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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-10-10 · Heft 34 (10.10.1884) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 34 (10.10.1884)
Date
1884-10-10
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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— -4 — Schriftführer A. Notier, die Controlore I. Schiller und D. L. Rotier, die Ausschussmitglieder S Hirsch, Ai. Schlesinger und S. Singer, ferner College M. Blatt, um korporativ dem Jubilar zu gratulircn und ihm das Ehrengeschenk der Vereins- Mitglieder zu überreichen. College Stern aus Fünshaus war durch Bernfspsiichten verhindert und hatte sein Nichterscheinen brieflich entschuldigt. — Das Ebrengeschenk bestand aus einem kunstvoll gearbeiteten, silbernen Lorbeerkranz, in dessen vergoldeten Schleifen die Zahlen 1844- 1884 eingravirt sind. In der Mitte des Kranzes befindet sich ein silberner, sein vergoldeter Schild mit solgeuder Widmung: ,Dem Herrn Adolf Fischer in Anerkennung seiner hervorragenden Verdienste zu seinem vierzigjährigen Amtsjubiläum, als Cantor der israelitischen Cultusgemeinde in Wien, gewidmet vom Oesterreichisch-ungarischen Cantorenvereine. Wien, am 5. October 1884. — Kranz und Schild ruhen auf einem blauen Seidenkissen, und das Ganze ist in eine prachtvolle, mit kunstvollen Beschlägen reich verzierte Cassette gebettet. — Unter Vorantritt des Präsidiums begab sich die Deputation zum Jubilar, wo eben auch nebst vielen anderen Gratulanten der Vicepräses der Wiener Cultusgemeinde, kaiserl. Rath Arminio Cohn, anwesend war. Präses Obercantor Singer hielt nun f01־־ gende Ansprache: Verehrter Herr College! .Es ist mir seitens der Mitglieder unseres schönen Vereines, wie einer großen Anzahl jüdischer Cantoren des In- und Auslandes die angenehme Mission zuertheilt worden. Ihnen zu Ihrem heutigen Jubelfeste herzinnige Segenswünsche zu über- Mitteln. Indem ich mich dieses lieben Auftrages entledige, gestatten Sie mir, auch eine persönliche Bemerkung hinzusügen zu dürfen. Angesichts ihrer patriarchalischen Lebensweise, angesichts Ihres heiligen Berufes und hauptsächlich in Anbetracht des Namens אברהם, den Sie tragen, liegt eine Parallele zwischen Ihnen, verehrter Herr College, und den jüdischen Stammvätern sehr nahe — und gerade auf diesen Vergleich bezieht sich meine persönliche Bemerkung. — Wie bekannt, hatten unsere Stammväter mannigfache Querzüge, mannigfache Wanderungen durch Länder und Städte zu bestehen, bis sie an das Ziel ihrer Bestrebungen und frommen Aufgabe gelangten, und die hebräische Sprache, die ja stets in der Bezeichnung, selbst sinnverwandter Begriffe, ungemein prägnant ist, hat auch für diese mannigfache Thätigkeit 11111) Wauderzüge uuserer Stammväter ganz eigenartige Worte gewählt. So finden wir bei den Stammvätern pW und יעקב unter anderen auch ein Wort, welches bei אברהם nicht ein einziges Mal vorkömmt, und zwar das Wort ויצא. — Mich will es bedünken, als ob die Bezeichnung ויצא ein absichtsloses Gehen involvirt, und zwar ein Ergehen ויצא יצחק לשוח. Bei unserem Stammvater אברהם nun, dessen Lebensaufgabe eine überaus ernste und heilige war, der demnach keine Zeit und kein Gelüste nach absichtslosem Umhergehen hatte, finden wir ganz treffend die verschiedensten Ausdrücke als ׳ויעל ,ויעתק יויםע ׳ויעבר ,וילך וישב re. aber nicht ein einziges Mal ויצא. Nun, hochverehrter Herr College, auch Ihr Lebensweg war von frühester Jugend bis am den heutigen Tag ein solcher, dass der Ausdruck ויצא nicht angewendet werden kann; in frühester Jugend schon rief Ihnen der Ernst des Lebens das ילך לך zu, und Sie mußten den Wanderstab ergreifen וילך; auch Sie hatten mannigfache Querzüge ויעבר und Uebersiedlungen ויסע ויעתק u. s. w. mitzumachen, auch Sie mußten die Niederungen