Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 34 (10.10.1884)
- Date
- 1884-10-10
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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sonders bei Noten von größerer Geltung ein. Um sie zu verhüten, - muss der Sänger die Anhängung des zweiten Vocaies, des i und ü, bis auf den letzten Moment der zu haltenden Note verschieben, so dass sie höcbstens ein Viernndsechzigtheil an Zeitwerth beträgt. Widrigenfalls erfolgt sofort die Wortvsrderbnis, dass zwei Vocale statt eines einzigen gehört werden. Zn einer guten Aussprache gehört ferner die genaueste Betonung aller Consonanlen. Es ist allemal ein Zeichen geringer Ausbildung, wenn diese vernachlässigt wird. Am meisten ist dieser Vorwurf den deutschen Sängern zu machen, die mit den Dypbthongen und Consonanlen gewöhnlich eine klägliche Wirlbschaft treiben. Den allermeisten von ihnen ist es eine Kleinigkeit, für t ein d, für p ein b, für eu ein ai u. s. w. einzuschmuggeln. Gegen solche unverantwortliche Sprachfäli'chung muss ein guter Gesanglehrer um so mehr eifern, als von der scharfen Articulation der Consonanten die Klarheit und Deutlichkeit der gesummten Aussprache hauptsächlich abhängt. — Insofern hier die Ausspräche der einzelnen Consonanten in Frage kommt, so setzen wir ihre Kenntnis, als dem Gebiete der Grammatik angehörend, bei einem Schüler der Gesangkunst mit Recht voraus, enthalten uns daher des Eingehens auf die Erklärung dieser Aussprache und legen sie nur den Lehrern und Schülern auf's nachdrücklichste an's Herz. Die Articulation der Consonanten dagegen müssen wir einer näheren Erörterung unterwerfen. Unter Articulation der Miilanter ist nämlich die Art und Weise zu verstehen, die Anvip-.acbe der Consonanlen mehr oder minder zu kräftigen und hörbar zu machen. Das Maaß dafür gibt vorzugsweise die Größe des Raumes, wo gesungen wird und die Anzahl der Zu- Hörer. -In einem großen Saale und in Anwesenheit einer großen Volksmenge müssen die Mitlauter kräftiger articnlirt werden, als im Zimmer vor einigen wenigen Hörern, während die Aussprache unter allen Umständen dieselbe bleibt. Aber auch die auszudrückende Empsindung ist nicht ohne Einstuss auf die Articulation, insofern eine sanfte Empsindung eine weichere Behandlung der Mitlanter bedingt als eine wilde Leidenschaft. Besondere Rücksicht fordern im Deutschen die Consonanten 1 und 1-, wenn sie am Ende einer musikalisch und sprachlich kurz betonten Silbe stehen, m und n, wenn sie eine kurze oder lange Silbe schließen. Im ersten Falle wizd der kurze Voeal von vielen Sängern ganz weggelassen, wie z. D. in ,Tadel*, ,Mutter* n. s. w., woraus dann ,Tadll*, ,Muttrr* wird. Im zweiten Falle wird von Vielen ein Theil von der Geltung der zu singenden Note auf den Consonanten m und. n ausgehalten, oder ebenfalls der Selbstlauter, wenn er ein kurzer ist, ganz weggelassen, z. B. in ,Gesetzen', ,Thaten*, welche Worte dann statt der Schluss- Silbe den häßlichen langen Nasenton ״nnnn“ haben. Wer dergleichen bewirkt, verräth allemal einen schlechten Geschmack. Der Ton kann nur mit Vocal-n gegeben werden, und die Consonanten müssen mit derselben Schnelligkeit, welche für die Bildung der Dyphthongen vorgeschrieben wurde, an sie angehängt werden. Durch die angeführten Wortverderbniße werden natürlich ganze musikalische Phrasen, Figuren, Perioden zerrissen, denn weil eben der Ton nur auf Vocalen gebildet werden kann, so fallen durch jene Sprachfälschung natürlich ganze Töne aus der musikalischen Phrase aus, weshalb sie denn mit Recht eine zerrissene genannt