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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-09-02 · Heft 30 (2.9.1884) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 30 (2.9.1884)
Date
1884-09-02
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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ומשטץ המשחית Der Ausdruck שטן findet sich erst in den späteren beiligen Büchern vor. (Zacharia 3, 1. 2 und Zob 1. 2). Saadjas, geboren in Egypten zu Fajum im Jahre 892 (d. g. Zti.), gestorben 942, leugnete in seinem Commentar zu Hiob das Dasein des Satan oder eines widerspenstigen Engels und zeigt, dass die in Job vorkommenden ,Söhne Gottes" so wie der ״Satan^ Menschen seien. So, dass sogar der geistreiche Commentator, Ibn Esra an diesen Erklärungen Saadja's Anstoss zu nehmen scheint. Das Bestehen des Bösen, wodurch so viele unvermeidliche Ucbel erzeugt werden, neben der unbestreitbaren Güte, Weisheit und Vollkommenheit des höchsten, göttlichen Wesens war den Menschen von jeher ein unauflösbares Näthsel. Darum sahen sich nicht nur die Perser, sondern früher noch Assyrier und Kaldäer veranlass!, neben dem guten Gotle ein gleichberechtigtes böses Princip bestehen zu lassen. Die Perser beleten neben dem Ormuz, dem Gotte des Guten, auch den Ahriman, den Gott des Bösen an. In Babilon, wo die meisten Gebete verfasst wurden, gelangten die Juden durch die Bekanntschaft mit den anderen Völkern, insbesondere mit den Persern zu der Vorstellung von einem Satan; daher wird auch im Talmud seiner oft erwähnt und daselbst auch unter zwei anderen Gestalten, nämlich als יצר und als מלאך המות, als böse Begierde und als Tvdesengel aufgeführt. (Baba Bathra 61. a.) Segenspruch über die G'Min. Sowohl Tallis als T'fillin sollen als äußere Abzeichen uns an unser Verhältnis zu Gott und somit zur Erhaltung religiöser Gesinnungen in uns dienen. Herr Eichel bemerkt, dass die jüdischen Theologen die T'sillin für ein Sinnbild des Verhänguißes halten und eiklären darnach die Stelle im Talmud (Menach 35, a.), wo es heißt: .,Der Ewige hat dem Moses den T'fillinknoren vorgezeigt", dass Gott nämlich dem Moses die Verhängniskette aller Begebenheiten der Welt bis in die spätesten Zeiten gezeigt. Er hat also das große Gericht Gottes in der Zukunft, wovon auch alle Propheten reden, damals schon vorhergeseheu. Archäologen suchen aber den Grund dieser Ceremonie in der orientalischen Sitte. Der Gebrauch der Amulette, ein geweihtes Anhängsel, von welchem man glaubte, dass es vor Krank- Heiken und Gefahren schütze, war nämlich bei den Morgenländern sehr Mode. Sie bestanden eigentlich aus Gemmen oder Blättchen Pergament, woraus merkwürdige Vorfallenheiten, welche stets im Gedächtnis bleiben sollten, geschrieben wurden. Man trug sie an der Stirne, am Halse, auf der Brust, am Finger und sie enthielten nach Moses Vorschlag einige Sentenzen aus dem Gesetze, so wie der heutige Araber Sprüche aus dem Koran an seinem Kopsschmucke trägt. — Auch die Zizis sollen eine Art Amulet gewesen sein. (Fortsetzung folgt.) Salilmthey Z1vy eine biographische Skizze von Dr. H. III. Sabbathey war nun mit seiner neuen Gemahlin nach Jerusalem zurückgekehrt. Nach mehrjährigem Aufenthalte .daselbst predigte er öffentlich in den Synagogen von seiner göttlichen Sendung; dies bewirkte so große Gährung unter den hier woh- «enden Juden, dass 24 Nabbinen und der Oberrabbi von Jerusalem Chananja ben Jakir den Bannfluch gegen ihn schleuderte n Sabbathcy floh aus Furcht wieder nach seiner Vaterstadt Smyrna. Die Bannstrahlen der Rabbinen folgten ihm nach. Sie schrieben dahin, dass