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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-09-18 · Heft 32 (18.9.1884) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 32 (18.9.1884)
Date
1884-09-18
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Der Messias, der nach dem Tode seiner Frau Fatima Radini zum viertenmale die Tochter des gelehrten Rabbi Joseph Philosophus ehelichte, der noch vor Kurzem in der ersten Stadt des osmanischen Reiches' von den Reichthümern, welche Verblendete ihm zuschleppten, und im Besitze der Gunst des Groß- Herrn ein glänzendes Leben führte, mußte sich jetzt nebst seinem Weibe, seinen Kindern, Schwiegervater und einer kleinen Anzahl der Mitgefangenen Anhänger in dem engen Kreise eines unbedeutenden türkischen Forts als Staatsgefangener bewegen, wo er auch am 10. September 1676 am Versöhnungstage im 51. Lebensjahre seine schwärmerische Laufbahn an den Folgen einer Kolik als Muselman beschloss, Das User der nahen Donau verschließt Sabbathey Zrvy's Gebeine. Die Welle scheint ihm zuzuflüstern, ׳ dass falsche Größe nur einen Augenblick sich erhebt, um aus ewig wieder zu verrinnen. Dennoch hat Sabbathey unter den Türken sich den Ruf eines Heiligen errungen. Kein Moslim zieht hier vorüber, ohne an seinem Grabe zu beten. . Kleine Chronik. . Arünn, .5. September. Bei der vom Statthaltereirathe Ruziczka und dem Bezirkscommissär Baron Aichelberg geleiteten Versammlung von Delegirtey der israelitischen Cultusgemeinden Mährens, gaben diese ihre Wünsche betreffs des Umfanges der ihren Gemeinden zuzutheilenden Gebiete zu Protokoll. Da die Ansprüche mehrerer Nachbargemeinden hierin collidiren, wird die Statthalterei nach Einvernahme des Landesrabbinates und ferneren Erhebungen die schließliche Entscheidun g treffen. Außer den bestehenden Cultusgemeinden waren auch die um Bewilligung der Constituirung eingeschrittenen israelitischen Cultusvereine in Olmütz, Ungar.-Hradisch und Walachisch- Meseritsch vertreten. Weue Kerte des allen Testaments. Aus Petersburg wird geschrieben: Der letzte Band der Memoiren der Akademie der Wiffenschäften bringt einen Bericht des Orientalisten Dr. Harkavy über die von ihm aufgefundenen neuen Texte des alten Testamentes in hebräischer Sprache, welche auf Pergamcntrollen geschrieben sind und auf die Propheten und Homographen, nicht aber, wie es anfänglich hieß, auf den Pentateuch Bezug haben. Im Ganzen fand Dr. Harkavy 51 Handschreiben, wovon 31 schon entziffert sind. Auf Grund seiner Untersuchungen ist er zur Ansicht gelangt, dass die Handschriften dem 12. Jahrhunderte angehoren und von einer jüdischen Secte stammen. Die diese Secte von den übrigen Juden unterscheidende Eigenthümlichkeit bestand darin, dass sie den Samstag nicht vom Freitag Abend rechneten, sondern von Samstag Morgen bis zum Morgen des folgenden Tages. Reisende, wie Benjamin von Tudela Abr. Jbn Esra und Andere thun dieser Secte Erwähnung. Obgleich die aufgefundenen Handschriften gerade wegen verschiedentlich er Abweichungen von dem bekannten Bibeltexte intereffant sind, so ist doch die Behauptung, diese Varianten veränderten den Sinn vieler Bibelstellen, nicht begründet. Das Jntereffe der Varianten liegt ausschließlich auf phylologischem und archäologischem Gebiete. Kottvus. Anfang September. (Orig.-Corresp.) — Unlieb verspätet. — Am Sonntag den 17. v. M. feierte der Cantor und Rabbiner, I. S t e r n in Strelno und deffen Ehefrau, Karoline geb. Pulvermann, das seltene Fest ihrer goldenen Hochzeit. Der Jubilar, welchem seine Gemeinde die Entstehung und das Aufblühen von nicht weniger als vier wohlthätigen Anstalten בקדר תולים rfQfi חברא קדישא׳ מלבושי ערומים׳ וגמילות חסדים zu verdanken hat, sowie deffen Gattin, erfreuen sich allseitigster Achtung und Verehrung, welche sich auch bei diesem schönen Feste in glänzendster Weise documentirte. Sechs Kinder des Jubelpaares, sowie zahlreiche Enkel, viele