Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 28 (17.8.1884)
- Date
- 1884-08-17
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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־5- — ומתתיה בץ מיכא־בן אסף ראש התחלה יהודה לתפלה Und Nkataujah Sohn Micha's, Führer des Anfanges, der beim Nebele anstimmt. (Nebem. 11. 17.) 5. Leibi! zur Zeit des zweiten Tempels, als die'Israeliten unter pei siicber Herrschaft standen, waren die Cantoren königliche Beamte und erbielren aus dem Staatsschätze ibren Gehalt: "כי מצות המלך עליהם ואמנה על המשוררים דבר יום ביומר ,Denn ein Gebot des Königs war über sie ergangen und ein fester Lobn für die Sänger bestimmt, das Tägliche an seinem Tage׳ .'׳’li dem. 11 23.) Ans dem Angeführten glaube ich genügend bewiesen zu haben, dass die Oautoros asiatiei in Palästina eine ebenso glänzende als würdige, ihrem heiligen Berufe entsprechende S.ellung einnabmen. Und nun drängt sich mir aber die Frage aus: ,Warum ilt dies bei den Oautorss n ostras nicht der Fall? Warum macht das Judenthum, welches doch allen Traditionen der Vorzeit treu geblieben ist, just bei dem Cantor hinsichtlich der in der Bibel genau verzeichnet?» Pflichten und Rechte eine Ausnahme?' Doch einige Worte des Psalms 137, 2. geben darüber Aufschluss: "על ערבים בתוכה תליכו כנורותיכר ,Als unsere Vorfahren in's Exil wanderleu, hängten sie ihre Harfen an die Trauerweiden, der Gesang verstummte, und die Tbräue, der beredte Augenzeuge inneren Schmerzes, trat an ihre Stelle." תחת קול שמחיתי בבי ואנהות ״Statt melodischer Tonwellen ergehen sich Thränenwellen," sagt der Verfasser einer Kinah. Das kuustgebildete Sängerthum wurde abzeschafft und das Vorbclertdum trat an seine Stelle, denn letzteres hatte keiner vorbereitenden Schule nöthig. Wen die Notb drückte, wer das nationale Unglück am tiefsten empfand und beim Gebete demselben den ergreifendsten Ausdruck geben konnte, der ward zum Vorbeter erkoren. ,Die Vorbeter lieh man in Nöthen, damit die Noch sie lehre beten.' Nun aber ist das Morgenroth einer neuen Aera erschienen. Papa Nr. 2, unser allvexehrter Nestor Sulzer, hat den göttlichen kunstvollen Gesang in die heiligen Hallen des Tempels wieder eingrfnhrt, er hat das Cantorenihum insofern zu Ehren gebracht, als wir wieder untere alten Pflichten — wie die Bibel sie vorschreibt — übernommen haben. Es fragt sich nun: Werden uns Gemeinde und Staat in unsere alten Rechte wieder einsetzen'? Vielleicht! Wir wollen es wenigstens anstreben. Werden doch die Gemeinden begreifen, dass man bei verstimmtem Gemüthe nicht stimmungsvoll zu singen vermag, und sie werden deshalb die möglichsten Opfer bringen, da eben Noth nicht — lehrt singen. Ob wir aber bei der jetzigen politischen Strömung, obschon die Verstaatlichung so vieler Institute an der Tagesordnung ist, auch aus unsere staatliche Anerkennung rechnen tonnen, wie sie zu der Perser Zeiten bestand? Doch hier gilt uns die veränderte Deviie des grohen Staatsmannes: »Wir mü ssen warten.' Ich aber schliche jedenfalls mit dem Wunsche: O, dass der Himmel die Bitt' gewähre. Dass verstaattlcht werden — die Cantöre! Fünfhaus, am 13. August 1884. Salilmthey Zivy eine biographische Skizze von Dr. H. Der Menschenfreund weint eine Thräne, die ihn ehrt, wenn er im großen Buche der Geschichte auf jene Unglücklichen stößt, die, von der gütigen Natur mit