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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-11-27 · Heft 40 (27.11.1884) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 40 (27.11.1884)
Date
1884-11-27
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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— 2 — lichen Andacht, er ist die Sprache des Gefühls und ist daher am meisten geeignet, religiöse und weihevolle Stimmung auzuregen. Unter den 10 Wörtern, welche in der hebräischen Sprache das ,Gebet" ausdrücken, befindet sich auch רנה, so lesen wir in Sisri zn Paraschah :ואתחנן י‘ לשונות נקראת תפלה: זעקה, קריאה רנה׳ פניעה׳ נפול, פילול. עתירה׳ עמידה חלוי תחנה. Die 3 Haupitheile, welche den Gottesdienst vor grauer Zeit schon bilden, sind 1. der Gesang oder Preis- und Loblied, 2. die Betrachtung über Gotteswort oder Predigt, 3. das Gebet. Schon Salomo betete, daß Goir erhöre den Gesang und das Gebet. Und was ist mehr im Stande zu begeistern, die Seele mehr zu beflügeln, als der Gesang, diese herrliche Himmelsgabe? Unter den drei Dingen, welche, wie der Talmud sagt, מרחיביץ רעתו של 5 אדם) daß sie erquicken und erfrischen, gehört in erster Linie eine angenehme Stimme. Groß ist die Gewalt, welches das Worr im Gesänge ans das menschliche Gemüth ausübt, es bildet die Leiter, auf welche der Geist sich emporschwingt, doch über der Erde Grenzen, da werden Felsennaturen erweicht und ganz Verzagte gestählt, da wandelt sieb Hass in Liebe, Traurigkeit in Freude; unbeschreiblich ist die Wirkung, wenn aus andächtigen Herzen, über reine Lippen des Gesanges Wellen sich, ergießen, fortschwellend wachsen, die Pforten des Himmels durchströmen und volltönend in das höhere Hallelujah der Sphären und Engel dringen. Sv wie Harmonie die Sphären und Welten im Gleichmaße des Raumes und der Zeit bewegt, so bewegt die Harmonie des Gesanges die Herzen tief, und so wie in der Natur Harmonie Einheit, Einfachheit, Regel, Einklang, Wohllaut ist, so müssen Liese Gott und Menschen erfreuenden Eigenschaften in dem Gesäuge obwalten, wenn er, wie die Natur, ein Lob und A)reis Gottes sein soll. ״Dieses ist meiner Väter Gott, ihn will ich erheben" sei unsere Parole, aber nicht unserer Väter von halb vergangener Zeit, die schon von der Natur entfernt waren und die Harmonie nicht kannten. Zurück zu den frühesten Vätern wollen wir unfern Blick richten und zeigen, wie ein harmonischer Gesang und Wohllaut der Grundtou des Gottesdienstes waren. (Fortsetzung folgt.) ברכות ד ז׳ ב.(5 Lebensbild des symgogalen Dichters Joses B- Abitur. Nach den Quellen bearbeitet von Dr. A b r a h a m L ö w y, Rabbiner und Prediger in Butschowitz. Als Stern erster Größe glänzt am Firmamente der spauisch-religiöse Dichter, Rabbi Josef bei! Abitur, wie ihn auch als einen der hervorragendsten Dichter der um 1260 lebende berühmte spanische Philosoph *) N. Schemtow den Palqucra, in seinem Werke המבקש S. 17 anerkennt. Er war VerSkünstler und der Erste, der einen מעמד, d. i. einen Cyclus von Gebeten für den Versöhnungstag verfasste, der damals die alten Liturgien verdrängte. Der gröUs Theil seiner Schöpfungen auf syuagogalem Gebiete ist der Zeiten glaub geworden, nur ein Gebetcyclus von ihm ist uns bis zum heutigen Tage in Salonichi erhalten ge¬ *) Palquera ist Autor des phylosophischen Werkes ספל המעלות und des אנרת המנוח Gespräch zwischen Orthodoxen und Philosophen. (S. Wolf, T. 3. S. 1t33.) blieben. Nun die wichtigsten Notizen über seinen äußeren Lebensgang. Er lebte im zehnten Säculum und war Rivale