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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-08-09 · Heft 27 (9.8.1884) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 27 (9.8.1884)
Date
1884-08-09
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Zeder werß, na|S auch dieses nur mit Hiue der Nachbarn zu Staude gebracht ward. Nur für den, der die Dinge blos äußerlich zu betrachten pflegt, könnte die Bemerkung genügen, dass mit dem zweiten der Zehngebote dem hebräischen Volke der Weg zur Kunst auf immer abzescknitten war. Denn mit Recht kann man bemerken, daß. wenn jene Hemmung von Moses ausging, eben diese Gesetzgebung dem Charakter der Völker, auf die sie noch bis heule mannigfachen Einfluß bat, höchst angemessen sein mußte; denn ganzen Völkern läßt sich auf viele Jahrhunderte nicht befehlen und verbieten, was ihnen nicht angemessen wäre. Wäre in dem hebräischen Volke irgend eine Anlage zur bildenden Kunst vorhanden gewesen, so wäre sie doch, wenn auch in modificirter Richtung, zum Durchbruche gekommen, noch dazu, da Israel in mancher Zeilperiode so wenig in den Grenzen seiner Religion beharrlich gewesen. Erst in den Zeiten, wo das eigentliche Leben deS Volkes abgeschlossen war, konnte dies Gebot dahin wirken, dass schon bloße Trophäen, die Her ödes aufstellen ließ, diesem von Seiten des Volkes den grimmigsten Hass zuzogen, weil es sie für Bilder von Waffen eingeschlossen hielt. Hierbei ist selbst nicht zu vergessen, um den Contrast desto mehr hervorznhcben, dass die Hebräer aus einem Lande kamen, wo die Kunst schon stark blühte. Es mußte also ein naturgemäßes Ergebnis des Charakters und der Tendenz Israels sein, die bildende Kunst außerhalb seines Lebensgebietes liegen zu lassen, indem es diagonal der Aufgabe derselben, die Idee und Geistigkeil durch die Materie zur sinnlichen Anschauung zu briug-en, entgegengesetzt gerade das Aufgehen und Aufgeben des materiellen Daseins in die rein geistige Existenz verlang;-/ -;no erstrebte. Bei einem Volke, wo die körperliche Erscheinung des Menschen ganz zurückgedrängt, höchst untergeordnet n»d jede Ethik der Materie völlig nicht vorhanden, vielmehr geleugnetwar, konnte die bildende Kunst durchaus keine Wr.rgel. fchlagn׳.. Ze weniger sie also in Israel irgend einen ׳AnklunAK'.nb, desto entschiedener stcbt für uns der gezeichnete Charakis;- -!nsgeprägt. Wir brauchen nun wohl nicht die entge-tzeügesetzten Bcstandtheile des hellenischen Lebens noch ' einmal hervorzuheben, durch welche . eine so glückliche Meisterschaft in der bildenden Kunst auf immer diesem Volke, verschafft wurde. Nur das Eine wollen wir hcrvo׳.heben, dass gerade dasjenige Pr i n c i p. welches die griechiichc Kunst beseelte und beherrschte, für den Charakter dieses Volkes völlig bezeichnend ׳st. Man weiß, wie die Kunstiheoletiker sich über das böckstc Princip der plastischen Kunst gestritten haben, wie der Eine die aus sich beruhende Äpaihie, der Andere die Schönheit der Fo-m an sich, der Dritte den Ausdruck habe geltend machen wollen. Allein man vergaß hiebei, dass in der Wirklichkeit die verschiedenen Völker und die Arten der plastischen Kunst ihr verschiedenes Princip haben muffen und haben. Bei den Hellenen ist es nur allerdings die Schönheit der Form an flch, die als hochstes erstrebt und welcher der Ausdruck selbst untergeordnet war. Erst mit einer gewissen Vermengung des r ö m ische 11 Lebens drang in die hellenische Kunst das Verlangen nach Wahrheit und Lebendigkeit des Ausdruckes hinein. Gerade die Kunstproducte, in denen Leidenschaft und Schmerz ausgedrückt werden sollte, geben hiefür den Beweis, wie Lavkoon. Niobe, der belvederische Apoll und dgl. Für die römische Kunst bleibt es immer