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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-11-19 · Heft 39 (19.11.1884) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 39 (19.11.1884)
Date
1884-11-19
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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liid'tigni und bewährten artistischen Leiter in der Person des chemaligen Hofschauspielers Friedrich M i 1 t e r w urz e r, und dieser wußte wieder für gediegene Stücke und für ein vortrefflicdes Ensemble zu sorgen. Die Namen Mitterwurzer, Sckweighofer, Katbarina Frank und anderer Kräfte, die von ihrem Wirken im Stadttheater wohl bekannt sind, haben einen zu guten Klang, als daß sie nicht vermocht hätten, den finsteren Bann, der über das Carltheater ruhte, zu brecben. Das Vertrauen des Publikums wächst von Tag zu Tag, was sich bei der Slüffübrung der jüngsten Novität, .die große Glocke-, Luststpiel von Oscar Blnmenthal, glänzend bewährte. Ein besonderes Interesse erhielt das Stück noch dadurch, dass Herr Mitterwurzer unter der Dircc-iou Lartatzy zum ersten Male auftrat. Er wurde vom Publikum geradezu enthusiastisch begrüßt. — Ueber die weiteren Details werden wir nächstens berichten. Kleine Chronik. Mrien. (Die Ueberreichung der Martinigänse an den Kaiser.) Wie alljährlich ließ die Preßburger israelitische Cnltusgemeinde auch Heuer Sr. Majestät dem Kaiser durch eine Deputation die Martinigäufe überreichen. Der Kaiser empffug die Deputation in der Hofbürg und sprach seine Zufriedenheit darüber aus. daß die Deputation sich auch in Budapest pünktlich eingestellt habe. (Die Martinigänse wurden früher immer in Wien überreicht.) Sr. Majestät fragte sodann, ob die Ruhe zwischen den Confessionen in Preßburg vollständig wieder hergestellt sei, und als der Sprecher diese Frage bejahte, sagte der Kaiser: ״Das snut mich aufrichtig.׳' Sodann erkundigte sich Se. Majestät über die Zustände der Gemeinde und entließ die Deputation nach längerer Audienz in huldvollster Weise. Im Vorsaale theilte ein Hosbeamter der Deputation mit, daß die Gänse — sechs au der Zahl — aus die kaiserliche Tafel gelangen werden. Wien. Samstag den 15. November hat Herr Prediger Dr. Fried aus Ratibor im Leopoldstädter Tempel eine Probepredigt gehalten. Machart. Auch in unserer Gemeinde wurde das 100jährige Geburrssest des Slr Moses Montefiore durch einen solennen Festgottesdienst gefeiert, zu welchem der hiesige Männergesangverein seine Mitwirkung bereitwilligst zugesagt hatte. Nachdem vor offener Bundeslade ein Lobgebet gesprochen wurde, recitirte Herr Cantor Schwarzköpf einige Psalmen unter Mitwirkung des Tempelchores, woraus der Mänuergesangverein unter persönlicher Leitung seines Dirigenten die Chöre ,.Lag des Herrn" von Kreutzer und ״Ehre Gottes" von Beethoven zu höchst erhebendem Vortrage brachte. Ein regelrecht organisirter Gottesdienst in den Synagogen und Bethäusern der Israeliten ist kein leerer Wahn und kann nicht genug gewürdigt werden. Selbst der hiesige kleine Cultus- Verein, welcher sich durch eine Reihe von Zähren mit freiwilligen oder knapp besoldeten Vorbetern behelfen mußte, konnte sich .dieser That'ache nicht verschließen, und zum ersten Male seit 25 Jahren konnte man hier an den hohen Feiertagen, namentlich am Versöhnungstage, von einer wahrhaft erhebenden. Herz und Gemüth erbauenden Andacht sprechen. Das Verdienst, dies bewirkt zu haben, gebührt unserem, erst seit einigen Monaten angestellten Cantor, Herrn Samuel David, dessen Leistungen als Cantor und Koreh sich allgemeiner Anerkennung erfreuen. Gottbus. Zn der Versammlung des hiesigen sogenannten Patriotischen Vereines (Vorsitzender Herr Landrath und Reichstagscandidat v. Feuke) hielt am Montag vorige Woche der bekannte antisemitische Agitator Liebermann v. Sonnenberg einen Vortrag, in welchem er die edelsten und besten Männer des Judenthums, sowie des liberalen