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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-08-09 · Heft 27 (9.8.1884) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 27 (9.8.1884)
Date
1884-08-09
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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als eben auch von uns angedeuteten Anschauung entstanden, wollen wir uns zuförderst mit der unter dem Titel 86״lniroth ckisrosl" im Zahre 1847, im Selbstverläge des Herausgebers, des ersten Cantors an der Synagoge zu -Paris, S. N a u mbürg erschienenen Sammlung von Synagogengesängen beschäftigen. Nicht etwa, als ob später nicht Vortrefflicheres geschrieben worden wäre, sondern weil die Betrachtung derselben den Lebensgang und die fachmännische Wirksamkeit eines Mannes vorführt, der gleich Lowy, aus Deutschland kommend, mit deutscher Gesinnung und deutscher Bildung ausgerüstet, dennoch berufen. war, auf die Weitergestaltung der Synagogengesangs- Verhältniße Frankreichs einen sensationellen Einfluss zu nehmen, und weil dieses Studium der durch Lowy begonnenen und durch Naumburg trefflich zu Ende gesührten Regelung des Synagogen׳ gesanges in Frankreich als Parallelstudium unserer Zustände in Oesterreich, respeclive in Deutschland treffliches Material zur Läuterung der Anschauungen über den Begriff Synagogengesang, respective Synagogen - Composttionen im Allgemeinen, bieten dürfte. S. Naumburg (Naumbourg) entstammt einer uralten, bis in die vierte Generation hinauf nachweislichen Chasanim- Familie. Ein Urahn der Familie war Vorsteher der israelitischen Gemeinde in S^chwabach und betete gleichzeitig honoris causa an den hohen Ae§ertagen Mussafim, Kol nidre und Ne’illah. Bei dem späteren finanziellen Rückgänge der anfangs wohlsituirten Familie Naumburg und beim gleichzeitig erfolgten Uebersiedeln derselben nach Donaulohe, einer kleinen baierischen Gemeinde, finden wir schon den Großvater als angestellten Gemeindebeamten, nach dessen Absterben sein Sohn, demnach der Vater'S. Naumburgs, die Vorbeter- und Schächterstelle in der Gemeinde Donaulohe übernahm. So erklangen schon an der Wiege S. Naumburg's jene heiligen Melodien, welche unter dem Namen חזנות Gemeingut des Gesammtjudenthums geworden, so .umrauschten schon sein fügendliches Ohr jene Klänge, deren Zauberkraft auch für seine einstige hohe fachmännische Bedeutung diese! b e Wirkung äußern sollten Zm. frommen Elternhause, unter dem sorgfältigsten Schutze einer aufopfernden, ihn mit jeder Faser ihres Herzens liebenden Mutter und des, namentlich in der hebräischen aber auch in der profanen Literatur, sehr bewauderteN^und rastlos fleißigen Vaters sah und Hörle der ideal angelegte Knabe alles Das, was für die einstige Charakterrichtung des Zünglings und Mannes von großer, ja von unendlicher Bedeutung, ist und in der Schule des Vaters lernte er die Anfangselemente all jener Fächer, in denen er später ein Meister wurde. SelbstverständliH wurde auch gesungen, wenngleich auch Naumburg niemals jene gesanglichen Hilfsdienste leistete, die uns unter derLBezeichnung .Zuhalten" geläufig sind; allein der Knabe sang schön und sang׳ auch gern und mit funkelnden Augen erzählte der spätere Mnistrc officiant von de beglückenden Gefühle, welches ihn erfüllte, da er noch als zarter Knabe in der Synagoge seiner Heimatgemeinde das Abendgebet am Simchath Thora vorbetete. Ein glückliches Ungefähr führte dem 12jährigen Knaben, eine Geige zu, auf welcher er es durch Selbststudien bereits nach Zahresfrist zu einer ganz respectablen Fertigkeit brachte, ohne mit dem Wesen des Notensystems irgend welche Bekanntschaft gemacht zu haben; ein noch glücklicherer Zufall führte es herbei, dass der junge Naturkünstler von dem durchreisenden baierischen