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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-08-09 · Heft 27 (9.8.1884) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 27 (9.8.1884)
Date
1884-08-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Qesterreichisch-ungarische n-Zeitung f s Pränumerations-Preis für Mitglieder deö.-u. Cantoren-Pereine» ohne Musikbeilage viertelj. . fl. 1.— mit Musikbeil, viertelj. fl. 1.25 für Nichtmitglieder in Oesterr.- Ung. ohne Musikbeil, viertel» jährig . . - - fl. 1.25 mit Musikbeil, viertelj. fl. 1.S0 für Abonnenten im AuSlande ».Musikbeil.viertelj. fl. 1.50 mit Musikbeil, viertelj. fl. 1.7S Organ kür die Gesammt-Interessen Mischer (kalltnreu. Erscheint jeden achten Tag. Begründer: Obercantor Icrkob Mauert. ^tJaetlan und Administration Wien, II., Novaragasse 27. Inserat« werden billigst berechnet. Manuskripte werden nicht retournirt. Nr. 27 Wien, 9. AMlljv 1884._4. IahrgaW Heber ״Entwickelung des SiMgogen Von Obercantor A. in Wien. XIX Die. durch Lowy und Sulzer bewirkte Regelung des Synagogengesanges- ,Ward . ji^QeuI^alC'eix mit hoher Befriedigung aufgenommen, und die materiellen wie künstlerischen Erfolge beider Meister forderten hüben und drüben Viele zum Compositionsversuche auf synagogal-gesanglichem Gebiete heraus. Auf dem Boden wahrhaft künstlerischer Arbeit ist das Streben nach ahnlichen Erfolgen anerkannter Vorgänger gewiss löblich und gewährt dem betreffenden Kunstzweige eine bedeutsame und heilsame Kräftigung. Den Nachstrebern Lowy's und Snlzer's auf dem Gebiete der Synagogen-Gesangscomposition ist dies zumeist eben so wenig gelungen, als den Imitatoren Snlzer's bezüglich dessen gesanglicher oder recitativer Vortragsweise. Die Vortragsweise Snlzer's war das Ergebnis eines von der Natur verschwenderisch bedachten, durch emsige Thätigkeit und selten glückliche Umstände zu hoher Vollendung herangereisten Talentes und außerdem, wie jede Kunstschövfung, in der gesammten Individualität Sulzer's begründet. Zur Vorführung der Sulzer'schen Gesangsleistungen gehört nicht allein seine ureigene Stimme, sein künstlerisches Verständnis, sein Idealismus, sondern auch sein feingezeichneter Kopf, seine imposante Gestatt, mit einem Worte, seine ganze I .׳! d i v ionalität; wie war cs denn anders möglich, dass du : ׳?genannten Jünger Snlzer's, die nicht eine einzige der a-u cfichrteu individuell Sulzerischen Eigenschaften und demnach . stvcrständlich noch viel weniger die in edler Harmonie geeinigte Summe derselben ihr eigen nennen konnten, in dem unglücklichen Bestreben, Sulzer zu copiren, statt künstlerischer Gebilde, Zerrbilder zu Wege brachten und leider noch heute in diesem Sinne sündigen? In gleicher Weise haben die Nacharbeiter der in Schir Zion I von Meistern ersten Ranges niedergelegten Synagogen- Gesangscompositiouen statt des künstlerischen Gehaltes die äußere Gestaltungsweise derselben nachzuahmen versucht und eine Synai^ogengesangsliteratur geschaffen, die im Atom.׳ule des Entstehens hereits den Todeskeim in sich barg. Die Namen die:-.-r zw.fielhaften Knnsthercsen blieben selbst damals gänzlich unbekannt, als es ihnen noch gegönnt war, persönlich für ihre K1.׳n!tsthöpsuugeu einzutreten, und die letzteren selbst bieten nur demjenigen noch ein gewisses Interesse, der behufs Auffindung irgend eines geschichtlichen Zusammenhanges Quellen — selbst unlautere — _a11|3usuchen.. u 11 d zu stndiren sich veranlasst sieht. Wohl isN sS-checsULMsr, auf dem von einem bedeutenden und allgemein anerkannten Vorgänger vorbereiteten Wege gemächlich dahin zu schlendern, namentlich wenn die Nachlese seiner Gr׳ rungenschaften künstlerische und sonstige Befriedigung gewährt, als mit seinem eigenen Denken und Fühlen, mit dem Pulsschlage seines eigenen Herzens — mir den Ergebnißen seines eigenen langjährigen Studiums originell und selbstständig zu wirken; dort winkt Behäbigkeit, Ruhe und Gemächlichkeit, hier Arbeit, Kampf und Abwehr — dort die verlockend rauschende Zufriedenheit der großen, gedankenlosen Masse, hier nur die stille Anerkennung einzelner denkender Gesinnungs- und Zeitgenossen — dort genügt der einfache Hinweis auf den Geleilsbrief des großen Vorgängers — hier ist fortwährend Vorsicht und intensives Denken geboten. Allein, fragen wir, genügt jene harmlose Nachahmungsmanier dem kunstgeschichlichen Bedürfniße, oder hätte das rein mechanische Copiren irgend einem Kunstzweige je einen hohen fortschrittlichen Dienst erwiesen? Auf welchem Standpunkte der Entwickelung befände sich die Tonkunst, wenn Mozart mit seinem gewiss allgemein anerkannten Style von Bethoven einfach eopirr worden wäre? Darum dürfen mir jenen Männern den ihnen gebührenden Dankeszoll nicht vorenthalten, dis den Muth und das Zielbewußtsein besaßen, inmitten einer ganzen Welt von Irrungen, dis Wahrheit zu bekennen — darum muss der gewissenhafte Historiker auf jene Männer nachdrücklichst Hinweisen, die, fern von der breitgetretenen Heerstraße der Alltäglichkeit und der puren Nachahmungssucht, den schmalen Pfad der Selbstständigkeit und der Originalität betraten und auf demselben bis zur Grenze *ihrer Lebensaufgabe rüstig und strebsam weiter schritten. Von der nur winzigen Anzahl von Originalarbeiten der nachsulzerischen Periode, die unter dem Einflüsse einer ähnlichen,

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