judenfreundlichen Christenlhums furchtbar beschimpfte und mit Schmutz und Koth zu bewerfen suchte. Von diese m Manne darf man freilich nichts Besseres erwarten: Das Betrübende und Schmerzliche für mich lag jedoch in dem lauten Beifalle, der seinen Schmähungen allseitig gezollt wurde, worauf im »Cottbuser Anzeiger* nachstehende Aussätze erschienen: Eine Schmach f ü r D e u t sch l a n d nannte Se. kaiserliche und königliche Hoheit der Kronprinz des deutschen Reiches und von Preußen die antisemitische Bewegung. Bis jetzt spürten wir von dieser Giftpflanze in Cottbus noch wenig. Dem ausschließlich in Patriotismus arbeitenden sogenannten »Patriotischen Verein* aber war es Vorbehalten, durch Verschreiben des bekannten antisemitischen Agitators Liebermann v. Sounenberg die Bewegung auch hierher zu tragen, um für ihren anscheinend der Unterstützung sehr bedürftigen Candidaten Propaganda zu machen. Es muß doch sehr schlecht um die Sache dieser Partei stehen, wenn sie sich von den Reden eines Liebermann v. Sonnenberg Erfolg verspricht, doch zeigt es wenigstens jedem recht und billig Denkenden, in weiches Fahrwasser der »Patriotische Verein* durch gewisse in demselben dominirende Elemente nach und nach gedrängt worden ist; denn .Sage mir, mit wem Du umgehst, und ich will Dir sagen, wer Du bist. * Jeder anständige, selbst streng conservativ denkende Wähler muß sich von einer derartig geführten Agitation mit Verachtung abwenden, und dürste deshalb das Auftreten des Herrn v. Liebermann der conservativen Sache schwerlich von Nutzen gewesen sein. Der gesunde Sinn der Mehrzahl unserer Mitbürger indessen bürgt uns dafür, dass dem »Patriotischen Verein" am 28. October d. I. die ihm für sein provozirendes Vorgehen gebührende Antwort zu Theil werden wird- Mehrere Wähler. Zur Montesiore-Keier. Ueber den Verlauf der Feier berichtet man der ״Münchener Allgemeinen Zeitung": In Ramsgate wurden die öffentlichen Festlichkeiten zur Feier des hundertjährigen Geburtstages Sir Moses Montefiore'S fortgesetzt. Extrazüge brachten große Schaaren von Besuchern nach der freundlichen Seebadestadt, die im Fahnenschmücke prangte. Jedermann trug ein Sträußchen aus rothen und gelben Blumen — die Farben Montefiore's — im Knopfloche. In früher Morgenstunde wurden an die Armen der Stadt warme Decken mit Montefiore's Motto: ״Think and Thank“ (denke und danke), sowie Kohlen vertheilt. Später wurde dem greisen Jubilar eine Glückwunschadresse der Corporation überreicht, bei welcher Gelegenheit Sir Moses dem Bürgermeister von Ramsgate eine schwere goldene Amtskette verehrte und um den Hals hängte. Um 1 Uhr setzte sich der große Festzng zu Ehren Montefiore's in Bewegung, an welchem.sich die städtische Feuerwehr, die Gewerke und andere Vereine betheiligten. In dem Zuge figurirte die von vier Pferden gezogene alte Kutsche, in welcher Sir Moses in Rußland zu reisen pstegte. Die Festlichkeiten endeten mit einem von dem Bürgermeister gegebenen Bankett in der St Georges-Halle und der Abbrennung eines prächtigen Feuerwerkes auf dem East Cliff. --- Das zum 24. October von der Königin Victoria an Sir Moses Montefiore gerichtete Telegramm lautet: ״Ich wünsche meinen aufrichtigen Glückwünsch an Sie an diesem Tage zu erneuern, der ein Jahrhundert von Loyalität und Philanthropie abschließt." Bis zum Abende des 24. October waren in der Behausung des Gefeierten 643 Telegramme und 809 Gratulationsbriefe eingegangen. Die Geschenke sind unzählbar, nicht nur von fast jeder jüdischen Gemeinde in der Welt, sondern auch von vielen anderen Seiten, und das Gesellschaftszimmer ist mit Bouquets und Körben mit Blumen aus allen Theilen der Welt angefüllt. Bukarest. Die »Fraternitate* theilt folgenden Vorfall mit, der ein drastisches Bild der traurigen Lage unserer jüdischen Brüder in Rumänien gibt. In dem Dorfe Miklischeni, in welchem die

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