Hofkapellmeister Röder gehört wurde, welcher, die außergewöhnliche Begabung des Kindes erfassend, den Eltern eine rationell-musikä-, lische Ausbildung desselben an's Herz legte. Die materiellen Verhältniße eines armen jüdischen Dorfcantors, zumal in jener Zeit, gestatteten es jedoch nicht, für die artistische Ausbildung ihrer Kinder zweckentsprechende Sorge zu tragen, und so mußte unser kleiner Geiger, statt in eines der Conservatorien der großen Städte, zum Schulmeister des Dörfchens in die Lehre wandern, welcher, wie Naumburg oft witzig bemerkte, das Seine redlich -dazu beitrug, dass aus dem kleinen Geiger kein bedeutender Virtuos geworden. Mit der feinfühligen Beschäftigung der Geigenton-Bildung ging eine, ebenfalls nicht minder das zarteste Fühlen voraussetzende Thätigkeit Hand in Hand, nämlich die Auffindung der Schlachtmesserscharten ׳; להתיש פגימה לקה מן הלקה denn der Jüngling Naumburg sollte nun auch die Ausübung des rituellen Schlachtens erlernen und in diesem Umstande erblicken wir die allererste Kundgebung für bte einstige Qualifikation zum jüdischen Gemeindebeamteu. Schlachten und Geigen waren nun die beiden Hauptbeschäftigungen des Zünglings. Die technische Gediegenheit der beiden offenkundig heterogenen Künste waren allerdings der Endzweck des strebsamen jungen Mannes und er'erreichte in beiden «auch eine gewisse Vollkommenheit, trotzdem der ideale Grundzug seines Wesens sich selbstverständlich mehr der Poesie der Geige, als der Prosa des Schlachtmessers zuneigte. (Fortsetzung folgt.) Uelier Mustk und Porste der alten Hebräer. * X. Was sich bei der Form der hebräischen Poesie an die Rhythmik und das Gleichmaß der Reihen zunächst anschließt, ist eine Art Strophenbau, welcher sich auf verschiedene Weise ankündigt. Wenn bei alphabetischen Gedichten mehrere (masoretische) Reihen einen gleichen Buchstaben an der Spitze haben, wie je zwei bei Ps. 9, 10/37, je drei bei Klaget. 3. und je acht bei Ps. 119, so entstehen gewissermaßen Strophen von zwei, drei oder acht Versen. Eine andere Erscheinung ist die Wiederkehr gleicher oder ähnlicher Schluss- oder Aufangsverse, wodurch manches poetische Stück in mehrere, milunter gleiche Theile zerfällt. So Ps. 39. V. 6 und 12 : אך הבל כל־־אדםjedesmal am Ende von 6 masoretischen Versen. Ps. 42 und 13, die zusammen ein Ganzes ausmachen, werden durch die gleichlautenden Verse 6, 12 und 5 und andere Psalmen in drei gleiche Stücke getheilt. Man vergleiche auch Ps. 49. V. 13. und 21., Ps. 57. V. 6 und 12 am Schlüsse gleicher Stücke. Ps. 59. V. 10 und 18. Ps. 107. V. 8—9. 15- 16. 21—22. 31—32. Jesaias 9, 11. 16. 20 und 10, 4. Gleiche Aufangsverse sind bei Ps. 72. V. 2 und 6. Ps. 66. 4 und 6. Amos 1, 3. 6. 9. 10. 13. und 2, 1. 4. 6., wo ein sehr ähnlicher Anfang achtmal wiederkeht. Eine andere Art von Strophen-Abtheilung scheint sich dadurch anzukündigen, dass manche Stücke dem Inhalte nachiit gleiche Theile zerfallen und dies durch die Beisetzung von בלה noch deutlicher hervortritt, auf dessen oft. regelmäßige Setzung man, so viel wir wissen, noch nicht aufmerksam gemacht worden ist. Ps. 3.' zerfällt (ohne Ueberschrift) durch Selah in zwei gleiche Theile zu 4 masoretischen Versen, deren erster wieder in zwei Theile und ebenso auch durch den Inhalt die letzten: V. 6 und 7. (Vertrauen), V. 8. und 9. (wirkliche Anrede an Gott). Ps. 9. V. 17. und 21. steht Selah zweimal am Ende von je 4 Versen, die durch den Inhalt vom Vorigen sich absondern. Ps. 24. V. 1 bis 3: Frage, V. 4—6: Antwort und Tel ah, dann je zwei Verse mit gleichem Schluss. Ps. 39, schließt sich Selah an die gleichlautenden Schlußworte an, die zwei gleiche Strophen je zu sechs Versen bilden, dasselbe findet bei den auf gleiche Weise

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