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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-09-02 · Heft 30 (2.9.1884) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 30 (2.9.1884)
Date
1884-09-02
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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— e und von Fachkundigen zu prüfenden Erfahrungen und Einblicke in die Lage und Verhältmße dieser Botschaften zur Belehrung und Berathung der Emigranten zu verwerthen. Den zur Emigration entschlossenen Personen wäre in diesem Falle der bedeutende Vortheil geboten, sich vertrauensvoll an das Comits unter Bekanntgabe׳ ihrer Fachkenntniße und etwa-igen Capitalsbesitzes um Nalb zu wenden, welches dann einem Jeden nach Maßgabe seiner Leistungsfähigkeit die für denselben geeignetsten Ortschaften anzuweisen hätte, und auck noch ferner nebst den nöthigen Instructionen über die zur Erreichung seines Zieles einzuschlagende Richtung, je nach Verdienst mit Anempfehlungs- Schreiben zu versehen, damit sie nicht an Ort und Stelle angelangt, verkästen, fremd, von Niemandem gekannt, von Niemandem beachtet, daständen. Dies ist von umso größerer Wichtigfeit, al§ die Eingewanderten in den meisten Fällen der bctrestenden Landessprache nicht mächtig sind. Dem in Oiebe stehenden Comitä sollte es ferner obliegen, den Auswandernden, die in Bezug auf Preise, Comfort und Sicherheit zu bevorzugenden Transport- Gesellschaften anzuempfehlen und eventuell die Transports-Be-- dingungen zur Ueberfahrt für die jeweiligen Auswanderungs- Gruppen mit denselben zu vereinbaren. Es wäre dadurch Gelegenheit geboten, die Evidenzhaltunz der sich an der Emigration Betheiligenden zu ermöglichen und auch hernach nach Anlangen in ibren Bestimmungsorten mit denselben Füblung zu behalten, um sie in jenen Fällen, wo sie sich zahlreich in einem Orte uiederlasten, zu einer dem betreffenden Orr entsprechenden Organisation ihres Gemeindcwescns auzuhalten und auch insoweit als möglich behilflich zu sein. Die durch ein in diesem Sinne gegründctcs Comi e, dem gesammten Judenthum und speciell den jüdischen Einwohnern solcher Staaten, wie Rußland und Numänien, erwachsenden Wohlthaten wären unberechenbar. Kleine Cyronilr. ZU Andrychau in Galijien fand am 21. August als am Geburtstage unseres erlauchten Kronprinzen, die feierliche Grundsteintegung des bereits seit 3V Jahren in Aussichr genommenen und nur durch die rastlose Thätigkeit des Herrn Mori; ll n g e r endlich zur Verwirklichung gelangten Baues einer neuen Synagoge statt. Angesichts der gesammten versamluelten Gemeinde und vieler nichtjüdischer Mitbürger hielt der Vorsteher der israelitischen Gemeinde, Herr Moriz Unger, eine ergreifende Ansprache, nach bereu Beendigung unter Gesängen der Grundstein mit den üblichen Documenten in die Tiefe gesenkt wurde. Die Dccumente des Schlusssteines enthalten . außer anderen wichtigen historischen Daten auch den bemerkenswerthen Hinweis auf den Umstand, dass vor 50 Jahren bereits die Eltern des erwähnten Herrn.Moriz Unger die alte, nun abgebrochene Synagoge aus eigenen Mitteln erbaut hatten. Nach vollendeter Feier wurde an Seine k. k. Hoheit, Kronprinz Rudolf, ein Telegramm abgesandtworauf baldigst folgende telegraphische Rückantwort erfolgte: ״Der Obersthofmeister Seiner k. k. Hoheit Kronprinz Erzherzog Rudolf an die israelitische Cultusgemeinde Andrychau. Laxenburg Hof. Seine kaiserliche Hoheit Kronprinz Rudolf haben mit Wohlgefallen die höchst Demselben bekannt gewordene loyale Kundgebung, gelegenheitlich der Grundsteinlegung, vernommen. Bombelles m. p." Möge es der Gemeinde Andrychau und namentlich ihrem tüchtigcn und wackeren Vorstande, Herrn Möriz Unger, hohe Befriedigung gewähren, dass es ihm gelungen, in einer Zeit der Unduldsamkeit uu d des Hasses das Werk eines Syuagogeubaues zu Stande zu bringen und möge er noch lange die schönen Früchte feiner Arbeit genießen. Koset. (Oberschlesien.) Am 10. September wird hier eine neue Synagoge eingeweiht werden. Aus