Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 30 (2.9.1884)
- Date
- 1884-09-02
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Ihnen vorzubeugen, beschloß er, dem Groß-Vezier die nöthigen Aufschlüsse zu ertbeilen. Er stellte ibm vor, dass der größte Theil der gegenwärtigen Anhänger Sabbathey's ganz anderer Gesinnung wäre, und dass die Meisten nur aus Furcht vor den wüthenden Seclirern sich öffentlich für den neuen Messias erklären mußten. Er bat, wenigstens zu seiner eigenen Sicherheit, um das schriftliche Zeugnis, dass er das Geständnis abgelegt habe, der Partei Sabbathey's nicht auzugehören. Die Sache wurde verrathen. Sogleich erkauften die Sabbathianer falsche Zeugen, ließen ihn eines Staatsverbrechens anschuldigen und brachten es durch Bestechungen dahin, dass mau ihn zur Galeere verurtheilte. So weit gingen die Schwärmer in ihrer Frechheit, dass, wenn der Messias sich öffentlich zeigte, ihm eine Fahne mit der Devise: ,Des Ewigen Rechte ist erhaben' *) vorgetrageu wurde, dass sein Bildnis allenthalben mit Kronen geschmückt zu sehen war und dreimal täglich ihm zu Ehren der Psalm: ,Jehova, Deines Sieges freut sich der König' **) gebetet wurde. Schon vertheilte er Reiche unter seine Brüder und Freunde und nannte sich selbst König der Könige. In seinem Siegel führte er eine in einen Kreis gewundene Schlange, weil die Schlange im Hebräischen (נהש) gleichzahlig mit dem Worte (!משיד) ist. (Fortsetzung folgt.) *) Psalm 118, 17. **) Psalm 21, 2. Zur Emigration der rumänilchen Juden. In Folge Errichtung der Vertretung eines Neisebureaus in Jassy zum Zwecke der Auswanderung nach Canada ist Gelegenheit geboten das Emigrations-Thema zu besprechen, umsomehr als in Rumänien seit einiger Zeit, sei es in Folge des fast allgemein schlechten Geschäftsganges, welcher sich von Jahr zu Jahr noch, zu verschlimmern scheint, fei es in Folge schlechter Behandlung, die die Negierung den Einwohnern jüdischer Confession zu Theil werden lässt, die ebendie bedeutendsten Factoren des hierländischen Handels sind, und auch noch aus verschiedenen anderen Gründen in vielen Einwohnern dieses Landes der Wunsch rege wird, ihre Lage durch Auswanderung zu verbessern; da hier im Lande die Aussicht hiezu immer mehr schwindet. Die sich von Tag zu Tag vermehrenden Gesetze, die zwar äußerlich einen allgemeinen Charakler haben und in manchen Fällen sogar harmloser Natur erscheinen, gestalten sich bei ihrer Anwendung auf den Inden zu wahren Inquisitions-Apparaten und untergraben in der rücksichtslosesten und grausamsten Weise ihre ohnehin zur Genüge traurige. Existenz. Der Kreis, in dem sich die Juden heutzutage hier noch bewegen können, ist aufs äußerste beschränkt und dennoch schwirren Gerüchte in der.Luft von neuen erscheinenden Gesetzen, die die Negierung vorbereitet. Es ist daher kein Wunder, wenn der sonst so rege Geschäfts- und Unternehmungsgeist unserer Glaubensbrüdcr unter -der Wucht der auf ihnen lastenden Ausnahms-Gesetze einer fast allgemeinen Entmuthigung gewichen ist und durch Ungewißheit ihrer Lage sie in eine stete Aufregung versetzt. Die Haliung der Negierung lässt es nicht zu, dass wir uns diesbezüglich irgend einer Illusion hingeben sollen, und insolange wir von derselben, welcher Parteirichtung sie auch angehören möge, Nichts zu erwarten haben, was auf eine Umkehr der gegen uns eingeschlagenen Richtung schließen ließe, so ist es für einen jeden unserer Glaubensgenossen dringend geboten, sich je früher desto besser nach einer neuen Heimat umzusehen. Es finden sich auch in der That bereits solche unter allen Schichten der Gesellschaft, die diese Noth- Wendigkeit eingeiehen baden, obgleich hiefür die verschiedenartigsten