des frommen, . aber einseitigen Talmudisten R. Chanoch um das Rabbinat in Curdowa. Obwohl N. Josef die höchste Culturstufe der damaligen Zeit erklommen hatte — ein Beweis dafür, dass er im Aufträge des um die Pflege der Wissenschaft berühmten Chalifen Alhakim die sechs Ordnungen der Mischna in's Arabische übersetzte — versagte ihm dennoch Fortuna, das Rabbinat in Curdowa, das nur Ehrenamt war und nicht honorirt wurde, um welches er sich trotzdem eifrig bewarb, zu erlangen. Der Troß der Curdower Gemeinde wollte den frommen R. Chanoch zum religiösen Oberhaupte erheben und nur ein kleiner Theil derselben mit den einflußreichen Seidenfabrikanten Jbn Geau an der Spitze, legte energisch Protest gegen die Wahl des R. Chanoch ein, und stimmte für Jbn Abitur. Der Kampf wegen des zn besetzenden Rabbinates, das, wie schon bemerkt, mit keinem materiellen Gewinn verbunden war, nahm eine solche Dimension an, dass beide Parteien an beit Chalifen Alhakim appellirten, damit die in ihrer Mitte hell lodernde Flamme der Zwietracht baldigst gelöscht werde. Alhakim gab dem Wunsche der Majorität Folge und setzte den frommen R- Chanoch als Rabbiner zu Curdowa ein. Vergebens bemühte sich Abitur, den Chalifen umzustimmen und für sich zu gewinnen, obwohl er mit Fug und Recht auf die Verdienste, die er sich um die synagogale Poesie und um die Wissenschaft überhaupt erwarb, hinwies. Der Chalife entschied apodictisch im Sinne der Majorität für N. Chanoch und sprach zu Abitur das merkwürdige Wort*): .Wenn die Araber sich gegen mich auflehnten, wie die Juden gegen Dich, so würde ich vor ihnen entfliehen, und so entfliehe denn!" Er ergriff daher die Flucht und reiste zuerst um 975 nach der Hafenstadt Baena. der Hoffnung noch Raum gebend, dass seine Freunde in Curdowa nicht ermüden werden, für ihn energische und entscheidende Schritte zu thun. Er wollte eine Verbindung mit dem Rabbiner zu Baena anknüpfen, weil er inzwischen von seiner Gegenpartei in Curdowa excommunicirt wurde, und dieser Bannstrahl hatte im Mittelalter bekanntlich eine solcde verwundende Schärfe, dass Viele, die der Bannstrafe anheimsielen, dadurch ihr Leben einbüßten. So erging ek auch unserem trefflichen Dichter und Gelehrten Abitur. Als Letzterer einsah, dass er in Spanien nirgends Asyl sinden konnte, begab er sich nach Afrika, aber auch dort leuchtete ihm nicht des Glückes Strahl. Wenden wir uns eine Weile von dem wandernden Abitur ab, und richten wir unser Augenmerk auf die Vorgänge in Curdowa während Abiturs Wanderschaft. Der Chalife Alhakim starb, und die Macht gcrieth in die Hände des mohamedanischen Majordomus Almansur. Unter der Regierung Dieses gelangten die Parteiführer und Anhänger Abitur's, die Seidenfabrikanten Jbu-Gean zur Herrschaft, weil sie es verstanden, Almansur zu bestechen. Ihr erstes Werk war, den frommen R. Chanoch seines Amtes als Rabbiner zu entheben, und selbst seine früheren eifrigsten Anhänger waren aus Furcht vor den lei Hofe;0 eiuflußreichen Brüdern Jbn-Geau gezwungen, dem N. Chanoch den. Gehorsam zu versagen und nicht als Rabbiner anzuerkennen. Ja die Jbn Geau veranlassten, dass die Majorität der Curdower Gemeinde den in Afrika weilenden Abitur brieflich einlud, dass er zurückkehre, um das Rabbinat zu bekleiden. ■ Während aber in Curdowa die Vorbereitungen zum solennen Empfange des neu creirten Rabbiners getroffen wurden, langte *) עיין צמח דוד אלו היו הישמעאלים בועטים גד׳ באשר! עשו לך היהודים הייתי בורח מפניהם ועתה ברח לך. 1

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