Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 28 (17.8.1884)
- Date
- 1884-08-17
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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diesmal war es der blühende Sabbatiny. der ui der Ausübung der ehelichen Pflicht die strengste Entbalttamkett beobachtete Seine Gattin bescvwerte sich bierüber dci ibren Gl lern. Düse luden ihn vor ein Rabvinen-Gericht, welches ihm befahl entweder Gatte zu sein, oder seiner Frau den Schetdebrtes zu gebe». Gr wählte, das Letztere. Bald darauf vcrband er sicv avermals mit der Tochter eineS anderen Smyrnaer Juden; aber amt) oieie theilte das Loos ihrer Vorgängerin, und er mußte sich ebenfalls von ihr trennen. Als feine Freunde über dt-s Betragen rbm Vorstellungen machten, gab er vor, der h.iltge Geilt (רוח הקודש) habe ihm verkündigt, dass keine von Beiden die für ton vom Himmel bestimmte gewesen lei. Andere sind der Meinung, er habe seinen Stoicismtts stäblen und in der Tugend der Guthaltsamkcit sich üben wollen. Ueberhaupt schien Sabbatbey der Körperwelt entsagt zit haben und nur io viel von ihr in Änl'vruch nehmen zu wollen, als zur Erhaltung feiner irdischen Hülle tutumgänglich nöihig war. Er lebte von Nektar und Ambrosia in den höheren Regionen der Geister, über welche er eine Herrschaft zu erwinden sich vor genommen batte. Er sing nun an, die geheimsten Geheimnisse der Kabbala öffentlich zu lehren und erwarb sich unter seinen GlanbenSgenossen im osmanischen Reiche einen beispiellosen Nns. Obschon nur der Sohn eines Hühnerkrämers fasste er in seinem vierundzwanzigsten Jahre, zwar sehr unterrichtet in Allem, was für seine große Nolle zu wissen nöihig war, den ehrsüchtigen und kühnen Entschluss, seine Neligionsverwandten zu bereden, er sei der von den Propheten verheißene und seit so vielen Jahr- Hunderten erwartete Befreier Israels. Er nannte sich einen Sohn Davids, sprach, was nach der Meinung der späteren Juden imerlaubt ist, den Namen Gottes aus, wendete mehrere Prophezeiungen auf sich au und bildete sich ein, auf Wolken einherzufahren, wie der Prophet Jiata vom Messias verkündigt batte. Entweder war seine Einbildungskraft wirklich schon so krank, oder glaubte er durch sein Ansehen soviel Ehrfurcht bei seinen Schülern erworben zu habett, dass er die Frage au sie stellen konnte, ob sie ihn gesehen hätten, gen Himmel steigen, und dass er denen Blindheit vorwarf, welche diese Frage verneinten. Es gab vernünftige Leute genug, welche wohl merkten, wie weit ein Mensch sich verstiegen habe, der so dreist sich rübmett konnte, Wunder verrichtet zu baben. Die Nabbineu zu Smyrna ließen ihn durch zwei Gerichtsdiener warnen, sich seiner strafbaren Aeußerungen zu enthalten; da aber Sabbatbey in seiner bisherigen Weise fortfuhr und hartnäckig behauptete, dass ihm als Messias so zu handeln zukomme, so sprach das Nabbinengericht ans doppelter Ursache das Todesurtheil über ihn; weil er als Messias sich ausgegeben, und den Namen Gottes auszusprechen sich erkühnt habe. Die Rabbinett erklärten ihn vogelsrei. machten öffentltch bekannt, dass derjenige ein gottgefälliges Werk verrichte, welcher ihn tobten werde, und versprachen, die nach türkischem Rechte aus diesen Mord gesetzte Geldstrafe zu erlegen. Dieser Beschluss schreckte Sabbathcy; er stoh nach Thessalonich, wo er mit Vortheil bei den dortigen zahlreichen Inden seine Rolle fortzuspielen hoffte. Wirklich fand er Anfangs glänzende Aufnähme. Alles versammelte sich, um ibn zu hören. Als er aber in Gegenwart feiner zahlreichen Zuhörer sich für einen Sohn Davids erklärte, wurde ihm auch hier von den Rabbinen der Befebl ertheilt, unverzüglich die Stadt zu verlassen, widrigenfalls er den Tod zu erwarten habe. Sabbathey