Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 27 (9.8.1884)
- Date
- 1884-08-09
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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regelmäßig getheilten Ps. 42 und 43 statt. Ps. 46 zerfällt durcl) S e l a h in drei gleiche Stücke zu vier Versen, Ps. 61 (ohne Ueberschrifl) in zwei Strophen zu vier Versen, Ps. 62 in drei Strophen zu vier Versen, wovon die beiden ersten auch gleich anfangen, Ps. 76 (ohne Ueberschrift) zerfällt nach Inhalt und S e l a h bei V. 4. 7., deren Schluss auf analoge Weise von den durch Gottes Macht unbrauchbar gemachten Kriegswerkzeugen spricht, V. 10 und 13 in vier gleichen Strophen zu drei Versen. Ps. 77 zerfällt V. 2—16 durch Inhalt, ähnliche Schlüsse und Selah in fünf Strophen von je drei Versen, bei V. 4. 7. 10. 13. und 16. Ps. 84 zerfällt durch Selah in drei Theile zu vier Versen, Ps. 87 in zwei Strophen zu drei Versen, worauf noch ein allgemeiner Schlußvers folgt, der sich, wie es scheint, auf ein Nachspiel bezieht. Ob die hebräischen Dichter sich des Reimes bedient haben, darüber hal es auch verschiedene Meinungen gegeben- Einige haben gar geglaubt, dass der Reim die einzige formelle Eigenthümlichkeit der hebräischen Poesie ausmache nnd durch Zerstückelung des Textes in kleine, ungleiche Verse wirklich lauter Reime darzustellen gesucht, z. B.: ה׳ איש מלחמה ה' שמו: מרכבת פרעה והלו ירה בים ומבחר שלישיו טבעו בים סוף תהומות יבסיומו ירדו במצולות u. s. w. Es darf wohl kaum bemerkt werden, wie willkürlich und und unrichtig alles dieses sei. Was die Männer irre machte, ist die Leichtigkeit, mit der sich im Hebräischen wegen des Gleichlautes so vieler grammatikalischer Formen Reime ergeben. Aber eben weil sich der Reim so leicht darbot, verschmähte ihn der hebräische Dichter im Allgemeinen und namentlich im höheren Styl und nur in den seltensten Fällen ließ er ihn gestissentlich mit unterfließen, wie z. B. vielleicht Ps. 2, 12. 8, 5. 106, 5., 116, 7. Job. 21, 4. und an anderen ähnlichen Stellen. Auch in sprüchwörtlichen Redensarten bediente man sich wohl zuweilen des Reimes,'wie z. B. Nicht. 14, 18. Häufiger war der Gebrauch von Wortspielen, aber auch eigentlich nur in Volksreden, bei prophetischen Verkündigungen und Ermahnungen, z. B. ויקו למשפט והנה משפח׳ ויקו לצדקה והנה צעקה Jes. 5. 7. נד נדוד 1 ינותו Mos. 49, 19. selten in eigentlichen Poesien und Gesängen. Diejenige Form der hebräischen Dichtungen, welche sich dem Gedanken am unmittelbarsten anschließt, ist der Parallelismus der Gedankenglieder, indem der Dichter denselben Gedanken von mehr oder weniger verschiedenem, mitunter entgegengesetztem Standpunkte oft auch nach seinen gesonderten Theilen auffaßt z. B.: 1 עדה וצלה שמען קולי. Mos. 4, 23. נשי למך האזינה אמרתי הים ראה וינם Ps. 114, 3. הירדן יסב לאחר נאמנים פצעי אוהב Spr. 27, 6. ונעתרות נשיקות שונא 2 ה׳ איש מלחמה. Mos. 15, 3. .