wird. — Im Recitativ, wo dem Sänger volle Freiheit gelassen ist, die Töne zu verlängern und zu verkürzen, muss er den prosodischen Werth der Silben berücksichtigen, damit er nicht kurze Silben lang und lange Silben kurz betone. Das vierzigjährige Amtsjubiläum des Caator Adolf Filcher in Wien am 5. October 1884 יום ב' דסוכות תרמ״ד Die höchst solenne Weise, in welcher sich hervorragende Vertreter des Judenthums, viele bedeutende Mitglieder der Wiener Gemeinde, das Gros der Collcgenschaft des In- und Auslandes, sowie zahlreiche Freunde und Gönner des Jubilars vereinigt hatten, das vierzigjährige Amtsjubiläum unseres Berufkgenossen Adolf Fischer, als Cantor der israelitischen Gemeinde in Wien, zu feiern, müssen den Jubilar und auch uns mit stolzer Geuugtbuung und Freude erfüllen. Die vielen ehrenvollen Beweise von Sympathie und Hochachtung, die ihm bei dieser Gelegenheit von allen Seiten dargebracht wurden, geben zugleich ein sicheres Zeugnis, dass es nicht einer hoben Stellung und großer Thaten bedarf, um Anerkennung und Ehre zu ernten, sondern dass auch in einem bescheidenen Wirkungskreise ehrliches Streben und treue Pflichterfüllung gebührend gewürdigt werden. Eine doppelte Festesstimmung berrschte in der Synagoge und Jedermann bezeugte es offen, dass er nicht nur gekommen sei, das Fest Gottes, sondern auch das seines Dieners zu feiern. Es war eine stille aber bedeutsame Kundgebung der Hochachtling für den Jubilar, dass sich die ganze Gemeinde wie ein Mann von ihren Sitzen erhob, als Derselbe mit vollem Namen als Maftir zur Thora gerufen wurde. Nach Verlesung des Tboraabschnitteö wurde von Obercantor Singer folgender Nischeberach unter Assistenz des Chores höchst wirkungsvoll vorgetragen: מי שברך אבותינו אברהם יצחק ויעקב הוא יברך את מורינו הרב רבי אברהם בן רבי יעקב בעבור ששרת בקדש בעדתנו כיום הזה זה ארבעים שנה, ועשה מלאכת ה, בתום לב באהבה וביראה ובאמונה פעמים בכל יום בבקר ובערב בבית הכנסת בתחינה ובמועדי אל בתפלה בשירה וברעה הקדוש ברוך הוא יהייהו וישמרהו ויחזקהו׳ ויוסיף לו שנות היים וברבה ושלום ושלוה׳ וישמח את לבו בחג הסבות עם כל אהיו בני ישראל ונאמר.אמך Hierauf las der Jubilar die Haftora und bei der Stelle ולא־יבלו הבחנים לעמד לשרת מפני הענן כי־מלא כבוד יהוד. את בית יהוד. merkte man an seiner tief bewegten Stimme, dass auch ihm es schwer wurde in diesem Momente vor dem Altar des Ewigen zu stehen, dass sein Herz von Dank überfloss zu Gott, der ihm dieses seltene Glück zu Theil werden ließ. Nach beendigtem Gottesdienste erschien in der Wohnung des Jubilars eine große Anzahl von Gratulanten, unter welchen wir den Präsidenten der Alliance, Herrn Josef Ritter v. Wertheimer, Dr. Ludwig August Frankl, Baurath Stiaßny und viele hervorragende Gemeindemitglieder bemerkten. Von den Corporationell erschien als erste eine Deputation des Bethausvorstandes, bestehend aus den Herren Vorstehern, Bachrach, Dr. Kohn. Kohnberger und Stiaßny. Herr Dr. Kohn übermittelte als Sprecher der Deputation die Glückwünsche des Vorstandes und überreichte als Ehrengeschenk einen prachtvollen silbernen Tafelaufsatz. — Hierauf erschieuen als Deputation der Beamten der Cultußgemeinde unter Führung des kaiserl. Rathes Dr. Wölfler, die Prediger Dr. Jellinek und Dr. Güdemann, Secretär Dr- Lieben, College Goldstein rc. Dr. Jellinek gratulirte in einer geistvollen Ansprache zu dem seltenen Feste und überreichte dem Jubilar eine goldene, mit Diamanten besetze Busennadel. Um 12 Uhr versammelten sich in dem im Tempelgebäude besindlichen Vereinsloeale die Vorstandsmitglieder des Cantoren- Vereines, und zwar: Präses Singer, Präses-Stellvertreter Bauer,