floh von hier, gejagt durch den Verfolgungsgeist der Rabbinen, nach Athen, und von einer Stadt Griechenlands zur andern. In ganz Morea fand der Messias keine sichere Stätte mehr. Er ging endlich nach Alexandrien in Egypten und von da nach Jerusalem. k Die Umstände, w elcke Sabbathey's vorgeblicher Sendung mächtigen Vorschub leisteten, waren folgende: Die meisten Kabbnlisten hatten durch Berechnungen erwiesen, dass um das Jahr 1666, wo Sabbatbey auch im größten Flore war, der Messias kommen müsse. Er wußte nach den Grundsätzen der Kabbala diese Arithmetik so geschickt in Beziehung auf sich zu bringen, Daie viele ungelehrte sowohl als gelehrte Juden zu seiner Fahne schwuren. So wendete er den Vers Jesaias כי יום נקם בלבי ושנת גאולי באה .In meinem Innersten glüht ein Tag der Rache, das Javr meiner Erlösung ist angelangt", auf sich an; indem er nachwies, dass die letzten Worte dieses Verses (1שנת גאולי באה) mit seinem Namen (שבתי צבי) gleichzahlig sind. (Fortsetzung folgt.) Monatsbericht der ״ Alliance Isr. Univ.“ Fortsetzung aus Nummer 27. Europäische Türkei. Der Bericht vom Monat Mai hat die Zwischenfälle wiedergegeben. welche sich in Sosia und Candia, in Folge der unsinnigen und blutigen Anklage gegen die Juden dieser beiden Städte zugetragen haben. Anbei ein ähnlicher Fall, der sich in Constantinopel ereignete. Seit dein Brande vom Stadtviertel Haskiöi haben sich eins große Anzahl jüdischer Familien in dem Stadtviertel Koulacsi; niedergelassen, wo sie eine kleine Synagoge errichteten. Am Abend des 27. Juni, am Vorabend des Psingstfestes, waren die Inden im Tempel zum Beten versammelt, als sich plötzlich ein großer Tumult vernehmen ließ. Eine mobamedanische Frau, deren Kind ihr seit dem Morgen abbanden gekommen war, hatte das ganze Stadtviertel gegen dis Israeliten ausgewiegelt und hatten sich die Leute vor der Synagvge versammelt, um unter lautem Geschrei das Kind zurückzusordern; welches jene, ihrem Glauben nach, im Tempel wersteckt hielten. Der Vorstand der Gemeinde trat hervor, um die Menge von der Grundlosigkeit ihrer Anklage zu überzeugen, doch nutzte da׳ nichts, und sie bestanden daraus, die Synagoge zu durchsuchen, unter der Androhung die Lbüren sprengen zu wollen. Ohne das Dazwischentreten der Polizei und eines höheren Marine׳Officicrs, Eyoub-Bey, dem es gelang die Masse zu bsruhigen, wären große Unzuträglichkeiten nicht ausgeblieben. Man gestattete einigen Mohamedanern den Tempel zu betreten und sich zu überzeugen, dass kein Kind dort verborgen sei. Indessen wurde das vermißte Kind wiedergefnnden; es hatte in der Nähe einer Gerberei geipielt und war eingeschlafen. Einige Vorsteher der muselmännischen Gemeinde haben den Israeliten ihre Ent. schuldignug vorgebracht und diese haben ihrerseits versprochen, der Sache keine Folgen zu geben, um das gute Einverständnis, welches bis dahin zwischen Juden und Mohamedanern geherrscht, nicht zu trüben. Durch einen kaiserlichen. Erlass S. M. des Sultans, ist es den Israeliten des Auslandes verboten, sich in Syrien und Palästina niederzulassen. Die o!romanische Regierung erlässt für diese Länder nur Pässe von 30tägizer Giltigkeit. Am Ende dieses Zeitraumes müssen die Inhaber dieser zeitweiligen Erlaubnisscheine das Land verlassen. Man behauptet, dass diese strenge Maßregel hauptsächlich gegen die russischen und rumänischen Juden gerichtet ist, welche sich ohne Subsistenzmittel in Palästina niederlassen möchten, wo sie keine Hilfsquellen vorsinden und nur das bereits sehr große Elend der Israeliten des Landes erhöhen würden. Ein osficiiles Dementi. In feiner Nummer vom 6. October 1883 halte die Zeitung 1'^.nti-86rnitic1u6 einen Aufruf vom 1 verstorbenen Adolph Cremieux veröffentlicht, den dieser bei Ge-