diesem Anlaste wurde Herr Nabbiner Dr. N o s e n t h a l aus Beuthen eingeladen, die Festrede zu halten, während Herr Cantor B a ch r a ch aus Gleiwitz den ihn ehrenden Auftrag erhielt, die gesanglichen Functionen mit Unterstützung seines Chores auszuführen. Zu dieser feierlichen Einweibung haben ihr Erscheinen zugesagt, die Behörden der Stadt und Umgebung, der Regierungspräsident von Oppeln, desgleichen die Laudesräthe. Ebenso werden sämmtliche oberschlesische Syuagogengemeinden durch Delegirte vertreten sein. Es lässt sich also schon heute bestimmen, dass mit Rücksicht auf eine solche Betheilizung die Einweihung in Kosel einen sehr feierlichen Charakter annehmen und auf alle Anwesenden, ob Juden oder Nichtjuden, einen nachhaltigen Eindruck machen wird. Wudapest. Das Tisza-Eßlarer Tempelban-Comito versendet neuerdings einen Aufruf, in dem es heißt: ,Theure Glaubensbrüderr Das gefertigte Tcmpelbau-Comits von Tisza-Eßlar hat mit dem heutigen Tage den Wiederaufbau der durch ruchlose Hände zerstörten Synagoge sammt Nebengebäude mit rituellem Bade in Angriff genommen. Es stehen unS heute zwar nicht mehr als 783 fl. 50 kr. zu diesem Zwecke zur Versügung, und zwar 200 fl. von Seite des hohen königl. Ungar. Cultusministerinms, welche uns durch wohlgeneigte Vermittlung der israel. Landeskanzlei zugckommcn sind, und 583 fl. 50 kr., welche Herr Max Szabolcsi als Resultat der bisherizcu Sammlung, die er als Nedaeteur der ,Indischen Pester ZeitungJ in diesem seinem Blatte einleitete und welche Summe er uns bereits übergeben hat; nichtsdestoweniger haben wir die Bau- Arbeit begonnen, weil wir in der sicheren Hoffnung verharren, dass die hohe Negierung, der wir hiemit unseren ehrfurchtsvollen und innigen Dank aussprechen, unserem Tempelbau, wie dieses uns versprechen wurde, seinerzeit wied.r ihre hohe Unterstützung angedeihen lasten wird; und weil wir ebenso sicher darauf rechnen, dass unsere Glaubensgenossen nicht ermangeln-werden, uns ihre edlen Spenden in noch reicherem Maße als bisher durch das Blatt des Herrn Szabolcsi znkommen zu lassen, dem wir für sein edles, uneigennütziges und mühevolles Wirken aufrichtigen und herzlichen Dank sagen, daran die Bitte knüpfend, er möge auch ferner ein ebenso warmer und begeisterter Fürsprecher unserer Sache, sein, wie er es bisher gewesen ist. Der Tempel und das dazugehörige Nebengebäude sammt rituellem Bade sind leider in einem solchen Zustande des Verfalles, dass die Wiederherstellung derselben mit der allbescheidensten Ausstaltung, nach Ansicht von Fachmännern, wenigstens viertausend Gulden (4000 fl.) kosten dürfte. Wir sind also der auswärtigem Hilfe noch sehr, sehr bedürftig. Die edelmüthizen Spender, denen wir hiemit unseren heißesten innigsten Dank aussprechen, waren cs, welche׳ uns ermuihigten, au den Bau unseres Tempels zu gehen, und heute sind es wieder unsere edeldenkeudrn Glaubensbrüder, deren Hilfe wir anrufen, und die uns gewiss nicht im Stiche lassen werden, da die Bau-Arbeiten nun einmal ihren Anfang genommen haben. Wenn unser Tempel in dem Zustande, in welchem er sich zu unserem Schmerze seit zwei Jahren befindet, noch den Winter über bleiben sollte, dann könnte man von demselben beim Wiederaufbau entschieden Nichts verwenden; es müßte ein gan; neuer Bau angefangen werden,, wie das mit dem Nebengebäude des Tempels und dem rituellen Bade׳ schon jetzt der Fall ist, welches wieder um eine bedeutende Summe mehr kosten würde. Auch besitzen wir leider nichts, was zur Ausstattung des Tempels gehört. Die Tempelgeräthe, welche wir besaßen,, sind theils entweiht und ruinirt, theils entwendet worden, und wir sind bemüstigt, für׳ die Anschaffung anderer heiliger Geräthe zu sorgen. Mit Vertrauen und mit Zuversicht wenden wir uns an die Groß- .muth unserer Glaubensbrüder; mögen sie ihre hochherzige Theilnahme für die unverdienten Leiden unserer Gemeinde dadurch belhätigen^ dass sie uns in dem heiligen Werke, welches wir unternomen haben,

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