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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-09-02 · Heft 30 (2.9.1884) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 30 (2.9.1884)
Date
1884-09-02
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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den üblichen יוצרות, der alte הזן mit seinen 3 »der 4 Stegreif- ן sängern und namentlich last not least, die für unsere heutigen 1 Anschauungen geradezu unmögliche, laute und ungeregelte Betheiligung des Publikums am Gottesdienste wieder eiugeführt werden müßte, so wäre es unseres Erachtens bedeutend wirkungsvoller. wenn die gewissen Herrn Rabbiner uns mit dem Beispiele »»rangingen, indem sie bei ihren gottesdienstlichen Vorträgen die Disputation, den sogenannten פלפול, wieder einsührten; das wäre einmal eins Thar, nnd es dürfte sich vielleicht Jemand finden, der sich — nach Heine — reuig bekennen würde zu Dem Mysterium, das nur Von Demjenigen wird verstanden, : Der entsprungen ist dem Kerker Der Vernunft und ihren Banden. Lassen Sie, sogenannte Herren Rabbiner, die Sie als Apostel einer neuen Weltbeglückungstbcorie auftreten möchten, für ihre Dogmen aber nichts Anderes in's Treffen zu führen im Stande sind, als abgenützte Feuersteingewehre, die schon beim ersten Kampigange als vollständig unbrauchbar erscheinen; lassen Sie, meine gcebrten sogenannten Herren Rabbiner, die Versuche, uns moderne jüdische Cantoren in unseren Obliegenbeiten ein Regulative vorzuzeichnen, wir danken für die Ehre. Si e haben ja ein solch' weites Feld, welches gerade bei der jetzigen Zeitströmung der vollen Hingebung, der vollen Opfer- Willigkeit von Ihrer Seite bedarf, westhalb zersplittern Sie Ihre edle Kraft für eine Bestrebung, die ganz abseits Ihres Verständuisseö liegt? Und jenes Blatt, welches die verlockende Engnatur ״Fortschritt* an der Stirne trägt, und welches von einem sogenannten Collegen redigirt wird, der den Mund voll nimmt mit Nathschlägen für Verbesserung und Hebung des Cantorates und hintendrein den Mephisto herauskehrt und den Verfolgern in seinem trauten Heim eine gastliche Stätte bereitet, thäte viel besser, als Devise für seine Bestrebungen den vielsagenden und für die Tendenz des Blattes besser passenden Satz zu wählen מהרסיך ומחריביך ממך יצאו; dann würde wenigstens die Angelegenheit ehrlich mit offenem Visir behandelt; so jedoch müssen wir uns die Mühe nehmen, den Vogel an seinen Federn, oder besser, den Baum an seinen Geistesfrüchten zu erkennen. Damit Sie uns jedoch nicht den Vorwurf machen, wir wären Ihnen eine Antwort schuldig geblieben, erlauben Sie wohl, Sie darauf aufmerksam zu machen, dass wir für eine zeitgemäße Betheiligung — allerdings nicht Ihrem, sondern im Sinne unserer Zeit und ihrer Anforderungen — der Gemeinde an dem Gottesdienste hinlänglich durch Creirung des Gemeindegesanges gesorgt haben. Wer jemals in einem unserer größeren Chortempel ein Nesponsorium wie אבינר מלבנו׳ קדוש׳ שמע ישראל re. von der ganzen Gemeinde angehört und für den mächtigen Eindruck dieses Massengesanges nicht ganz unempfindlich ist, der muß und wird uns beipflichtcn, dass es keineswegs nothweudig ist, den wüsten Sing-Sang und das wilde. Aufschreien der einstigen Zudenschulc herbeizuwünschen; deshalb schlagen wir Ihnen vor, wenn am nunmehr herannahenden ג211״בל־נדרי eit be im vielstimmigen Chore das Sündenbekcnntnis על השא in Ihrer Synagoge ertönt, stimmen auch Sie, ehrwürdiger Herr Ad. K., mit lauter Stimme ein bei dem schönen und rührenden Absätze .