Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 29 (25.8.1884)
- Date
- 1884-08-25
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Gnaden" Abhängiger und doch wartet er ja auf seinen Lohn, >auf seine Versorgung im Alter, auf die Erhaltung der Seinigen, wenn er einst nicht mehr ist — dafür hat er seines Lebens Schönstes und Edelstes eingesetzt, dafür hat er abgeschlossen mit ׳der ganzen Außenwelt und ist ein Diener der Oeffentlichkeit geworden! Darum ist es Pflicht, unumgängliche Pflicht des Gemeinde׳ beamten, durch Beitritt zu dem Cantoreuverein seine Zukunft doch einigermaßen zu sichern, denn dann ist es zu spät, wenn jene Tage kommen, von welchen der Weise sagt: ״Wenn die Jahre kommen, wo Du ausrufen wirst 6), ich mag sie nicht, und die Töchter des Gesanges verstummen", auf dass man Dir dann micht zurufe: ״Siehe, Du bist alt!" .והגיעו שנים אשר תאמר אין לי בהם חפץ (° Saliliathey Zwy eine biographische Skizze von Dr. H. H. Nathan Benjamin, ein gelehrter Jude zu Gaza, der in Asien großes Ansehen sich erworben hatte, theilte Sabbathey's Ansichten und ließ sich herbei, die Rolle des Propheten Elias, Welcher der Vorläufer des Messias ist, zu spielen. Es ist nöthig, diesen Nathan, ein mächtiges Getriebe in diesem Rade des Betruges. genauer kennen zu lernen. Er war eigentlich ein Deutscher, daher ihn Einige Nathan Aichkenasi, und weil er nachher zu Gaza wohnte, Gazasi nennen. Zur Vervollkommnung seines Studiums reiste er nach Jerusalem. Er zeichnete sich im Talmud und in der Kabbala ungemein aus, mußte sich aber in Jerusalem blos durch Almosen erhalten. Sein berühmter Lehrer, Rabbi Jacob Chagis, empfahl ihn dem sehr reichen Samuel Lisbonna in Gaza. Er fand hier freundliche Aufnahme, und der reiche Lisbonna ward durch Nathans Gelehrsamkeit und sittliches Betragen so eingellommen, dass er ihm, ein Auge abgerechnet, seine übrigens ungemein schöne Tochter zur Frau g?b und, um den Studien sorgenfrei obliegen zu können, einen lebenslänglichen ׳Gehalt zusicherte. Trotz der tiefen Gelehrsamkeit in den erwähnten Fächern war Narhan nichts weniger als ein sinsterer Gelehrter; er war sehr guter Laune, die er aber einmal plötzlich änderte, die Einsamkeit aufsuchte und später öffentlich Büßpredigten hielt. Als ihn seine Freunde um die Ursache der schnellen Aenderung fragten, erwiderte er: ,Wisset, dass der Messias im Anzuge ist und nächstens erscheinen wird. Ich bin daher verpflichtet, durch Buße und Kasteiungen dessen Ankunft und Herrschaft zu beschleunigen*. Als Sabbathey auf seinem Wege nach Jerusalem durch Gaza reiste, rief dieser Nathan Benjamin aus: ,Dies ist der Heiland Israels, der Gesalbte des Gottes Jacobs! Von ihm haben alle Propheten geweissagt!* Sabbathey ließ ihn zu sich holen. Nathan erschien unverzüglich. Beim Eintritt in das Zimmer warf er sich sprachlos zu Boden. Sabbathey hieß ihn aufstehen und fragte: ״Was hast Du von mir gesprochen, und wer sagte Dir, dass ich der Heiland sei?" Da erwiderte Nathan zitternd: ״Ich schwöre beim allmächtigen, großen und furchtbaren Gott, dass ich ihn, den Ewigen, wie einst der Prophet Ezechiel, auf seinem Thronwagen sah; die zehn Sephirot brausten wie Meeres, wogen um ihn her, und eine Stimme rief mir zu: ״So spricht Jehova, gekommen ist Euer Heiland, Sabbathey Zwy ist sein Name. Er schreitet einher wie ein Held, wie ein Krieger, von Mache entflammt. Er jauchzt, brüllt schrecklich, ist seinen Feinden überlegen *). Nicht nur gehört habe ich diese Prophezeiung, sie stand auch mit