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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-09-10 · Heft 31 (10.9.1884) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 31 (10.9.1884)
Date
1884-09-10
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Dualismus der Perser, welche an einen Schöpfer des Lichtes (Ormuzd) und an einen Schöpfer der Finsternis (Ahriman) glaubten. Das babylonische Exil und die ihm folgenden Ereigniße brachten die Juden mit den Persern in Berührung, wie aus den Büchern Ezechiel, Daniel, Zacharias zu ersehen ist. Die Bekanntschaft verfehlte nicht, auf gewisse religiöse Ansichten der Juden einen Einfluss zu üben. Denn die persische Religion, obgleich sie keinen unbedingten Monotheismus lehrt, ist doch dem Götzendienste ebenso feindlich, wie die jüdische Religion. Trotzdem stimmten sie in dem Hauptglaubensartikel, in der Einheit Gottes, nicht überein. In diesem Gebelstücke wird die Anerkennung Gottes als den unmittelbaren Schöpfer und Lenker der Natur ausgesprochen. והאופנים והיות הקדש. Diese ganze Stelle gründet sich auf die höchst anthropomorphistische *) Vorstellung von den Engeln und ibrem Verhältniße zu Gott, sowie von den Thiergestalten, die der Prophet Ezechiel in seiner Begeisterung gesehen und deren allegorische Bedeutung von jeher dem gemeinen Manne vorenthalten und nur dem Eingeweihten unter dem Namen מעשה מרכבה mit größter Vorsicht mitgetheilt wurde. אהבה רבה Hier ergießt der Betende sein Gemüth in Dank und Hingebnng für die Gnade, die uns Gott durch die außerordentliche Offenbarung hat angedeihen lassen. Das innige Gebet um Erleuchlung in dem Geiste der heiligen Lehre und um Erschließung des Gemülhes zur Empfänglichkeit für dieselbe, schließt sich an das nachfolgende Glaubensbekenntnis. שמע ישראל Dieses Glaubensbekenntnis soll die gänzliche Hingebung des Israeliten an den einzigen Schöpfer und Lenker der Natur aussprechen, der im Wege der außerordentlichen Offenbarung die Erzväter erleuchtet und für ihre Nachkommen in's Bündnis aufgenommen hat. In welch' prägnanteren Worten war der Inhalt des Glaubens aufzufinden, was war mehr geeignet, den Glauben theurer zu machen und ihm dessen beseeligende Kraft einznflößen, als diese den Schwerpunkt des Glaubens bildenden Worte? Und die lange Reihe der Zeiten hat gelehrt, wie die Exegese der Sofrim (Schriftgelehrten) aus dem Innersten des Glaubens gegriffen, wie sie, aus dem tiefsten Religionsleben hervorgezangen, in sich ihre eigentliche Berechtigung hatte. Mit diesem Sch’ma tritt noch heute der Jude in's Leben, es ist das erste Gebet, das das zarte Kind erlernt und mit ihm verlässt er das Leben, seine Zunge lallt es noch in der Sterbestunde, und dieses 8ch’ma war die Hymne, der Triumphgesang, mit dem er in vergangenen Jahrhunderten den Scheiterhaufen bestieg und für seinen Glauben freudig den Märtyrertod erlitt. (Dr. Frankel, Programm zur Eröffnung des jüdischen Seminars zu Breslau 1854, S. 11.) אמת ויציב ונד Der Zusammenhang des Vorhergehenden mit dem Nachfolgendem ist folgender: Nachdem der Betende in dem Glaubensbekenntniße das עול מלבות שמים auf sich genommen, macht er sich jetzt verbindlich, diesen Glauben zu halten, so wie ihn seine Vorfahren angenommen, und so mögen ihn auch seine Nachkommen für immer halten. Sodann folgen die Hauptglaubensgrundsätze, als: dass er an einen Gott glaube אמת, שאתה הוא ה׳, dass Gott ewig sei מעולם שמך, dass seine Vorsehung über Israel walte עזרת אבותינו אתה הוא, was sich