Ursachen zu Grunde liegen. Es gibt manche, die als Opfer der Gesetze, um den über sie bereits verhängten oder zu erwartenden Strafen zu entgehen, andere, die zum Müßiggang gezwungen, aus Armuth, und Erwerbslosigkeit hiezu genöthigt sind, und wählen solche Leute gewöhnlich den ersten besten Ort, von dem sie zufälligerweise Kenntnis erlangen oder der ihnen unter ihren jeweiligen Verbältnißsn am leichtesten zu erreichen ist, ohne sich viel darum zu kümmern, welchem Schicksale sie entgegengehen; denn sie haben in keinem Falle was zu verlieren. Es gibt aber auch solche, die. obzwar von der Schärfe der Gesetze noch nicht direct betroffen, die einer besseren Gesellschaftsclasse, den gebildeteren und auch nicht ganz unbemittelten, mitunter sogar den wohlhabenderen Ständen angebören, die aus einem oder dem anderen der am Eingänge angeführten Gründen der Emigrations- Idee nicht abgeneigt sind, sich unter gewissen Umständen zur Auswanderung entschließen würden; und zwar: falls es ihnen möglich wäre, von dem, was ibnen in der neu zu erwählenden Heimat bevorstebt. sich einigermaßen Rechenschaft geben zu können. Es ertönen Rufe von verschiedenen Theilen der alten und neuen Welt, einer verlockender als der andere, so dass der Aengstlichste, der Wasserscheueste sich allmälig mit einer längeren Reise zu Wasser befreundet, sich mit dem Gedanken vertraut macht, auszuwandern, um so den Rohheiten und Böswilligkeiten seiner Verfolger zu entgehen und sich in einer neuen Heimat, unter doppelter Anstrengung, wenn es sein muß, eine geachtete Stellung, eine Stellung als Mensch, für welche ihn schon die Natur, indem sie ihn mit den h iezu nöthigen Eigenschaften aus - gestattet, bestimmt hat, zu erwerben und der Zukunft ruhig entgegensehsn zu können; da ihm erstere zum Hohn des Jahr- Hunderts des Fortschritts und der Civilisation hierzulande vorenthalten wird und letztere in nur zu gerechtfertigter Weise mit den größten Besorgnißen erfüllt. Aber diese Ländereien, von denen die meisten kaum dem Namen nach hier bekannt sind, gehören wohl für den größten Theil der Reflectanten ins Reich der spanischen Dörfer, durch welchen Umstand selbst, wenn der Emigrations-Entschluss auch schon gefasst ist. sich der Familienvater, dem das Wohl und Wehe der Seinigen nahe am Herzen liegt, mit Recht wohl nicht ohne Bangen die verhänisvolle Frage stellen muß: Wohin? da ein Fehltritt in dieser Richtung die traurigsten Folgen nach sich ziehen müßte und alle, die das Unglück hätten, ihn zu begehen, unvermeidlich ins Elend und Verderben stürzen würde. Dies ist der Punkt, auf welchen ich die Aufmerksamkeit derjenigen Institutionen und einzelner einflußreicher Persönlichkeilen in Israel lenken möchte, die sich in ihrem edlen Bestreben der erhabenen Mission unterzogen haben, ihren bedrängten Glaubensgenossen in der Noth mit Rath und That helfend zur Seite zu stehen, und will ich es gleichzeitig versuchen, die Mittel und Wege zur Beantwortung dieser bedeutsamen Frage, deren ernsten Charakter wohl Niemand unterschästen wird, einigermaßen anzudeuten: Die Mitglieder der erwähnten Institutionen im Vereine mit den gedachten einzelnen Persönlichkeiten sollten ein Comits bilden, dessen Aufgabe sein soll, sich einerseits mit den verschiedenen Ländern, die die Colonisation ihrer Gebiete anstreben, in Verbindung zu setzen, um aus zweifellos verläßlicher Quelle die umfassendsten Informationen über Alles, was für die Emigrirenden von Wichtigkeit sein könnte, so wie über die Bedingungen und Vorschriften, unter denen die Einwanderer zugelassen und denen sie sich bei Ansiedlung eventuell zu unterwerfen hätten, einzuholen, andererseits die auf diese Weise gewonnenen