er ein Ruchloser sei; ihn auszurotten wäre, dem Ewigen ein eben so verdienstliches Werk, als hätte man viele Seelen gerettet. Aber alles das hatte nicht den gewünschten Erfolg; denn der Pöbel Smyrna's sammelte sich um ihn, küsste seine Füße und erwies ihm königliche Ehren. Mit jedem Tage wurden Sabbathey's Anhänger zahlreicher und sein Ruf durchflog Italien, Deutschland und Holland. Nicht nur die Bewunderung des Pöbels, auch die Aufmerksamkeit ausgezeichneter Männer und ganzer Gemeinden hatte Sabbathey auf sich gezogen. So erkundigten sich die Amsterdamer Gemeinde und der hier im Namen der Schwedischen Königin Christina residirende Jude Texeira bei ihren Handclscorrespondentcn in. der Levante in Betreff der Messiaswürde Sabbathey's und erhielten, die lakonische Antwort: ״Er ist's und kein Anderer!' (הוא 1לא אהה)• Man versammelte sich eben auf.der Börse, als diese Antwort anlangte, und war voll Freude über die wichtige Nachricht. Nur der-Kaufmann Anatia allein hatte Sinn und Mnth genug, das Ganze für ein Mährchen zu erklären. Er machte sich über Sabbathey lustig und erwies den Uebrigen aus dem Talmud, dass die Begebenheitcn, welche der Ankunft des Messias vorangehen müssen, sich noch nicht ereignet hatten, und dass Sabbatbey auch nicht der wahre Messias sein könne. Man ging von der Börse zum Mittagsmahl. Anatia stürzte während der Tafel, vom Schlage getroffen, entseelt zu Boden. Die Vorurtheilhaften — wie Wenige waren es nicht — hielten dieses zufällige Ereignis für eine Strafe, weil er Sabbathey gelästert hatte. Sein Ansehen, stieg in den drei obbenannten Ländern und in Polen durch diesen Zufall mit jedem Tage und vermehrte seinen ohnehin schon bedeutenden Anhang. Hätte Sabbathey über 20.000 Mann wohl disciplinirter Haustruppcn verfügen können, hätte er eben so viele militärische als kabbalistische Kenntniße besessen, hätte er nicht selbst in dem eitlen Wahne gelebt, inan könne mit Formeln aus dem Sohar Throne Umstürzen und Völker befreien, so wäre es für ihn vielleicht in damaliger Zeit nicht so schwierig gewesen, als man im ersten Momente glauben sollte, einen beträchtlichen Theil seiner Glaubensgenossen aus Asien an sich zu ziehen, sie in das Land ihrer Väter zurückzuführen und ihnen das zu werden, was er so großsprecherisch verkündet hatte; denn cs war nicht die gewöhnliche Achtung eines ausgezeichneten Privatmannes, in welcher Sabbathey stand, er genoss königliches Ansehen. Aus beiden obbenannten Welttheilen langten mit kostbaren Geschenken so viele Gesandtschaften bei ihm an, dass manche erst nach drei bis vier Wochen vorgelassen werden konnten. Seine Widersacher wagten cs nicht mehr, laut gegen ihn zu werden, denn seine Partei war so mächtig und so wüthend, dass ein Gegner Sabbathey's des Lebens nicht mehr sicher war. Aaron de la Papa, das Oberhaupt jenes Nabbinengcrichtes, welches den Bann über ihn gesprochen und ihn zum Tode verurtheilt hatte, wurde seines Amtes entsetzt und mußte Smyrna verlassen. Banbanasti, der zweite in diesem Nabbinen-Tribunale, trat anfangs aus Furcht, nachher aus Ueberzeugung auf Sabbathey's Seite und predigte zuletzt öffentlich, dass er der wahre Messias sei. Der reiche Pechina zu Smyrna, hatte sich nur eines leisen Tadels gegen den neuen Messias schuldig gemacht, er wurde bis in die Synagoge verfolgt und rettete nur durch schnelle Flucht sein Leben. Ein angesehener Jude zu Constantinopel fürchtete die Unglücksfälle, welche Sabbathey's Umtriebe über sämmtliche jüdische Einwohner im türkischen Reiche herbeiführen könnten

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