des Lebens betreten חרר, des Lebens Bürde tragen, bis Sie endlich zur Höhe gelangten ויעל. Welches ist nun diese Höhe? Nicht das, was man sonst im Leben mit dem Ausdrucke ״Höhe" bezeichnet, als Geld und Glücksgüter rc nennen Sie, verehrter Herr College, heute, nach einer so seltenen Leistungßdauer Ihr Eigen, sondern Sie haben durch Ihren heiligen Berus, wie durch Ihre seltene Pflichttreue das jüdische Cantorat zu Ehren gebracht, und hiefür spreche ich Ihnen im Namen des jüdischen Cantorenthnms wahrhaften und tiefgefühlten Dank aus und bitte Sie gleichzeitig, als äußeres Zeichen unseres Dankes, diesen silbernen Kranz von uns anzunehmen. Mö e der Vater da droben es so fügen, dass Sie noch lange, lange Jahre beim jedesmaligen Betrachten dieses Kranzes, sich dieser heiligen Stunde erinnern, mögen Sie fügendfrisch wie heute, noch viele Jahre wirken und schaffen zur Erbauung der Andächtigen und zum Glücke für Ihre Familie אמן." Hierauf überreichte Obercantor I. Bauer im Namen der Nedaction der österreich-ungarischen Cantoren-Zeitung eine reich verzierte Festnummer dieses Blattes, welche in einer sein ausausgestatteten Envelope ruhte. Dieselbe trug an der Außenseite in Goldbuchstaben die Widmung: ״Herrn Cantor Adolf Fischer zu seinem 40jährigen Amtjubiläum, gewidmet von Obercantor I. Bauer, Eigenthümer und Herausgeber der österr.-nng. Cantoren-Zeitung/' Auch Obercantor Singer übergab dem Jubilar zur Erinnerung an diesen Tag den kalligraphisch ausgeführten Mischeberach in prachtvoller reicher Seiden - Envelope. — Mit Ueberreichung des Ehrengeschenkes von Seite des Cantoren- Vereines und den Kundgebungen aus dem Collegenkreise erreichte das schöne Fest gewissermaßen den Höhepunkt. Cantor Fischer dankte tief gerührt und erklärte, dass er auch fernerhin bestrebt sein werde, mit allen Kräften für das Wohl der Collegenschaft einzutreten. Der Vice-Präsident der Wiener Cultusgemeinde, welcher während der von dem Cantorenvereine und der Cantoren-Zeitung dem Jubilar dargebrachten Ovation an der Seite des Letzteren stand, war höchst überrascht und gab seiner Freude Ausdruck über die schöne und würdige Weise, in welcher Fischer von seinen Collegen gefeiert wurde. Nach den Vertretern des Cantorenvereines erschien die Deputation der Quartettsänger von beiden Wiener Synagogen, geführt von Herrn Liebesny. Derselbe richtete eine herzliche Ansprache an den Jubilar, worauf demselben das Festgeschenk, ein prachtvolles silbernes Thee-Service, überreicht wurde. Die Opserwilligkeit, mit welcher die Quarkettsänger an dem schönen Geschenke theilnahmen, muss besonders hervorgehoben werden. — Die Gemeindediener, unter Führung des Herrn Schnitzler, überreichten dem Jubilar einen silbernen Pokal. Unter anderen Geschenken sind noch hervorzuheben ein silbener Tafelaufsatz von dem Schwiegersöhne des Cantor Fischer, dem Herrn Ritter von Nassauer, ein wohlgetroffenes Oelgemäldeporträt des Jubilars, gespendet von Herrn Cantor Schiller in Wien, ein silbernes Tintenfass von Herrn Professor Friedmann in Pest, einen kostbaren Ring mit hebräischer Inschrift, eine Reliquie aus dem gelobten Lande, gespendet von Dr. Ludwig August Frankl. Der Vorstand der Wiener israel. Cultusgemeinde richtete an Herrn Cantor Fischer aus Anlass seines Jubiläums folgendes, höchst ehrenvolle Schreiben: Geehrter Herr Cantor! Durch einen Zeitraum von vier Jahrzehnten wirken Sie an der weihevollen Stätte des Stadt-Bethauses als Cantor. Während dieser geraumen Zeit haben Sie, theils selbstständig, theils an der Seite des Altmeisters jüdischer Choral- Gesänge im Bethause zur Verherrlichung unseres erhabenen Schöpfers beigetragen; Sie haben bei freudigen und traurigen Anlässen einer großen Zahl unserer Gemeindemitglieder als

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