Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 34 (10.10.1884)
- Date
- 1884-10-10
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Dolmetsch inniger Gottesverehrung fungirt und sind dadurch mit dem Familienleben in unserer Gemeinde eng verwachsen. Sie haben Ihr Amt stets pflichtgetreu, eifrig und in erhebender Weise versehen, und deshalb benützen wir heute die freudige Veranlassung, Sie mit dem aufrichtigen Wunsche zu begrüßen, es möge Ihr kräftiges Organ Ihnen erhalten bleiben, damit Sie noch lange Zeit in Ausübung Ihres gottgefälligen Berufes thätig sein können. Wien, 5. October 1884. Aer Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde. M. von Borkenau, Präsident. Arminio (Lohn, Vice-Präsident. Julius Ritter v. Goldschmied, Angelo Ritter v. Ruh, Emanuel Baumgarten. Dr. Th. Lieben, Secretär. An Wohlgeboren Herrn Adolf Fischer, Cantor am Stadt-Tempel in Wien. Gratulationen und Telegramme waren noch eingetroffen, von den Herren: Baron Königswarter, Dr. Ludwig August Frankl, Dr. Wilhelm Taußig, Moriz Fischhos, Bruder des berühmten Dr. Fiscbhof, Rabbiner Dr. Schmidl in Fünfhaus, Rabbiner Dr. Hoff in Proßnitz, Rabbiner Dr. Adler in Pohrlitz, vom Ungarischen Cultusbeamten-Vereine und den Collegen A. Baer in Gothenburg, Birnbaum in Königsberg, Blaustein in Bromberg, Brunner in Jglau, Brandweiner in Austerlitz, Blum in Troppau, Baß in Münchengrätz, Dillmanu in Mariahilf, Deutsch in Breslau, Epstein in Proßnitz, Professor Friedmann in Pest, Freisinger in Pilsen, Fränkl in Strakonitz, Goldmann in Kanizsa, Haas in L. St. Miklos, Haymann in Amsterdam, Kartschmaroff in Kanizsa, Kirschner in München, Kraus in Veröcze, Löwinger in Priwitz, Löwensohn in Prag, Lamm in Brüx, Popper in Prag, Poborsky in Teschen, Nosenheck in Czernowitz, Schäfer in Baden, Stern in Fünfhaus, Schwarz in Mariahilf, Suschny in Pest. Zu dem Ehrengeschenke des österr.-ungar. Cantorenvereines haben beigetragen die Herren Collegen: Müller in Neuhaus, Bauer in Wien, Brandweiner in Austerlitz, Schwarz in Drosau, Baer in Golhenburg, Haymann in Amsterdam, Kohn in Rakonitz, Epstein in Proßnitz, Hahn in Teschen. Götz in Puklitz, Popper in Eger, Lederer in Eger, Weis in Tobitschau, Schlesinger in Hernals, Grünberger in Prerau, Herz in Prerau, Stern in Fünfhaus, A. Notter in Wien, S. Singer in Wien, Schlesinger in Essegg, Blau in Essegg, Blatt in Wien, D. L. Rotter in Wien, Hirsch in Wien, Schiller in Wien, Professor Sulzer, I. Singer in Wien, Fränkl in Strakonitz, Weis in Simonthorny, Haas in L. St. Mitlos, Rosenfeld in Pisek, Weis in Königsberg, Stransky in Graz. Der Vereinsvorstand drückt allen diesen Herren Collegen hiemit seinen Dank aus, besonders aber den Herren Baer in Gothenburg und Haymann in Amsterdam, welche, obwohl Collegen aus dem Auslande, sich in ganz hervorragender Weise an dem Ehrengeschenke betheiligt haben. ■ Am Vorabende des Festes sandte die Gattin des Jubilars, Frau Johanna Fischer, an das Vereinspräsidium eine Rente von hundert Gulden ö. W., mit dem Bedeuten, dass diese Spende zum Andenken an das schöne Fest ihres Mannes dem Vereinsfonde zugeführt werde. Dieser hochherzige Act ist eine erfreulicher Beweis, dass College Fischer niemals, auch nicht im Genüsse des höchsten Glückes, welches ihm durch die seltene Feier beschieden ist, an seine