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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-11-19 · Heft 39 (19.11.1884) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 39 (19.11.1884)
Date
1884-11-19
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Ausschiffung imbeanftänbet gestattet und die beiden Familien gingen freudig ihres Weges. Es war in der That herzergreifend, den Ausdruck der Erleichterung auf dem Gesichte der Väter, das Lächeln auf dem sorgerfüllten Antlitz der Mütter und die Freude und Dankbarkeit der Kinder zu sehen, als man ihnen bedeutete, dass sie an's Land gehen dürften. Das allein wäre wohl die Arbeit eines halben Tages Werth. Wie in früheren Fällen, so hatte auch jetzt Herr Simon Muhr die persönliche Verantwortlichkeit übernommen, dass Keiner eine Last für das Gemeinwesen werden würde. Dieser würdige Herr erließ auch eine öffentliche Aufforderung an die jüdischen Rabbiner oder Prediger Philadelpbia's. in welcher er die beklagenswerthe Lage vieler jüdischer Einwanderer schilderte und es als die Pflicht der Geistlichen vor Allem bezeichnete, durch bäuflge persönliche Kenntnisnahme von dem Leid unserer armen Brüder zu dessen Linderung beizutragen. Eingesen-et. Wohllöbliche Redaction! Schon seit langer Zeit ist es meine Absicht gewesen, die Aufmerksamkeit unseres löblicheit Vereinsvorstandcs auf einen Umstand zu lenken, der baldigste Abhilfe erheischt. Ich hoffte jedoch, dass bei Gelegenheit der Discussion über die Cantoren-.! schule auch diese Frage zur Erörterung kommen werde, allein vergebens. Da bleibt nun nichts Anderes übrig, als selbst die bewusste Angelegenheit in Anregung zu bringen. Es ist wohl allgemein bekannt, dass sehr viele unserer Standesgenossen — besonders in Ungarn — wenn auch mit Stimmmitteln zur Genüge versehen, weder eine geschulte Stimme besitzen, noch über irgend welche Kenntniße der Musiktheorie verfügen; ist ein solcher im Stande, Noten, selbst mühselig, zu lesen, so kann er sich schon als musikalisch gebildeter Mensch dünken. Allgemein wird aber musikalische Bildung von einem Cantor verlangt. Wal sollen wir nun jetzt, da wir zumeist schon längere schon Zeit im Amte sind, thun, um den an uns gestellten Anforderungen gerecht zu werden? Sollen wir vielleicht dafür büßen müssen, dass zu der Zeit, als wir zu einem Amte gelangten, musikalische Bildung nicht gefordert wurde, oder uns die Möglichkeit, eine solche zu erlangen, nicht geboten war? Sollen wir, die wir mit Stimmmitteln genügend versehen und dem Lernen auch nicht abhold sind, darum verkümmern, weil wir in Kreisen gelebt haben, wo ein geregelter Gottesdienst nicht usuell war? — Wie ist da Abhilfe möglich? Blicken wir auf die älteren Lehrer in Ungarn, die durch den Erlass des hohen königlichen Ministeriums, dass jeder Lehrer der ungarischen Sprache mächtig sein müsse, in eine ähnliche Calamität gebracht wurden, da sie zu der Zeit, als sie ihre Studien absolvirten, sich die Kenntnis der ungarischen Sprache nicht angeeignet hatten. Um nun diesem Uebel abzuhelfen, hat das hohe Ministerium für solche Lehrer einen Ferial-Curs eingerichtet, damit sie während der Ferien das Versäumte nachholen und sich in der Landessprache vervollkommnen. Freilich werden, da die Lehrer unter staatlichem Schutze stehen, auch die Kosten dieses Curses vom Staate getragen. Ich glaube nun, der löbliche Vereinsvostand würde sich um die Mitglieder ein großes Verdienst erwerben, wenn er in ähnlicher Weise für jene Cantoren, die sich in der von mir früher geschilderten, misslichen Lage befinden, einen Ferial-Curs während der Fastenzeit im Sommer in's Leben riefe, damit es ihnen gegönnt