Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 32 (18.9.1884)
- Date
- 1884-09-18
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Ungefähr 20.000 Menschen sind ihrer Exiftcnzmittel beraubt worden und an den Bettelstab gekrackt. Zn Bacau, Bottusani, Braila, Bucarest, Galatz, Jassy, Roman rc. müssen sick Hunderte von Familien an die öffentliche Wohlkhätigkeit wenden, um nicht Hungers zu sterben; einige dieser Armen haben diesem Elend den Tod vorgezogen. . Familienväter, verzweifelt über die Leiden ihrer Kinder, die nach Brod verlangten, versuchten es, als Arbeiter in den Hären unterzukommen, oder als Feld- und Wegebauarbeiler Beschäftigung zu finden, aber die christlichen Arbeiter schaffen ihnen alle möglichen Schwierigkeiten, beschimpfen sie, schlagen sie und verbieten ihnen den Arbeitsplatz zu betreten- Wenn es in den seltensten Fällen einigen Israeliten gelingt Arbeit zu finden, sind sie gezwungen, um nicht mißhandelt zu werden, einen Thcil ihres Lohnes ihren christlichen Kameraden abzugeben. Man erzählt von einem israelitischen Arbeiter in einem rumänischen Hafen — Vater einer zahlreichen Familie — welcher an jedem Tage von seinen 5 Francs betragenden Lohn 1 Francs einem christlichen Arbeiter abgeben mußte, um ungestört arbeiten zu können. Die Entbehrungen aller Art, worunter die Opfer des neuen Gesetzes leiden, sind derart, dass in Galatz, z. B. die Sterblichkeit unter den. Juden bedeutend zugenommen hat. (Bukarester Zeitung, vom 25. Juni.) Eine große Anzahl rumänischer Israeliten versuchten es, durch Auswanderung dem Jammer zu entgehen. Einige von ihnen haben sich in Bulgarien niedergelassen» in Serbien, andere möchten nach Amerika. Ein ganzer Zug rumänischer Auswanderer ist kürzlich von Jassy nach den Vereinigten Staaten abgegangen; aber es ist nicht leicht auszuwandern, wenn man ganz mittellos ist, und die rumänischen Juden, welche ohne die erforderlichen - Mittel zur Niederlassung nach Amerika gingen, wären von vornherein dem Elend verfallen. Und dennoch, was sollen sie an- , fangen! Man weiß, dass es den rumänischen Juden nicht gestattet ist, den Ackerbau zu betreiben; das Gesetz verbietet ihnen auf dem Lande zu wohnen, Boden zu besitzen; man bat weiter oben gesehen, wie ihre Arbeitsanträge angenommen werden. Nur die Abschaffung der Ausnahmegesetze könnte unseren unglücklichen Glaubensgenossen die erforderliche Hilfe bringen. Die christlichen Kaufleute und die Arbeiter fangen übrigens an gegen das Colportagegesetz zu protestiren; dasselbe fügte ihnen großen Schaden zu, den Einen, weil sie keinen Absatz finden für den Rest ihrer Waarenbestände, den Anderen, weil sie — in den entfernten Vorstädten wohnend und den ganzen Tag an ihre Arbeit gefesselt — nicht ohne großen Zeitverlust in den entfernten Läden die Gegenstände, welcher sie täglich bedürfen, zusammen kaufen können, wogegen sie ihnen früher von den Hausirern in's Haus gebracht wurden. Die Arbeiter des Dealu- Spiri-Viertels in Bukarest, haben daher beschlossen, beim König cinzukommen wegen Abschaffung des Gesetzes über den Hausirhandel. Auch haben einige Arbeiter dieser Stadt, welche entfernte Stadtviertel bewohnen,, eine Manifestation gegen dieses Gesetz auf dem Geocgienplatz in Scene gesetzt. Auch die Wiener Handelskammer hat gegen dieses Gesetz protestirt. In ihrer Sitzung vom 3. April hat diese Kammer, nachdem sie in Kenntnis gekommen von einer Klage, welche ein . österreichisch-ungarischer Unterthan, der in Rumänien