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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-08-25 · Heft 29 (25.8.1884) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 29 (25.8.1884)
Date
1884-08-25
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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wie gelangte dieser so frühzeitig ins Allerbeiligste der göttlichen Kunst? Wir kennen leider die ganze Geschichte jener Vorkommniße nicht, dürfen jedoch getrost den Ausspruch fällen, dass Naumburg, wie jede echte Künstlernatur, durch eine außerordentliche, geheime Kraft und durch äußerst glückliche, aber iw Kunststreben begründete Verhältniße dorthin geleitet wurde, von wo allein sein Heil für die Zukunft zu erwarten war. Mutter Natur, die gütige Beschützerin, namentlich des Gesanges, vertbeilt die Gaben und Talente frei׳ gebig unter die Menschen; 'allein, wenn die Bedingungen der Ausbildung nicht fürsorglich erfüllt werden, so müssen selbstverständlich dem, lediglich mit N a t u r anlagen Arbeitenden nicht allein die heiligen Hallen der K n n st verschlossen bleiben, sondern das schöne Naturgeschenk kann sogar, wie eö ja auch bei mehreren modernen jüdischen Cantoren der Fall ist, sowohl für den Betreffenden, als auch leider für die Gesammtinteressen der belrefj senden Gemeinschaft zum Fluche werden. Bei Naumburg gestaltete sich Alles zum Segen, weil seines Lebens schönste Ausgabe die emsige Arbeit an dem ihm von der Vorsehung verliehenen Talente und die stetige Sorge für die Auffindung der geeignetsten Mittel hiefür war. Dieses Trachten und Sinnen im Dienste der Kunst brachte ihn selbstverständlich den geweihten Priestern derselben nahe, und so mag es gekommen sein, dass wir den kaum 18jährigeu Knaben in der Gemeinschaft hervorragender Künstler, in der Werkstätte ernster m der Kunst bereits sattsam bekannter Männer antreffen. Röder ward nicht allein der äußerst gewissenhafte Mentor Naumburg's in den Elementen der Musiktheorie und Compositionslehre, sondern gleichzeitig sein Gönner, der sich alle erdenkliche Mühe gab, um den Lebensweg, seines Schülers freundlich zu gestalten, und Naumburg bemächtigte sich nicht nur mit der ganzen ihm u Gebote stehenden Willenskraft der ihm gebotenen Musikschätze, stidern aihmete in vollen Zügen in der kunstgeschwängerlen A^osphäre der Nöder'schen Umgebung. Naumburg lernte nicht all'« die edle Musik, sondern, wie er oft später zu äußern er lebte für Musik und dieses Musikleben habe seinen n1״llUifd;e11 Änschauungskreis mehr erweitert, als alle gelehrten Theiel.^xg einfachen und doppelten Contrapunktes. H׳ den Werth der im Nöder'schen Hause empfangenen nu1]tfalru״ Anregung yoß und ganz zu würdigen, genügt es einen 33lt1.auf die gerade in jener Periode obwaltenden geschichtlichmusikalische Zustände zu werfen, welche namentlich bezüglich ihrer glaubensgerst'j^^^ Färbung auf Naumburg einen mächtigen und nachhaltendettz.j^d^E. machten. Rossini hatte, nachdem er mit der zeitgemäß Gestaltung der alt-musikalischen Kunstform, namentlich in (״e״ Opern ״Tancred", ״Barbier" u. ״Semiramis" den italienischer O>pernstyl zur höchsten Blüthe gebracht, der Anregung Auber^j^rische Stoffe für die Oper zu verwenden׳ folgend, mit der Bearbeitung des ״Tell" einen Erfolg erzielt, der für d künftige Gestaltung der Oper maßgebend sein mußte. Von alt^ jüngeren Zeitgenossen Nossini's verstand es jedoch Keiner, bies^oi-g^eichuete Richtung so voll und ganz zu erfassen, so erschöpfe ,u seinem eigenen musikalischen Glaubensbekenntniße zu gesta^ a1s Meyerbeer. Wir müssen, trotzdem es unseres Erachlem^^^ wäre, in Berücksichtigung des Rahmens unserer Besprech.