יה׳ שמו Bei allen diesen Fällen ist natürlich eine große Mannigfaltigkeit denkbar. Viel Richtiges und Schönes über den Parallelismus haben bereits Lowth und Herder gesagt und er ist seitdem schon mannigfach beleuchtet worden. Dass der Parallelismus häufig mit Gleichzabl der Worte verbunden ist und offenbar eine für das Ohr berechnete Anlage hat, kann Keinem entgehen. Auch d e Wette hat hierüber viele treffende Andeutungen gegeben, und seinem Scharfsinne würde kaum der wirkliche Versrhythmus entgangen sein, wenn er es versucht hätte, nach der von den Alten angegebenen, hexametrischen Belvnungsweise zu lesen. Ueber die Entstehungsweise des Parallelismus ist manche Erklärung versucht worden. Wollte man diese von der Natur des hebräischen Landes hernehmen, so könnte man etwa sagen, dass dies ein Gebirgsland sei, wo sich die Töne des Sängers mannigfach an Felsen brachen und als Echo zurückkamen. Leicht konnte nun der einsame Sänger, der solchem lieblichen Geschwätze der Natur lauschte, auf jene Form kommen, die, wie der Reim und das Wortspiel das einmal Gesagte von einer anderen Seite wiederholt und oft als wahres Echo zurückgibt. Aber wir würden doch lieber noch einen anderen Weg einschlagen. um die Entstehung des Parallelismus zu erklären. (Schluss folgt.) Israel, Hellas und Rom. (Schluss.) Als bezeichnend mag auch die Art hervorgehoben werden, wie die drei Völker den Begriff der Offenbarung, das heißt einer unmittelbaren Mittheilung der Gottheit an die Menschen, verschiedentlich aufgefasst haben. Die Griechen gingen wahrhaft liederlich damit um, denn ihre Orakel, die bis in'S dritte Jahrhundert vor der gewöhnlichen Zeitrechnung sich hörbar machen, sind, ein kindisches Spiel, das jeder Vernünftige verlachen mußte und von dem Charakter einer modernen Kartenschlägerin kaum unterschieden ist. Des Umgangs der Götter mit den Menschen, wie ihn die Dichtkunst darftellt, brauchen wir nur zu gedenken, der moralische Werth und die Intelligenz ist dabei stets auf Seiten des Menschen. Bei den Römern nahm es eine ernstere Seite an; der König Num a erhielt von der Nymphe Egeria die V e r f a s s u n g s g e s e tz e, alle Schicksale des Staates waren in den s y b i l l i n i s ch e n Büchern angedeutet, die Bezeichnung aus den Opferthieren, Vögelzug rc. waren ehrwürdigen Priestern — ehrwürdig wenigstens im Aevßern, wenn sie auch, nach dem bekannten Spruche, sich nicht begegnen konnten, ohne zu lachen — überantwortet und von vieler Bedeutung für die Masse. Aber welch' wahrer Himmel eröffnet sich, welch' wahre Göttlichkeit tritt uns entgegen, wenn wir die Offenbarung bei den Hebräern betrachten. So wie die Nation blos der Offenbarung wegen da ist, so schließt diese auch alle göttliche und menschliche Existenz in sich ein und ist die Abendröthe des menschlichen und die Morgenröthe des göttlichen Daseins. Ein weites, herrliches Gebiet eröffnet sich uns, wenn wir an die Lebensproducte dieser drei Völker treten und sie nebeneinander zu stellen versuchen wollen. Reden wir zuerst von der bildenden Kunst. Haben wir irgend in den früheren Aufsätzen den allgemeinen Charakter der drei Völker richtig bezeichnet, so lässt sich schon a priori erwarten, was sich in der Wirklichkeit darstellt. Die bildende Kunst mußte für Hellas der eigenthümlichste Boden seiner Productivität sein, aus dem Leben I s r a e ls geschieden bleiben und in Rom vorhanden und genoffen sein, aber ohne daß sie ein eigentliches Element seines Lebens ausmachte. Israel hat anderthalb Jahrtausende im eigenen Lande gelebt und nur einen Tempel und eine Anzahl heiliger Gefäße producirt, und ein /