insbesondere durch den *) D. h. in Menschengestalt Auszug Israels aus Egypten gezeigt hatte. Wer solche Grundsätze des Glaubens innebat, der kann seine Bitte im folgenden שמונה עשרה an den allmächtigen Gott richten. Das folgende Gebet heißt die eigentliche תפלה, weil hier um den Bedarf gebetet wird, und wird bekanntlich in 18. Lobsprüche eiugetheilt. Die 3 ersten bilden das Lobgebet, die 12 mittleren das Bittgebet, die 3 letzten das Dankgebet (861-aeh. 34. a.) (Fortsetzung folgt.) Programm der ״reformirten Synagoge" in Budapest. An allen Ecken und Enden erheben sich die ,großen״ Reformatoren des Judenthums, die unserem alten Glauben eine neue Facon geben wollen. In Budapest ist ein solcher Messias in der Person des Herrn Rabbiner Dr. A. Stern erstanden, mit der Absicht, daselbst die sogenannte ,reformirte Synagoge* zu gründen. Wir bringen in Nachfolgendem das Programm dieser Gemeinschaft ohne jeden Commentar zum Abdrucke, werden jedoch in einer der nächsten Nummern auf diese Reformbestrebungen zurückkommen. ,1. (Charakter-der Synagoge.) Die ref. Synagoge steht auf positivem Glaubensboden. Sie anerkennt als Religionsbasis das mosaische Gesetz, mit Ausnahme aller jener positiven Bestimmungen, welche, dem deutlichen Buchstaben oder dem Geiste des Gesetzes nach, an Ort oder Zeit gebunden sind und mit dem gebildeteren Bewußtsein und den radical veränderten socialen Verhältnissen der Bekenner sich nicht vereinen lassen. Angesichts eines solchen Charakters der Synagoge ist es selbstverständlich, dass der Talmud für dieselbe keinerlei didaktische Autorität hat. Die politischen, sowie die moralischen und religiösen Verhältniße, unter welchen der Talmud entstanden ist, lassen sich mit den gegenwärtigen in keine Parallele bringen. Der Talmud verfolgte das Separationsprincip und war es auch nothwendig, dass das spätere Zeitalter solches insolange verfolgte, als die bedachten Verhältniße die Anwendung eines solchen Principes erbeischten und diesbezüglich auch für Richtung und Maß bestimmend waren. Den obgezeichneten religiösen Standpunkt nimmt die ref. Synagoge in Deutschland und Amerika ein. Denselben vertrat die in Pest im Jahre 1848 entstandene reformirte Synagoge, bis solche im Jahre 1852 von der absolutistischen Regierung aufgehoben wurde. Die didaktische Berechtigung der ref. Synagoge eignet sich nicht als Gegenstand eines Programmes. Hievon handelt der Katechismus, dessen Bestandtheile die Glauoensartikel der Synagoge und der leitenden Principien bilden. Im Programme soll diesbezüglich nur hervorgehoben werden, dass die ref. Synagoge an dem Principe der historischen Continuität festhält, dass sie überhaupt weder theoretisch Neues geschaffen hat, noch praktisch auf eine bisher ungewohnte Bahn ihre Bekenner leitet. Die ref. Synagoge hat vielmehr einen Religionsstatus der Beachtung gewürdigt, der in den Ländern der ungarischen Krone bei mindestens 300.000 Glaubensgenossen anzutreffen ist. Wozu der Flügelschlag des Zeitgeistes die Bürger mosaischen Glaubens angeregt, was aus den socialen Verhältnißen sich herausgebildet und als selbstbewußtes Object in der Reihe der geschichtlichen Erscheinungen seinen Platz eingenommen hat, Alles dieses in einen ordentlichen Organismus zu bringen und mit den Attributen der Gesetzlichkeit zu versehen, bildet den Gegenstand der Wirksamkeit der ref. Synagoge, ist ihre geistige Substanz. Die ref. Synagoge hält übrigens fest an dem Principe

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