Verwandte und Freunde aus Nah und Fern haben sich eingefunden, um die schöne Feier zu verherrlichen. Bereits am Sabbath den 16. August' trafen sehr viele Gratulationen von Freunden, Bekannten und früheren' Schülern des Herrn Stern, zu denen unter Anderen auch Cantor Sarasohn in Stettin und der Unterzeichnete gehören, ein. Am. Sonntag-Morgen brachte die israelitische Schuljugnid ein Ständchen unter Absingen einiger Psalmen. Vormittags erschien der Synagogen- Vorstand und sämmtliche Repräsentanten, sowie die Vorstände aller' vom Jubilar gegründeten Vereine und überreichten Glückwunsch- Adressen und werthvolle Geschenke. Bei dieser Gelegenheit hielt der Gemeindepräses eine .geistvolle Ansprache, worauf der Jubilar tiefempfundene und warme Dankesworte erwiederte. Etwas, später kamen unzählige Gratulanten aller Confessionen und Berufsclassen, um ihre Theilnahme und Hochschätzung zu erkennen zu geben. Nachmittags 1 Uhr erschienen der Magistrat und die Stadtverordneten, sowie, eine Deputation der evangelischen Schulen und. brachten ebenfalls Glückwünsche dar. Abends fand in der Behausung des . Jubelpaares ein großartiges Festessen statt, bei welchem der Jubilar einen tiefergreifenden Vortrag hielt. Das köstliche Mahl .dauerte bis 2 Uhr Nachts. Gott -segne' underhalte noch lange das greise Jubelpaar in jugendlicher Frische und Gesundheit. ׳ ... . . (Vorstandswahl) Bei der hier.vor Kurzem stattgefundenen Wahl׳, eines Synagogen-Bezirksvorstandes sind die Herren M. Freund (I.) und Ad. Kempner (II.-), welche Hereits seit vielen Jahren dieses׳ Ehrenamt bekleiden, einstimmig wiedergewählt, dagegen wurde an Stelle des ausgetretenen Herrn Hoflieferanten H. - Lichtenstein der Fabriksbesitzer Herr I. Lasker neugewählt. — Wie ich soeben aus zuverlässiger Quelle erfahre, ist der Herr College Jtzig, bisher in Berlin, züm 1. Cantor und Religions? lehrer in G örli tz ernannt worden. In Folge dessen ist die von ihm bisher innegehabte Stelle in Berlin vacant und soll schleunigst wieder besetzt werden. —׳ Abermals ist ein College desertirt: derfrühere Cultusbeamte in Lübben, Herr H Zuckermandel (Bruder des berühmten Oberrabbiners Z. in Trier), hat sich in Lübenau als - Kauf-׳ mann etablirt. Derselbe ist nunmehr Mitglied der hiesigen jüdischen Gemeinde; an seiner Stelle in L. wirkt jetzt der Cantor Feibel, früher in Colmar. — Von Berlin aus werden neuerdings unzählige Exemplare von antisemitischen Hetzblättern und Schmähschriften gegen die Juden verbreitet. Diese Schandblätter werden auch hier in großen Maffen vertheilt, doch finden sie hier wenig Beachtung. — Seit einigen Jahren erschien hier in Cottbus unter dem Titel »Niederlausitzer Bote* ein echt antisemitisches Hetzblatt. Seit einigen Monaten ist dieses Blatt in den Verlag des Herrn H. Wolf übergegangen und hat seine Tendenz gänzlich geändert. Es trägt jetzt den Namen »Cottbuser Zeitung ״ in Ehren, und wird von den Juden gern gelesen und durch Inserate wesentlich unterstützt und erhalten. — Zu obiger Notiz erlaube ich mir noch, ergebenst hinzuzufügen, dass Herr Zuckermandel der erste und einzige Jud e ist, der sich in Lübenau niedergelaffeu. Trotzdem macht er dort ein sehr gutes Geschäft (Garderob.) und bedauert sehr, dass er nicht schon früher aus dem Amte geschieden. Mit collegialem Gruß A. Z adek. Unkenntnis der jüdischen Gebräuche. — An einem der letzten Samstage kam ein Herr zu mir, deffen Frau nach glück-׳ sicher Entbindung von einem Töchterchen wieder zum ersten Male in den Tempel ging, und ersuchte mich, er wünsche, dass der übliche Joscbew besejser gemacht, resp. gesungen werde. Ich erwiederte׳ ihm, dass er wahrscheinlich den Smejchim bezejsom meine, er jedoch verharrte bei seinem ersten Ansuchen und erst nach vielem Aureden gelang es den Mann davon zu überzeugen, dass bei solchen- ׳ Anläffen kein Joschew besejser gesungen werden könne. A. L.

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