feurigen Buchstaben vor uns geschrieben." Nathan ließ nun folgendes Sendschreiben an alle jüdischen Gemeinden des türkischen Reiches ergehen: ״Brüder in Israel! Es gelange zu Eurer Kunde, dass der Mesiias Sabbathey Zwy, in Smyrna geboren, sein Reich bald offenbaren werde. Die Krone wird er vom Haupte des Sultans nehmen und sich dieselbe aufsetzen. Wie ein Sclave seinem Gebieter, wird er ihm folgen. Sabbathey wird dann unsichtbar werden, über den Bach Sambation setzen, daselbst mit der Tochrer Mosis sich vermählen, die zehn Stämme an sich ziehen und unter Mosis Begleitung auf einem mit einer siebenköpsigen Schlange gezügelten Drachen in Jerusalem einzieheu. Auf diesem Zuge wird Gog und Magog mit einem mächtigen Heere ihn^ überfallen. Aber nicht mit gewöhnlichen Waffen wird der Messias seine Feinde besiegen. Seines Mundes Hauch wird hinreichen, sie niederzustürzen, und sein Wort allein wird sie vollends ver׳ Nichten. Nach seinem Einzuge in Jerusalem wird Gott den im Himmel aus Gold und Edelsteinen erbauten Tempel zur Erde herablassen, in welchem der Messias als Hoherpriester opfern wird. Ich eile, dies Alles Euch bekannt zu machen". Durch diese und mehrere ähnliche Proclamationen ließen sich eine Menge Leichtgläubiger berücken, zur Fahne des Propheten zu schwören. Sabbathey's zwei ältere Brüder, Elias und Josef, betrieben auch von Smyrna aus seine Sache und wußten dadurch dessen Partei bedeutend zu vermehren, indem sie allenthalben Briefe von Sabbathey und Nathan bekannt machten, in welchen sie durch Stellen aus dem Sohar und anderen kabbalistischen Schriften die Echtheit ihrer Sendung zu beweisen suchten. Endlich unter Mohamed IV. warf sich Sabbathey zum Messias auf. Unter diesem Fürsten ward das Reich der Osmanen durch innere Factionen zerrüttet und von mächtigen, auswärtigen Feinden bedroht. Deswegen schenkte die mit wichtigeren Augelegenheiten beschäftigte Regierung diesen Umtrieben gar keine Aufmerksamkeit, und die Sectirer hatten bequeme Gelegenheit, ziemlich lange ungestört ihr Unwesen zu treiben-' Nach mehrjährigem Aufenthalle zu Jerusalem sagte Sabbathey eines Tages: Ich muss nach Egypten! Mich erwartet dort die bei meiner Geburt mir vom Himmel bestimmte Gemahlin. Er reiste ab und heiratete ein polnisches Mädchen, das er in Egypten fand. Da aber Alles, was Sabbathey betraf, das Gepräge des Wunderbaren tragen mußte, so erzählte man sich Folgendes von dieser dritten Gemahlin: Sie sei ihrem Vater Rabbi Mayer bei einem Einfalle der Russen in Polen 1648 als sechsjähriges Kind geraubt worden. Vergebens suchten die trostlosen Eltern durch mehrere Jahre die verlorene Tochter, bis sie endlich erfuhren, dass sie getauft in einem Kloster erzogen wurde. Umsonst ward alle Mühe anzewendet, um das Kind wieder zu bekommen. Vater und Mutter starben vor Gram. Dem achtzehnjährigen Mädchen erschien Nachts des längst verblichenen Vaters Geist, hob die Nackte aus dem Bette, flog durch's Fenster und ließ sich mit ihr in fernem Lande in grauser Nacht auf den stillen Gräbern eines jüdischen Friedhofes nieder. ״Ich bin Dein Vater", sprach er, ״Du bist von jüdischen Eltern. Bald werden Deine Glaubensgenossen des nahen Städtchens hier eine Leiche beisetzen, Dich zu Deinem Bruder Samuel nach Amsterdam bringen, der nach Egypten Dich führt und dem Sohne Davids, dem Messias Sabbathey Zwy, Dich vermählt". — Der Geist verschwand. Der Morgen grauet, es nahet der Leichenzug. Das Mädchen erzählt die Geschichte, man bekleidet sie und schafft *) Jesaia 42, 13.