על הטא שחטאנו לבניך בלשון הרע s. Erläuterungen des Md Gottesdienstes nach Nelcore Hatephilla mitgccheilt von Simon Diamant, Oberlehrer in Austerlitz. Die Religion Israels bat im Laufe der Zeiten in ihrer concreteu Gestaltung große Umwandlungen durchgemacht, so ging der mosaische Cultus in den prophetischen, der prophetische in den Synagozalcultus über, nnd auch letzterer durchschritt mehrere Phasen. Diese Bahn bezeichnen die Gebetstücke. 1. Dogmatik, d. b eine religiöse Lebre, die von der Reflexion erfasst und dnrchgearbeitet, sich als bestimmter Begriff hinstellt, z. B. שמעי יגדל u. s. w. 2. Solche Gebete, die sich auf -Ritual- und Ceremonial- Gesetze (Ritus, religiöser Gebrauch nnd Ceremonie, religiöse Form des Gottesdienstes) beziehen, z. B. alle ברבות. 3. Solche, welche durch Einwirkung der Mißgeschicke auf die jüdischen Verhältniße hervorgernfen wurden, z. B. על חנפים und dergleichen. אשר בהר בנו Ein auserwähltes Volk war Israel, insofern ihm zuerst eine bestimmte, besondere Belehrung, eine göttliche Offenbarung zu Theil ward. Diese Belehrung und göttliche Offenbarung sollte es tragen und bezeugen für alle Welt und alle Zeit bis zu dem Tage, wo ״wie der Ewige einzig ist, sein Name einzig sein wird auf der ganzen Erde". Niemals aber wurden die übrigen Menschen darum, weil sie nicht zu Israel gehören, von der Gnade Gottes für ausgeschlossen erklärt; niemals wurde darum den Söhnen Israels, gegenüber den anderen Menschen, der Vorzug des Seelen- Heils und der ewigen Seligkeit zugesprochen; nirgends wird gelehrt, dass die Israeliten schon um ihres Glaubens willen selig würden. Vielmehr spricht Gott durch den Propheten Ezechiel 18, 4, ״Sieh' alle Seelen sind mein". ״Die Gerechten aller Völker, sagen unsere Weisen, werden der ewigen Seligkeit theilhastig". Diese grundsätzliche Anschauung war das Fundament, auf welchem das Zudenthum die Religion der Toleranz geworden, als welche sie auch von großen nichtjüdischen Autoritäten anerkannt wurde. Unter den Juden bat es nie Proselitenmacher gegeben, um einen anderen Glaubensgenossen zum Uebertritt zur israelitischen Religion zu überreden oder gar zu zwingen. אשר נתן לשבוי Im Talmud (ברבות und ראש השנה) wird שכוי durch Hahn übersetzt, weil in Keneserin in Syrien in der Gegend von Aleppo ebenfalls der Hahn שבוי genannt wird. Da die Morgenländer keine Uhren hatten, so wurde bei den Juden das Rufen des Hahnes als Zeichen des heranbrechsnden Tages gehalten. Auch im Tempel begann beim Rufen des Hahnes der Opferdienft, besten Stelle unser Gebet vertritt. (Juma 20, a.) Auch bei den Römern galt der Hahn als Zeichen der Wachsamkeit, darum stellten sie auf das Kapitol das Bild des Hahnes. Die alten Griechen brachten der Minerva, der Göttin der Weisheit, unter anderen Opfern auch Hähne, denn dadurch wollte man sich die Wachsamkeit eines Weisen versinnlichen. ופוך את יצרו Man wäre versucht zu glauben, diese Stelle stehe im Widerspruche mit der menschlichen Willensfreiheit. In der That war der Widerspruch zwischen der göttlichen Vorsehung und der menschlichen Willensfreiheit von jeher ein unauflöslich Räthsel der Philosophen. Hier in unserer Stelle spricht der Betende, dass er, trotz seiner Willensfreiheit sich bestreben wolle, seine Handlungen mit dem Willen des Allerhöchsten im Einklag zu bringen.

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