Collegen vergessen kann. Möge der Allmächtige ihm und seiner hochgeehrten Familie auch fernerhin Glück und Segen in vollstem Maße gewähren. Monatsbericht der Alliance Isr. ITniv. (Israeliten Rußlands). In ihrer Nummer vom 2. September veröffentlicht die ,Timest eine Correspondenz über die Lage der Presse in Rußland. Diese Correspondenz enthält interessante Mittheilungen über die israelitische Frage in Rußland und über dis Commission, welche zu Anfang der antisemitischen Unruhen ernannt wurde, um die Gesetzgebung, der die Israeliten unterworfen sind, zu studiren. — Anbei die Stelle aus der ,Times* : Als Graf Jgnatkeff — Nachfolger von Loris Melikoff — die Leitung der Staatsgeschäfte übernahm, beeilte er sich, zahlreiche Commissäre zu ernennen, um in den verschiedensten Zweigen der Verwaltung Reformpläne anszuarbeiten. Die Unruhen, welche in Süden stattgefunden und die Anfechtungen, welche die Jsrae- Uten in anderen Theilen des Kaiserreiches erduldet, mahnten die Negierung daran, sich mit der jüdischen Frage zu beschäftigen, und es wurde eine Commission ernannt, die einen diesbezüglichen Rapport vorbereiten sollte. Diese Frage interessirte lebhaft sowohl das Publikum, wie die Presse und eine freie Discussion über die Lage der Juden hätte jedenfalls das Werk der Commission erleichtert, indem sie ihr einige nutzbringende Maßnahmen an die Hand gegeben hätte. Aber die die Kritik fürchtende Regierung, stets von der Angst geplagt, die öffentliche Meinung auf׳ gereizt zu sehen, und dadurch allerhand Unglück herauf zu beschwören, veröffentlichte am 31. Mai 1881 ein Circular, welches die Veröffentlichung von Artikeln untersagte, welche geeignet wären Unzufriedenheit mit den Maßregeln der Regierung hervorzuruseu, Artikel die nicht geduldet werden dürfen, besonders zu einer Zeit, die solche Schwierigkeiten bietet, wie die jetzige. Mil anderen Worten, man hatte nur die Alternative zu schweigen 1 oder durchgehend alle Maßnahmen der Regierung zu loben. Am 19. September hielt es die höchste Behörde für ange- ׳ zeigt, die Veröffentlichung jeder Nachricht zu inhibiren, welche sich auf den Rapport der Special-Commission bezüglich des Verhältnisses zwischen der russischen und jüdischen Bevölkerung bezog. Am 20. April wurde wiederum ein Circular verbreitet, durch welches es verboten wurde, dem Publikum Mittheilung zu geben über die im Ministerrath gepflogenen Verhandlungen in Bezug auf die Juden, und im Allgemeinen die israelitische Frage zu behandeln. Der Telegraphe, eine Zeitung, welche gegründet wurde, um die Interessen der Juden zu vertheidigen und eine Fusion der beiden Racen herbeizuführen, erhielt das Verbot, die jüdische Frage zu berühren. (Die Israeliten Rumäniens.) Die Lage der Israeliten in Rumänien, wo sie durch das neue Colportage-Gesetz an den Bettelstab gebracht worden, wird von Tag zu Tag beklagenswerther. Die Hilfsmittel, welche man zusammenbringen konnte, um diesen Unglücklichen zu Hilfe zu kommen, erschöpfen sich, oder sind es schon. Einige israelitische Familien aus Jassy hatten sich — um dem schrecklichen Schicksal zu entgehen — nach den Vereinigten Staaten eingeschifft; da sie jedoch ganz mittellos waren, verboten ihnen die amerikanischen Behörden sich auszuschiffen, und sie mußten nach Europa zurückkehren. Ein zweiter Zug aus