsprocesse in einzelnen Gemeinden sind gewiss zu keiner Zeit so sehr zu bedauern gewesen, wie jetzt, wo wir doch in Anbetracht des täglichen Anwachsens des Antisemitismus in eng gescklossenen Reihen, zur gemeinsamen Abwehr bereit, dastehen sollien. Wenn sich aber, wie dies in der Gemeinde Krakau seit 2 Jahren der Fall ist, zwei Parteien mit solcher Hartnäckigkeit befeinden, so ist dies wahrlich verdammenswerth. Namentlich düs Vorgehen der Orthodoxen ist.streng zu tadeln, welche, wie wir einem von dem Krakauer Cultusvorstaude verösfentlichten Memorandum entnehmen, nachfolgende, im Auszuge dargestellte Petition an das Hobe Ministerium gerichtet haben, bei deren Lcctüre man unwillkürlich an eine antisemitische Anklageschrift denken und an sich die Frag: stellen muss, ob die Petenten Juden, oder Anhänger der Herren Schönerer, Stöcker,. Jstoczy 2c. sind. Hobes k. k. Ministerium für Cnltns und Unterricht! ״Untcrtbänigst gefertigte Milglieder der israelit. Gemeinde Krakau bitten im Namen der übenvi genden Majorität der Gemeinde um Hilfe gegen die Vergewaltigungen und stagranten Geietzesverletznngen, denen sie Seitens des Eultusvorstandes hier seit 2 Jahren ausgesetzt sind. Einer winzigen Minorität ist es durch List gelungen, sich' als Cnltnsvorstand mit antokratiichen Vollmachten zu constitniren, uud ohne Scheu haben sich dieselben aber viel weitgreitendere Gesetzes- Verletzungen ungestraft zukoinmen lassen, von denen die hohe k. k. Statthalterei Lemberg in ibrem Erlasse an die k. k. Bezirkshauptmanschaft Tarnow den!2. April 1884 Z. 28644 sagt, dass selbe keinen Augenblick unter den Angen der Behörden geduldet werden dürften und Letztere angewiesen hak; persönlich mit ganzer Energie und größter Beschleunigung denselben ein Ende zu machen. Am 8. Jnni war der. Tarnower Cnltnsvorstand abgesetzt. Nun hat der Krakauer Cnltnsvorstand außer diesen Gesetzes- Verletzungen sich zu einem Acte hinreißeu lassen, welchen die hohe Statlhaltercr in einer Zuschrift an den Präsidenten der Stadt Krakau vom 9. April 1884, Z. 21021, als einen ungesetzlichen, dem Staatsgrundgesetze über die Religionsfreiheit zuwiderlaufenden Gewissenszwang charakterisirt hat. Es ist damit die Beschlagnahme des Ostermehles gemeint, welches die orthodoxe Partei sich ohne Vermittlung des Vorstandes mit großem Kostenaufwands angeschasst hatte, und während der Magistrat dieser den einfachsten Gesetzesbestimmungen widersprechenden Maßregel seinen executiven Arm lieh, störte derselbe nicht nnr nicht die Gesetzeß-Verletzungen, welche keinen Augenblick geduldet werden sollten, sondern leistet denselben allen möglichen Vorschub, indem sämmtliche von uns an den Magistrat gerichteten Eingaben wie auch hie Antwort auf unsere Recurse an die hohe k. k. Stattbalterei, und an das Hobe k. k. Ministerium seit den 13. April 1883 unerledigt geblieben und uns nicht zugestellt worden sind u. s. w. Wir richten nunmehr an ein hohes Ministerium die unterthänigste Bitte: den israelitischen Cnltnsvorstand der Krakauer Gemeinde wegen folgender Gesetzes-Verlctznngen zur strengsten Rechenschaft zu ziehen: 1. Wegen Eintreibung einer ungesetzlichen Steuer von כנשר Fleisch in der Höhe von 7000 fl. jährlich. 2. Vom Geflügel in der Höhe von 17 bis 18.000 fl. jährlich durch gewaltsam abverlangte Schächtergebühr von 7 kr. per Huhn, 5 kr. per Ente. 4 kr. per Taube, 12 kr. per Gans und 18 kr. per Truthahn. 3. Wegen Einhebung einer Begräbnissteuer in der Höbe vor! 5 bis 1000 fl. Hier führt die Denunciation viele Sünden des Vorstandes an, welche wir wegen Raum-Mangel weglassen, und bringen nur nod) den Schluss derselben: Wir haben diesen Beschwerden nur die Bitte um schleunige Absetzung dieses Vorstandes hinzuzufügen, und zwar durch Vermittluug der hohen k. k. Bezirkshauptmannschaft Krakau, und I eine zweite Bitte um die Erlaubnis, eigene Schächter anstellen zu dürfen, da der Vorstand die Fleischsteuer dadurch erpressen will, dass er zum Schächten die zwei unfähigsten Schächter beordert, deren einer durch Operation der Hand und Hartherzigkeit, der Andere durch Jugend und Schwäche halb untauglich ist, so dass wir, wie Austern auf den Hungeretat gesetzt, vor der schönen Alternative stehen, uns des Fleischgenusses Monate laug enthalten