Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 32 (18.9.1884)
- Date
- 1884-09-18
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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3 — des erwähnten Gesangwerkes betraut. Naumburg schritt sofort, vom heiligsten Eifer durchglüht, an die Verwirklichung seiner langjährigen Hoffnung, seines vieljährigen Sinnens und Trachtens und brachte es schon nach Jahresfrist so weit, dem israelitischen Consistorium einen Theil seiner Arbeiten im Manuscript vorlegen Zu können. Die Arbeiten errangen sich so sehr die Sympachten des Gesammtconsistoriums, dass beispielsweise Halevy, der als Referent der Compositionen fungirte, dieselben unumwunden als. sehr gelungen und wirkungsvoll empfahl, indem er in feinen, in französischer Sprache abgegebenen. Referaten ausdrücklich betont: ״O'est 11116 ceuvre complete que Mr. Naumburg a preparee avec un 2616, un devoument et un talent que pour ma part je me plais ä reconnaitre.“ Dieses Urtheil eines gefeierten Mannes, wie Halevy, bewirkte es, dass Naumburg im Jahre 1845 einstimmig zum Cäntor für die Pariser Synagoge gewählt wurde und nun erst die rechte Muße und Ruhe erlangte, um an die Veröffentlichung des vorliegenden, am 8. März 1847 dem Consistorium überreichten Werkes schreiten zu können. (Fortsetzung folgt.) Erläuterungen des M. Gottesdienstes nach Mekore Hatephilla mitgetheitt הסט Simon Diamant. Oberlehrer in Austerlitz. (Fortsetzung.) Da der Bedarf des Menschen bald materiell, bald geistig, bald gemischten Inhaltes sein kann, so bezeichnen die Rabbinen ganz richtig die eigentliche תפלה als Gebet für den individuellen Bedarf שאלת צרכים. Der individuelle Bedarf hängt von den äußeren Zuständen und der inneren Stimmung ab. An den Werketagen ist das materielle Moment darin vorwaltend, an den Fest- und Feiertagen das geistige Element. In Gemäßheit dieses Unterschiedes sind auch die zwei verschiedenen Formen zwischen dem Sabbath- und Wochengebet festgesetzt. In der einen wie in der anderen aber sind die 3 Vor- und die 3 Nachgebete nicht abgesonderte Theile der Gebetformel, sondern solche, welche allenthalben der gottesdienstlichen Verrichtung vorangehen und nachfolgen, und weil sie die einleitenden und schließenden Gebete sind, bleibt ihre Form sowohl an Fest׳ als auch an Wochentagen unverändert. Dies ist der Zusammenhang im Allgemeinen, und nun im Einzelnen. זכרנו לדויים Beruht auf der bildlichen Vorstellung, dass Gott die künftigen Schicksale des Menschen am NeujahrStage in ein Buch einschreibt. אתה גמר Dass Gottes Allmacht aus Erden walte, und sie nicht dernatürlichen Gewalt unterliege. Daher der Zusammenhang mit dem Folgenden. מחיה מתים אתר. Die Lehre von der Wiederbelebung der Todten wurde in Babylon allgemein, und wenn sie auch dort nicht entstanden ist, so erstarkte, befestigte und verallgemeinte sie sich da durch äußere Einflüße, für welche das Volk um so empfänglicher war, da die Keime dazu im Volksglauben lagen. Die Magier, die Träger der-persischen Religionslehre, glaubten an eine Auferstehung der Todten. Der Tod war ihnen eine Unterbrechung des Lebens, und Auferstehung die Fortsetzung desselben. Sie muss der Erneuerung und Wiederherstellung der Erde vorausgehen; die verjüngte Erde wird alles geben in ihrer ersten Form und mit ihrem ersten Namen wie beim Beginn der Erde. (Klenker Zendayesta351.) In der persischen Lehre fand also der Auferftehungsglaube der Israeliten reiche Nahrung und er fcblug solche feste Wurzel, dass für die folgenden Jahrhunderte ihn nichts zu erschüttern vermochte. Die Auferstehung der Todten besteht, nach der Meinung der meisten erleuchteten jüdischen Gelehrten jener Zeit, in einer fortdauernden geistigen Existenz der Seele, in einer Rückkehr zu Gott, in einer Vereinigung derselben mit dem Urquells aus dem sie entsprungen, ohne dass sie mit demselben ganz Eins werde, und in ihm aufgehe, vielmehr, dass sie ihre Persönlichkeit beibehcflten werde. -Aber der beschränkte Sinn des gemeinen Volkes konnte eine solche Idee nicht erfaffen; sondern nur eine Vorstellung von der Wiedererweckung der Todten und Wieder- Vereinigung der Seele mit ihrem früheren Körper (Ezechiel 37, 6), und dass der solcher Art wiedererstandene Mensch sein unterbrochenes Erdenleben auf einer erneuerten Erde, auf welcher ewiger Friede und ewige Gerechtigkeit herrschen, neu beginnen werde und ein glückliches Leben ununterbrochen führen werde, fand bei ihnen Eingang. (Brecher. Unsterblichkeitslehre §. 22.) משיב הרוה וגד (Beraeh. 33 a.> So wie der Regen den im Boden schlummernden Samen in's Leben ruft, dass er Fruchte trage, so wird Gott einst die Todten zu neuem Leben erwecken. אתה חרבן (Megiiiah 17, b.) Zuerst muss man Gott um Einsicht und Vernunft bitten, um ihm nach seinem Willen dienen zu können, und dieser Dienst soll nach dem Gesetze der Thora geschehen; darum folgt: השיבנו וגד (Meg. 17, b.) Da es aber unmöglich ist,, dass der Mensch lebe, ohne zu sündigen, darum betet man sogleich: יםלה לנו Da jedoch gewöhnlich mißliche Verhältniße der Hauptgrund zur Sünde sind, daher wird gebetet ראה נא u. s. w. דתן מל וממר לברכה Den Aufschluss darüber, warum wir diese Gebeiformel im Winter sprechen, während doch bei uns nur im Sommer Thau ist, gibt Rappoport in seinem Erech Millin S. 228, wie folgt: ,Nur in Babylon, wo im Anfang des Sommers noch kein Thau war, da begann man dieses Gebet zu Anfang des Winters und weil man schon angefangen hatte, es zu sagen, unterbrach man es nicht eher, bis der Winter zu Ende war; hingegen in Palästina, wo schon im Frühling die Felder mit Thau befeuchtet waren, verrichteten sie dieses Gebet im Sommer. Wir haben den babylonischen Gebrauch; jedoch in Italien ist der palästinische Gebrauch üblich." ולמלשינים Diese 'Gebetformel erregt unser besonderes Interesse; sie heißt eigentlich {ברכת המיני von מאן weigern, so wie Protestant von protestari widersprechen, oder von מנה, sondern, trennen, abftammt; hier wird gebetet um die Vertilgung der Verleumder, Verräther, namentlich der Saduzäer. Im zweiten Jahrhunderte bildeten sich drei verschiedene Secten unter den Juden: Pharisäer, Effäer und Saduzäer. Hier wird nur von der dritten Secte gesprochen. Die Saduzäer anerkannten nur daS schriftliche Gesetz, jedoch nicht das mündliche und verwarfen die Werke der Weisen. Sie weigerten sich, irgend etwas für heilig zu halten, was sich im Gesetze der heiligen Schrift nicht ausdrücklich darftellte. Ja, sie leugneten das jenseitige Leben. Die menschliche Seele hielten sie für eine Function des Körpers, mit dessen Auflösung auch sie vernichtet würde. In allen, den Gesetzen