domicilirt ist und sich in seinen Interessen durch das neue Gesetz geschädigt sieht, eingereicht hatte, erklärt, dass sich dieses Gesetz im Widerspruch befindet mit dem rumänisch - österreichisch - ungarischen Handelsvertrag vom 22. Juni 1875, wonach die österreichischen Unterthanen in Rumänien volle Handelsfreiheit genießen müssen. In Folge dessen hat die Kammer beschlossen, sich an die höchste Bebörde zu wenden, damit sie der rumänischen Regierung diesbezügliche Vorstellungen mache. Sabbathey Zwy eine biographische Skizze von Dr. H. (Schluss.) Der Sultan ließ nun Sabbathey nach Adrianopel bringen und sagte zu ihm: ,Ich will mich von der Echtheit Deiner Sendung überzeugen. Drei vergiftete Pfeile lasse ich nach Dir schießen; bleibst Du unverwundet, so bist Du der Messias der Juden. Guido, ein jüdischer Renegat, Hofdolmetsch und Leibarzt des Großberrn, erklärte Sabbathey den Entschluss seines Beherrschers und rieth ihm, um dem gewissen Tode zu entgehen, unverzüglich zur Lehre Mohameds sich zu bekennen. Der bebende Messias legte seine Mütze zur Erde, nahm dem nächsten Pagen den Turban ab, setzte ihn auf und ward Muselmann. Gegen alle Erwartung beschenkte der Großherr ihn mit einem Ehrenpelze, gab ihm den Namen Aga Mehmed Effendi, ernannte ihn zum Kapigi Pascha, beorderte den Hofdolmetsch, ihn in der türkischen Sprache, und den Mufti, ihn in der Religion zu unterrichten. Auch seine Frau Sarah, oder wie einige wollen, Miriam, bekannte sich zur Lehre deS Propheten und erhielt den Namen Fatima Radini. Einige Tage nach feiner Bekehrung erließ Sabbathey an seine Anhänger folgendes Schreiben: .Von mir, Mehmed Kapigi Pascha, an meine Brüder in Israel! Ich mache Euch hiermit bekannt, dass Gott mich von einem Israeliten in einen Jsmaetiten umgewandelt habe; denn er sprach und es ward, er befahl und es geschah. Am neunten Tage nach meiner Erneuerung zu Folge seines geheiligten Willens. Von mir, Eueren Bruder Mehmed Kapigi Pascha.' Wie durch einen Zauberschlag verstummten auf einmal Sabbathey's Sendung verkündende Propheten und Prophetinnen, und der größte Theil seiner Anhänger zog sich beschämt in den Hintergrund. Doch gab es noch Manche, die selbst am Hellen Tage nicht sahen und noch immer zum Erlöser pilgcrten. Diesen erwies er aus der Kabbala, dass sein Sckritt nothwendig war, dass der Messias vor Beendigung seines Erlösungsgeschäftes eine Zeit lang unter den Heiden weilen müsse, dass Moses, bevor er die Israeliten aus Egypten geführt *), unter den Aethiopiern gelebt habe, dass nach dem Propheten Jesaias der Messias zu den Verbrechern werde gezählt werden **). So hielten sich noch manche Verblendete an ihn, die. weil er es gut hieß, auch zur Lehre Mohameds sich öffentlich bekannten, im Geheimen aber, so wie er selbst, nach jüdischen Gebräuchen lebten. Wenn dem Klugen ein Wink genügt, um zur Wahrheit zurückzukehren, so muss der Thor erst zweimal fehlen, bis er seinen Jrrthum sieht. Es sammelten sich abermals, durch dieses Betragen verleitet, die alten Anhänger um des Messias Banner und das Zuströmen war so groß, dass die Rabbinen die gänzliche Auflösung des Judenthums besorgten. Sie sannen auf ein kräftiges Gegenmittel und fanden es in der Allgewalt des Goldes, die sie dem Großvezier spendeten, welcher Sabbathey unter dem Vorwände, dass er weder Jude noch Moslim sei. auf Befehl des Sultans aufheben und nach einer kleinen Feste unweit Belgrad abführen ließ. *) Nach einer kabbalistischen Sage. **) Cap. Lin.