bezeichnend, dass ihr Ursprung stets an den Mann erinnert, der seine Soldaten zwingen will, die Schäden an den verpackten Statuen aus ihre Kosten ausbeffern zu laffen. Dass, nachdem die griechische Bildüng bei den Römern nach sechs Jahrhunderten des Bestehens von Rom Eingang zu flnden begann, diese an den Producten der griechischen Kunst viel Gefallen fanden und sie um deffentwillen, wie wegen der Pracht ihrer Paläste und Villen mit ihrem Golde lehr förderten, dass demnächst später auch-Römer etwas leisteten, ist natürlich Einerseits sind es. aber Münzen, Gemmen und Porträts, die in der römischen Kunst zu einer hohen Ausbilduug kamen, andererseits blieb es immer griechische Kunst und Hatte nichts ursprünglich Römisches. Das Schlachten und das israel. Speisegeseh. Wie wir der ,Laubhütte' entnehmen, hat sich Herr Professor Dr. Reclam in Leipzig, angesichts der vielfachen Resolutionen, welche in jüngster Zeit von verschiedenen Thierschutzvereinen gegen das rituelle Schlachten gefasst wurden, in folgender, sehr bemerkenswerther Weise über diese Frage geäußert; ״Die Talmudisten waren nicht Mitglieder eines Thierschutz- Vereines, aber sie gehörten einer Nation an, welche jedem ihrer, Mitglieder die größte Humanität gegen alle lebenden Wesen zur Pflicht machte, wie z. B. aus der Vorschrift bervorgeht, dass nicht eher eine Mahlzeit gehalten werden soll, bis die Thiere gefüttert sind. Die Vorschriften für das Schlachtverfahren hatten den Zweck,- dasselbe so weit als möglich ״cito, tute, et jucunde“ zu gestalten und bestehen in der Hauptsache in Folgendem: 1) Jede Unterbrechung, welche das Leiden des Thieres verlänger!, macht dessen Fleisch ungenießbar. 2) Der Einschnitt soll durch eine hin- und hergehende Bewegung ausgeführt werden. 3) Der Hauteinschnitt soll den Umfang der tieferen Wunde nicht übersteigen, da die Haut sehr empstudlich ist und jede unnöthige Verwundung derselben vermieden werden soll. 4) Die Wunde soll nicht so hoch gemacht werden, dass das Messer, in Berührung mit den Knvchentheilen über dem Rmgknorpel der Trachea kommt. 5) Kein Gewebe darf zerrissen werden. Um letzterer Vorschrift nachzukommen, darf das Messer nicht die geringste Scharte haben, und diese Forderung wird noch beute mit größter Strenge durcbgeführt. Der Schächter hat eine längere Lehrzeit und am Ende derselben eine Prüfung zu bestehen. — Nachdem die Thiers getödtet sind, findet eine sorgfällige Untersuchung des Gesundheitszustandes derselben statt; die diesbezüglichen Vorschriften sind wahrhaft bewunderungswürdig. Es ist schwierig festzilstellsn, inwieweit die einzelnen Vorschriften durch physiologische Erkenntnis bedingt waren. Wir sehen, dass der Genuss von Blut!orgfältig vermieden ward, lange bevor man mit Hilfe des Mikroskopes das häufige Vorkommen von Krankhsitskeimcn in demselben nachgewiescn hatte. Dr. Lionel Beate ist der Ansicht, dass, die Keime erst dann krankmachend wirken, wenn sie in das Blut eingedrungen sind. Hallier fand im Blute Scharlachkranker stets zahlreiche Mikrokocken, und neuere Untersuchungen haben im Blute der an der sogenannten Wollsortirer - Krankheit Leidenden einen Bacillus nachgewiesen, welcher mit dem bei Karbunkel und Milzbrand der Thiere aufgefnndenen übereinstimmt. Wie merkwürdig erscheint demnach die Verordnung, . dass gewisse Gefäße von den mr die Mahlzeit bestimmten Fleischstücken abgetrennt und letztere vor dem Kochen eine halbe Stunde in Salz gelegt werden. Dr. Ferner fand, dass die Zersetzung immer von den Blutgefäßen ihren Ausgang nimmt, und erblickt in dem Vorhandensein des Blutes bei zu Tode gehetzten Thieren die Ursache der schnellen Verwesung ihres Fleisches.

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