den herrlichsten Anlagen ausges rüstet, dem menschlichen Geschlechte wichtige Dienste zu leisten, durch eine schlechte Richtung in der Erziehung oder durch den Gang des Geschickes demselben ganz verloren gingen; oder was noch schlimmer ist, ihre seltenen Gaben ihm zum Nachtheile an׳ gewendet haben. Die Lebensbeschreibungen solcher Mihrathenen sind nicht ohne wahren Nutzen. Sie stehen da als Warnungstafeln für den Unerfahrenen, die ihm zeigen, tvie nicht selten auch der fähigste Kopf von den Jrrthümeru seiner Zeit hingerissen und verwirrt, zum Ungethüms wird, und wie gefährlich zügellose Schwärmerei Alles um sich her ansteckt. Sabbatbey Zwy, Mordochai Zwy's Sohn, ward 1625 zu Smyrna geboren. Sein Vater, ein türkischer Jude aus Morea, war anfangs Federviehhändler, kam aber nachher als Maaren- Mäkler bei englischen Kaufleuten in günstigere Vermögensveri hältnihe. So viel die Natur vermag, um den Menschen liebenswürdig zu machen, hatte sie auch für den jungen Sabbathey gelhau. In ihm vereinigten sich die Vorzüge ans dem Reiche der Formen mit den glänzendsten Anlagen des Geistes. Sabbathey war schön wie ein Engel, und erzogen in der Stoa, wäre er das Wunder Griechenlands geworden, aber Zeit und Ort widerltrebten dem. Er wurde in der Bibel und im Talmud unterrichtet, des Knaben Fähigkeiten waren so groß, dass er all' seine zahlreichen i Mitschüler übertraf und. bald keines Lehrers mehr bedurfte. Als er die Schule verließ, widmete er sich, ohne in diesem Fache je einen Lehrer gehabt zu haben, der Kabbale, ein Studium, an welches sich nur Rabbiner im höheren Alter zu wagen pflegen. Er brachte es darin zu einer so hoben Vollkommenheit, dass die Nabbinen seiner Vaterstadt ihm im achtzehnten Jabre den Titel ״Chaeham“ ertheilten und die ersten und die gelehrtesten Männer Smyrua's Vorlesungen in der Gcheimlchre bei ihm hörten. Im Rufe eines großen Kabbalisten, nahm nun Sabbathey, gleich einem Hierophanten zu Eleusis, die in seine Geheimniße Einzuweihenden auf und ertheilte ihnen, freilich in keinem Tempel aus pentelischem Marmor, sondern in dem kleinen, väterlichen Wohnhause Unterricht. Sie mußten beinahe wie bei den Mysterien der Ceres sich reinigen (durch Baden im Meere) und mehrere Male in der ׳Woche fasten. Sabbalhey selbst nahm volle sechs Tage und Nächte, von einem Ausgange des SabbathS bis zum Eingänge des nachfolgenden weder Speise noch Trank zü sich. Mit vieler Lebensgefahr stieg er um Mitternacht in's wogende Meer, und trotz dieser Kasteiungen glänzte sein Angesicht, wie das Antlitz eines überirdischen Wesens, und seinem Körper entdufteten paradiesische Wohlgerüche. Wie die Koryphäen in der Kabbala, Rabbi Simon best' Jochai, Rabbi Isaak Loria, wie die Weltweisen PyibagoraS und Plato, führte auch er zuweilen seine Schüler in's Freie und unterrichtete sie. in! Angesichte der Natur unter dem unermeßlichen Sternenzelte in den Geheimnißen seiner Lehre, nicht achtend des Spottes und der Neckereien deS türkischen Pöbels. Der zwanzigjährige Wundermann, ein Heiliger, schön und gelehrt, konnte nicht lange den Augen dev reizenden Schönen seiner Vaterstadt gleichgültig bleiben. Die Tochter eines sehr reichen und vornehmen Mannes aus Smyrna war die Glückliche, : mit ihm vermählt zu werden. Gewöhnlich pflegen nur die Heiligen ' im hohen Älter den meisten Lebensgenüssen zu entsagen; aber