sei, Musikkenntniße zu erwerben und dadurch für ihre Zukunft einigermaßen Sorge zu tragen. Die Verpflegungskosten müßie natürlich Jeder selbst tragen*). Ein Vereinsmitglied im Namen vieler. *) Es ist höchst bemerkenswerrh, dass gerade aus jenen Kreisen, die von den Gegnern der Cantorenschule als Opfer derselben hingestellr werden, — und diesen gehört der Einsender auch an — die Nothwendigkeit einer solchen Schule, wenn auch in veränderter Form, anerkannt und deren Gründung baldigst gewünscht wird. Der Vereinsvorstand wird sich auch mit dieser Frage ernstens beschäftigen müssen. Erfreulich ist es jedenfalls, dass unter jenen Collegen, die nicht über die nöthige Summe von Wissen verfügen, das Verlangen nach demselben und die Lernbegier sich geltend machen. D. Red. Kteratur und Kunst. — Kronprinz Rudolf hat das Protektorat über ein Werk, welches von dem Präsidenten der Concordia, Herrn Josef Ritter v. Weilen und dem ungarischen Dichter Moriz Jokai, unter dem Titel ,Die öfterr. Monarchie in Bild und Wort', herausgegeben wird, übernommen. Der Zweck dieses Werkes ist eine umfassende und charakteristische Schilderung des Lebens, der Sitten und Gebräuche der verschiedenen Volkselemente der österreichischen Monarchie, und darum wurden von den Herausgebern die vorzüglichsten vaterländischen Schriftsteller als Mitarbeiter ange» worben. Auch die polnisch jüdischen Vechältniße in Galizien sollen in dem genannten Werke Beachtung finden, weshalb sich Josef Ritter v. Weilen, wie der ,,Wiener Israelit" meldet, an den bekannten jüdischen Novellisten, Herrn Leo Herzberg-Fränkel, Secretär der Handelskammer in Brody, wandte, um ihn für diesen Theil des Werkes zu gewinnen. Die Wahl, die der Präsident der Concordia getroffen, ist unbedingt eine glückliche zu neunen, da Herr Leo Herzberg-Fränkel nicht nur ein geistreicher Erzähler, sondern auch als ein treues Kind seines Volkes, mit jüdischen Sitten und Gebräuchen wohl vertrant ist. — Die Lsäuselln-Responsorien ans dem 3. Hefte der Synagogengesänge ^86mirotst1'61 ehaj“, von M. G. Löwenstamm, weiland Obercantor in München, wurden im Tempel der Wiener türkischen Jsraelitengemeiude für allgemein eingeführt, da ihre erste Aufführung an den hoben Feiertagen allgemeinen Beifall fand. — Am 15. September fand in Nensohl ein Concert zu wohlthätigem Zwecke statt, bei welcher Gelegenheit der dortige Cantor, Herr Jacob Großkopf einige Gesangspiecen vortrug. Sein vorzüglich geschulter und klangvoller Bariton erntete einen in jeder Weise gerechtfertigten Beifall. Die ausgezeichnete Leistung bestimmt uns, Herrn Großkopf sowie der Neusohler isr. Gemeinde auf das Herzlichste zu gratuliren. — Gegenwärtig befindet sich am Wiener Hofopernt h e a l e r ein interessanter Gast, der Tenorist, Herr Heinrich Bötel aus Hamburg. Vor zwei Jahren noch saß Herr Bötel am Kutschbocke und fand nur an seinen Genossen ein dankbares Publikum. Director Pollini hörte zufällig von dessen phänomenaler Stimme und unternahm es, den Mann für die Oper einzustudieren. Das Unternehmen ist, wie die Gastspiele Bötels in ״Troubadour" und ״Martha" bewiesen haben, vollkommen gelungen, doch wäre bei dem glänzenden Stimmateriale, über welches der Sänger verfügt, auch ein tieferes Studium der Rollen in Bezug auf Spiel und Mimik gewiss wünschenswerth. — Das Carltheater feiert seine Wiedergeburt. Der Direction T a t a r tz y ist es gelungen, den schon dem gänzlichen Verfalle anheimgegebenen Mnsentempel wieder zu neuem Leben zu erwecken. Die Mittel, die Director Tatartzy anwandte, sind wohl sehr einfach; er verschaffte seinem Unternehmen einen

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