^ uns dennoch versagen, auf die musikalische Bedeutung 9Kerkeer׳g speciell einzugehen, nur so viel sei als für die vu^nde Arbeit nöthiz — bemerkt, dass der durch die Opern ,׳,Robe,^^״Hugenotten" erzielte Erfolg Meyerbeer's ein geradezu ^ltb^nder genannt werden mußte. Auch die Arbeiten Halsvy s, desselz^utung durch die Schöpfung der Opern ,,die Jüdin" und ״der gerade am Zenith stand׳ die jedoch auch durch seine späteren Tonwerke ״König von Cypern" und ״Carl der IV." und zwar in Folge der, der Meyerbeer'schen Kunstform zuneigenden Manier allgemeine Anerkennung fanden, waren und sind bedeutungsvoller, als von gewisser Seite zugestanden werden mag. Die geistvollen Schöpfungen dieser beiden jüdischen Componisten fanden nun in der Nöder'schen Musikwerkstätte eine äußerst anziehende kritische Würdigung; musikalische Damen und Herren sangen und spielten einzelne Scenen der angeführten Opern, wonach jedesmal zur Besprechung der vorgeführten Nummern geschritten wurde. Naumburg war nicht nur Zeuge dieser, den Werkenseiner berühmten Glaubensgenossen dargebrachten Ovationen, sondern es ward ihm selbstredend auch gestattet, seine eigene Anschauung kund geben zu dürfen und eine, gelegentlich einer Befprechung der Oper ״König von Cypern" von Naumburg absichts- und harmlos hingeworfene Anschauung, war für den späteren Lebensgang Naumburg's insofern von eminenter Bedeutung, als durch eine diesbezügliche freundliche Mittheilung Röder's an Hal6vy der Letztere auf den jungen Kunstnovizen Naumburg aufmerksam gemacht und von ihm einer schmeichelhaften Beachtung theilhaftig wurde. War es nun der künstlerische Siegeszug dieser beiden Religionsgenossen, oder war es das damalige blühende Kunstleben der französischen Hauptstadt, oder aber waren es die angedeuteten freundlichen, künstlerischen Be- Ziehungen Naumburg's zu Halsvy, die wohl die Macht besitzen konnten, im Herzen eines aufstrebenden, ideal angelegten Kunstjüngers eine ganze Well von Hoffnungen und Plänen wachzurufen? Die diesen Umstand beleuchtenden Notizen fehlen uns leider — allein so viel ist bekannt, dass es unseren jungen Freund mächtig nach Paris zog und er auch keinen Anstand nahm, seinem verehrten Lehrer und Gönner hievon rückhaltslose Mittheilung zu machen- Röder billigte dies Unternehmen, namentlich im Hinblicke auf die bei ihm ziemlich zum Abschlüße gebrachten Musikstudien Naumburg's und auf die Aussichtslosigkeit, eine seinen großen Fähigkeiten entsprechende praktische Thätigkeit in München selbst zu entfallen, in der festen Hoffnung, seinen reichtalentirten Zögling einstens ״auf der Höh e" musikalischer Bedeutung im weiteren Sinne zu finden. Allein im Herzen Naumburg's wurzelte zu lief der Geist des frommen Elternhauses und namentlich die Zugehörigkeit zu einer alten jüdischen Cantorenfamilie, deren Krone er einstens werden sollte. Dieses Hinneizen zu der geräuschlosen und an äußeren Erfolgen jedenfalls ärmeren Thätigkeit eines jüdischen Caniors findet in der Thatsache volle Bestätigung, dass die ersten Früchte der Naumburg'schen Musik gleichsam als Opfer für den Altar Gottes dargebracht, und zwar der Münchener' Synagoge gewidmet waren *). (Fortsetzung folgt.) *) Es dürfte uns gelingen, ein oder mehrere dieser für die Münchener Synagoge von Naumburg gearbeiteten Gesänge demnächst als interessante Beigabe dieser Arbeit folgen zu lasten. ״Siehe, Du bist alt". Ein Mahnruf der heiligen Schrift zur Zusammengehörigkeit. Don Simoa Diamant. Oberlehrer in Austerlitz. Bei der Lectüre des dieswöchentlichen Thoraabschnittes ergibt sich bei oberflächlicher Betrachtung ein auffallend scheinender Widerspruch in Betreff der Einsetzung eines Königs in Israel- Es heißt nämlich: ,Wenn das Volk die Bitte um Errichtung

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